Syrien Rebellen verkünden Großoffensive auf Rakka

"Der Kampf wird heftig": Die entscheidende Offensive zur Vertreibung der IS-Miliz aus ihrer syrischen Hochburg Rakka hat offenbar begonnen. US-Spezialtruppen sollen die Rebellen unterstützen.

Syrische Rebellen nördlich von Rakka (Archivbild)
REUTERS

Syrische Rebellen nördlich von Rakka (Archivbild)


Die Kämpfe setzten im Morgengrauen ein: Rebelleneinheiten haben mit ihrer Großoffensive auf die IS-Hochburg Rakka in Nordsyrien begonnen. Das erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Demnach unterstützt eine US-geführte Militärkoalition die Oppositionellen aus der Luft. Auch US-Spezialeinheiten seien im Einsatz, berichten die Menschenrechtler, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien berufen. Ihre Angaben sind nur schwer zu überprüfen.

Seit Beginn der Militäroperation zur Befreiung Rakkas im November waren die Truppen der Syrian Democratic Forces (SDF) unter Führung der kurdischen YPG-Miliz immer weiter auf die Großstadt vorgerückt. Sie werden immer stärker von den USA mit Waffen, Munition und Special Forces unterstützt. Neben dem fast komplett eroberten Mossul im Irak gilt Rakka als wichtigste Stadt in den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Der IS hatte Rakka im Lauf des Sommers 2013 erobert. Im Januar 2014 konnten die Rebellen den IS kurzzeitig fast gänzlich aus der Stadt vertreiben, bevor die Dschihadisten die Stadt und weite Teile Ostsyriens zurückeroberten.

Geflutete Straßen

Der Beobachterstelle zufolge hatten die Rebellen in der Nacht zum Dienstag zunächst einen Bezirk im Osten Rakkas angegriffen. Auch ein Militärstützpunkt im Norden der Stadt sei attackiert worden. "Der Kampf um Rakka wird heftig, weil die Daesh-Kämpfer sterben werden, um ihre sogenannte Hauptstadt zu verteidigen", sagte der Sprecher des Rebellenbündnisses SDF, Talal Silo. Daesh ist die arabische Abkürzung für IS.

Im Mai hatten die IS-Terroristen zu einer besonders perfiden Taktik gegriffen und tiefer gelegene Teile West-Rakkas sowie mehrere Vororte mit Wasser aus dem Euphrat geflutet. Das Wasser stand bis zu anderthalb Meter hoch. Angreifern sollte so der Vormarsch erschwert werden.


vks/dpa/Reuters

insgesamt 59 Beiträge
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Richtigstellung. 06.06.2017
1. Rebellen?
Die YPG sieht den IS und die größtenteils islamistischen und von der Türkei unterstützten Rebellen als größte Bedrohung. Mit der syrischen Armee arbeitet man teilweise sogar zusammen (Afrin/Aleppo/nördliche Euphrat-Region/gemeinsame Abwehr des IS-Großangriffes in Hassakeh/etc.). Die von der YPG geführte SDF als Rebellen zu bezeichnen ist somit schlicht und ergreifend falsch.
Masumania 06.06.2017
2. Keine Rebellen
Die kurdischen YPG sind mitnichten Rebellen, bitte unbedingt korrigieren! In der Vergangenheit arbeiteten die Kurden gut mit der syrischen Armee zusammen, Gebietsgewinne wurden den syrischen Streitkräften überantwortet, gemeinsame Offensiven gestartet...
HeisseLuft 06.06.2017
3. Auch nicht ganz richtig
Zitat von Richtigstellung.Die YPG sieht den IS und die größtenteils islamistischen und von der Türkei unterstützten Rebellen als größte Bedrohung. Mit der syrischen Armee arbeitet man teilweise sogar zusammen (Afrin/Aleppo/nördliche Euphrat-Region/gemeinsame Abwehr des IS-Großangriffes in Hassakeh/etc.). Die von der YPG geführte SDF als Rebellen zu bezeichnen ist somit schlicht und ergreifend falsch.
Jein. Der Artikel ist da ungenau, soweit richtig. Aber: an der Offensive sind mitnichten nur die YPG beteiligt, sondern eben - seit einigen Tagen - auch die verbündete Liwa Thuwar al-Raqqa. Und das ist eine Rebellengruppe, die bereits in 2013 in Rakka Einfluss gehabt hat. Also halbrichtig: kurdische Einheiten, arabische Einheiten der SDF und autonome Gruppen wie die oben genannte, für die die Bezeichnung Rebellen durchaus zutrifft.
aaaron 06.06.2017
4. US-Spezialtruppen kämpfen dort
... ohne einen Beschluss des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und ohne Einladung der legitimen Regierung. Deutsche Kräfte, die am Syrien-Einsatz mit Aufklärungsflügen beteiligt sind und denen dabei auch jede völkerrechtliche Legitimation fehlt, sollten aus der Türkei nicht nach Jordanien sondern zurück nach Hause verlegt werden.
maynard_k. 06.06.2017
5. @masumania und heisse Luft
Ob jemand "Rebell" ist oder nicht liegt in der Regel im Auge des Betrachters! [Der Begriff "Rebell" wird meist wertfrei rezipiert; Terrorist ist eindeutig und sehr negativ konnotiert; der Begriff Freiheitskämpfer positiv. Indem Massenmedien in der Berichterstattung für vergleichbare Sachverhalte beide Begriffe variabel einsetzen, werden divergierende Interessenlagen in der internationalen Machtpolitik gut erkennbar.] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rebell
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