Belagertes Aleppo Rebellen starten Offensive gegen Assad-Truppen

Russland und das syrische Regime bombardieren Aleppos Rebellenviertel. Dort sitzen etwa 300.000 Menschen fest. Rebellengruppen versuchen nun, den Belagerungsring zu durchbrechen.

REUTERS

Syrische Rebellengruppen haben nach Angaben von Aktivisten eine neue Offensive im Süden und Südwesten von Aleppo gestartet, um die Belagerung durch syrische Regierungstruppen zu durchbrechen. Islamistische Gruppen wie die einflussreiche Ahrar al-Scham und Dschihadisten wie die frühere Al-Nusra-Front, die sich jetzt Fatah al-Scham nennt, wollten demnach eine neue Versorgungsroute freikämpfen.

Fatah al-Scham habe zwei Angriffe mit Autobomben gegen Stellungen der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten in einem Vorort im Südwesten geführt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Parteien hätten sich heftige Kämpfe geliefert. Durch Rebellenangriffe auf ein von Regierungstruppen kontrolliertes Viertel seien elf Zivilisten getötet worden, darunter drei Kinder.

Im Süden Aleppos hätte es weitere Angriffe mit dem Ziel gegeben, in Richtung eines von der Armee kontrollierten Vororts vorzustoßen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation, die sich auf ein Netzwerk von Informanten beruft, können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. In der Vergangenheit haben sie sich aber oft als zuverlässig erwiesen.

Das Gebiet im Süden der ehemaligen Wirtschaftsmetropole ist aufgeteilt zwischen Regierungstruppen, die von iranischen Kämpfern, Kämpfern der libanesischen Hisbollah und russischen Kampfflugzeugen unterstützt werden, auf der einen Seite sowie syrischen und ausländischen Dschihadisten, die mit Rebellengruppen verbündet sind, auf der anderen Seite.

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In Aleppo selbst setzte die syrische Luftwaffe ihre Angriffe auf Rebellenviertel im Osten der Stadt fort. Am Samstag hatten staatliche Medien berichtet, dass Dutzende Zivilisten und Rebellen den Osten über die sogenannten humanitären Korridore verlassen hätten. Diese Angaben wurden jedoch von Rebellen und Bewohnern als "Lügen" bezeichnet.

Russland hatte am Donnerstag die Einrichtung mehrerer Fluchtkorridorein der Stadt verkündet. Die Routen sollen den eingeschlossenen Zivilisten sowie Rebellen, die ihre Waffen niederlegen, einen Weg aus der von den Regierungstruppen belagerten Großstadt ermöglichen.

Beobachter und Rebellen vermuten hinter den Fluchtkorridoren allerdings den Versuch, den Sturm auf die letzten Rebellenviertel in Aleppo vorzubereiten. Die unausgesprochene Botschaft hinter dem Fluchtangebot lautet demnach: Wer jetzt nicht fliehen kann oder will, ist ein Terrorist und damit legitimes Ziel für Russlands Raketen und Assads Fassbomben.

Nach Uno-Schätzungen sitzen 300.000 Menschen im Ostteil Aleppos fest. Die internationale Gemeinschaft forderte die Regierungstruppen auf, die Belagerung der Rebellenviertel zu beenden. Hilfsorganisationen warnen seit Tagen vor einer humanitären Katastrophe in Aleppo.

Angriff auf Krankenhaus im Süden Syriens

Auch im Süden des Landes werden die Kämpfe weiter erbittert geführt: Nach Angaben eines Netzwerks lokaler Aktivisten hat es in der von der Opposition gehaltenen Stadt Jasem einen Luftangriff auf ein Krankenhaus gegeben. Sechs Menschen seien dabei getötet worden. Die Gruppe macht die Regierung für den Angriff verantwortlich.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde bei dem Angriff auch ein Apotheker getötet. Der Luftschlag habe das Krankenhaus außer Betrieb gesetzt.

Krankenhäuser sind in der Vergangenheit wiederholt zur Zielscheibe von Angriffen geworden. Laut der Gruppe "Physicians for Human Rights" mit Sitz in New York waren regimetreue Truppen für 90 Prozent aller Angriffe auf medizinische Einrichtungen verantwortlich.

2015 gab es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Syrien 135 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und ihre Mitarbeiter. Insgesamt wurden nach Uno-Angaben seit Beginn des Syrienkonflikts mehr als 700 Ärzte und Krankenpfleger getötet. Einige Landesteile sind mittlerweile von jeglicher medizinischen Versorgung abgeschnitten.

asa/AFP/AP

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