Offensive im Norden Syrische Regierung ruft Kurden zum gemeinsamen Kampf gegen Türkei auf

Im Kampf gegen die Türkei haben die syrischen Kurden einen Deal mit Assad geschmiedet. Dieser will nun offenbar wieder mehr Kontrolle im Grenzgebiet - und sich gegen die "türkische Aggression" vereinen.

Soldaten der syrischen Armee: "Wir stehen einem gemeinsamen Feind gegenüber"
XinHua/DPA

Soldaten der syrischen Armee: "Wir stehen einem gemeinsamen Feind gegenüber"


Vor wenigen Wochen startete die Türkei ihre lange angekündigte Offensive gegen die Kurdenmilizen in Nordsyrien. Angesichts der türkischen Übermacht suchten die Kurden beim syrischen Machthaber Baschar al-Assad Hilfe. Nun hat die Regierung in Damaskus die Kurdenmilizen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zum gemeinsamen Kampf gegen die Türkei im Norden des Landes aufgerufen.

"Wir stehen in Syrien einem gemeinsamen Feind gegenüber", teilte das Verteidigungsministerium der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge mit. Kurden und Araber müssten sich angesichts der "türkischen Aggression" vereinen", um "jeden Zentimeter der geliebten syrischen Gebiete wiederherzustellen".

Die Türkei war am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert und hatte mithilfe von Verbündeten die Kurdenmiliz YPG angegriffen, die sie als Terrororganisation betrachtet. Russland als Schutzmacht Assads und die Türkei hatten sich vergangene Woche dann darauf verständigt, die Grenzgebiete zur Türkei gemeinsam zu kontrollieren. Syrische Grenztruppen und die russische Militärpolizei übernahmen am Dienstag die Kontrolle, die Türkei will dort nach Aussagen von Präsident Recep Tayyip Erdogan ab Freitag zusammen mit Russland patrouillieren.

Berichte über Zusammenstöße zwischen türkischer und syrischer Armee

Zuletzt berichteten syrische Medien, dass es im Norden des Landes zu Zusammenstößen zwischen türkischer und syrischer Armee gekommen sei. Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Umgebung der Grenzstadt Ras al-Ain, hieß es weiter. Für die Angaben gab es zunächst keine Bestätigung.

Der Aufruf der Regierung in Damaskus an die von den YPG angeführten SDF scheint auch ein Versuch zu sein, in der Region wieder Fuß zu fassen. Assad hatte seine Truppen im Jahr 2012, in der Frühphase des syrischen Bürgerkriegs, aus den Kurdengebieten zurückgezogen, um andernorts im Land gegen Rebellen zu kämpfen. Seitdem verwalteten die Kurden die Region weitgehend selbst, Assad hatte dort faktisch keine Macht mehr. Dass die Kurden im Zuge der türkischen Angriffe in Damaskus und Moskau um Unterstützung gebeten hatten, kam der syrischen Regierung gelegen.

Das syrische Innenministerium erklärte sich bereit, für die Anwohner der Region "alle für zivile Angelegenheiten benötigten Dienste" bereitzustellen. Worum es sich bei diesen Diensten genau handelt, blieb unklar. Viele Kurden in Syrien sind staatenlos. Assads Vater und Amtsvorgänger Hafis hatte Zehntausenden Kurden im Nachgang einer Volkszählung 1962 die Staatsangehörigkeit aberkannt. 2011 dürfte die Zahl der staatenlosen Kurden im Land bei über 300.000 gelegen haben.

asc/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.