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26. Januar 2013, 13:27 Uhr

Gefängnis-Stürmung

Syrische Rebellen befreien 300 Inhaftierte

Erfolg für die Rebellen in Syrien: Bei der Stürmung eines Gefängnisses kamen rund 300 Insassen frei. Iran warnt den Westen derweil vor einem Angriff auf das Regime von Machthaber Assad.

Beirut - Syrische Rebellen haben im Nordwesten des Landes ein Gefängnis gestürmt und rund 300 Insassen befreit. Zuvor habe es in dem Zentralgefängnis in der Stadt Idlib und in seiner Umgebung heftige Kämpfe gegeben, berichteten Aktivisten am Samstag.

Regimetreue Fernsehsender meldeten, die Gefechte in der Umgebung der Haftanstalt dauerten an. Die Armee habe Verstärkung geschickt, alle Kommunikationskanäle mit dem Gefängnis seien gekappt worden. Wegen der Medienblockade sind Informationen aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Assads Truppen weiten Offensive aus

Unterdessen berichteten Aktivisten, in der Hauptstadt Damaskus sei eine Autobombe explodiert. Angaben zu möglichen Opfern lagen nicht vor. Nach Angaben der Opposition haben syrische Regierungstruppen derweil ihre Offensive gegen Rebellen in der Provinz Homs ausgeweitet. In den vergangenen Tagen sei Verstärkung dorthin verlegt worden, Ziel sei es, von Aufständischen kontrollierte Gebiete zurückzuerobern, hieß es.

In ganz Syrien kamen Aktivisten zufolge am Freitag bei Auseinandersetzungen mindestens 140 Menschen ums Leben. Seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011 sind in dem Land Schätzungen zufolge mehr als 60.000 Menschen getötet worden, Millionen sind auf der Flucht.

Allein in diesem Monat suchten nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerks (UNHCR) mehr als 30.000 Syrer im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien Schutz. Es handele sich meist um Familien und ältere Menschen aus dem Süden Syriens, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. In Saatari befänden sich nun rund 65.000 Menschen; die Uno-Organisation arbeite zusammen mit der jordanischen Regierung an der Eröffnung eines weiteren großen Flüchtlingslagers.

In dem Bürgerkrieg ist eine Art Patt-Situation eingekehrt. Auch wenn die Aufständischen militärische Erfolge vorweisen können, gilt die Macht Assads nicht als gefährdet. Der Führer der Assad nahestehenden libanesischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, sagte am Freitag in einer Ansprache, diejenigen, die von "dramatischen Veränderungen" in Syrien träumten, sollten ihre Fantasie ruhen lassen - "insbesondere diejenigen, die von einem Fall von Damaskus träumen", erklärte er.

Teheran: Jeglicher Angriff auf Syrien käme Angriff auf Iran gleich

Auch Iran stellte klar, dass jede Form des Angriffs auf das verbündete Land Syrien einem Angriff auf Iran gleichkäme. "Syrien hat eine sehr grundlegende Rolle in der Region in der Politik des Widerstandes. Deshalb würde ein Angriff auf Syrien wie ein Angriff auf den Iran oder seine Verbündete betrachtet", teilte Ali Akbar Welajati, ein Vertrauter des geistlichen Oberhauptes des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, am Samstag der Nachrichtenagentur Mehr zufolge mit.

Die Regierung in Teheran betrachtet Syrien als Teil einer Widerstandsfront gegen Israel und den westlichen Einfluss auf den Nahen Osten. Im September war von iranischer Seite verlautet worden, Iran werde handeln, sollten die USA Syrien angreifen.

yes/dpa/Reuters/dapd

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