Versorgungswege abgeschnitten Assad-Regime kesselt Rebellen in Aleppo ein

Während auf dem G20-Gipfel über eine Waffenruhe in Syrien verhandelt wird, schafft das Assad-Regime Fakten: Die Regierungstruppen sind in Aleppo erneut vorgerückt und haben Versorgungswege gekappt.

Ein Junge vor Ruinen in Aleppo
REUTERS

Ein Junge vor Ruinen in Aleppo


Die Versorgungslage im syrischen Aleppo spitzt sich wieder zu. Die Einheiten von Machthaber Baschar al-Assad sind am Sonntag südlich von Aleppo vorgerückt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Das Regime schnitt damit den Versorgungskorridor in die Rebellengebiete im Ostteil der Stadt ab.

Regimetruppen hatten die Aufständischen bereits Mitte Juli eingekesselt. Den Dschihadisten war es nach drei Wochen gelungen, die Belagerung wieder zu durchbrechen. In den Vierteln unter Kontrolle der Rebellen leben rund 250.000 Menschen, in den von der Regierung gehaltenen Stadtteilen sind es etwa 1,2 Millionen. Die syrische und die russische Luftwaffe greifen immer wieder von Rebellen gehaltene Wohngebiete an.

Zudem sollen die Regierungstruppen die drei Militärakademien in der nordsyrischen Stadt zurückerobert haben. Mit der Einnahme auch der Akademie der Artillerie kontrollierten die Regierungstruppen nun wieder alle drei Militärhochschulen; das bedeute, dass die von den Rebellen gehaltenen östlichen Stadtteile "erneut komplett umschlossen sind", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Informanten in Syrien. Die Angaben sind für Medien meist kaum zu überprüfen.

Die Lage in Aleppo, der einstigen Wirtschafts- und Kulturmetropole des Landes, ist verheerend. Die Stadt ist seit Mitte 2012 in einen von den bewaffneten Aufständischen kontrollierten Osten und einen von der Regierung beherrschten Westen geteilt.

Russische Luftwaffe macht den Weg frei für das Regime

Die neue Belagerung dürfte nun auch die Verhandlungen zwischen den USA und Russland über eine Waffenruhe in Syrien beim G20-Gipfel in China beeinflussen. Trotz intensiver Verhandlungen war jedoch vorerst keine schnelle Lösung in Sicht, auch wenn US-Präsident Barack Obama eine Vereinbarung mit Russland nicht ausschloss. Man sei aber noch nicht so weit, sagte Obama am Sonntag. Es gebe noch tiefe Meinungsverschiedenheiten.

"Wenn die Russen nicht Zugeständnisse machen, die Gewalt zu reduzieren und die humanitäre Krise zu lindern, wird es schwierig, die nächste Phase zu erreichen", sagte Obama. Er verteidigte die Verhandlungen mit Moskau. "Unsere Gespräche mit den Russen sind der Schlüssel, denn wenn die Russen nicht wären, könnten Assad und sein Regime ihre Offensive nicht aufrechterhalten", sagte er. Die russische Luftwaffe bahnt mit ihren Angriffen den syrischen Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad den Weg.

Vor wenigen Wochen kündigte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an, eine Luftbrücke zugunsten der Not leidenden Menschen in Aleppo prüfen lassen zu wollen. Diskussionen dazu gibt es schon länger. Die Mitglieder der Internationalen Unterstützungsgruppe für Syrien (ISSG), zu der auch die EU-Länder und die USA gehören, hatten sich im Mai auf eine Erklärung geeinigt. Sollte die syrische Regierung humanitäre Hilfe in den belagerten Gebieten nicht zulassen, sollte die Uno demnach eine Luftbrücke einrichten. Doch konkrete Vorbereitungen gab es zunächst nicht.

vks/dpa/AFP

insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marcusaemiliuslepidus 04.09.2016
1.
Damit ist doch nur entgültig was schon die ganze Zeit galt. Ostaleppo mit deutlich weniger als 250000 Menschen ist belagert. Der eroberte Korridor war ohnehin unmöglich als Nachschubroute zu gebrauchen weil dauernt unter Feuer. Jetzt ist nur zu wünschen, dass ein breiter Streifen erobert wird der die Versorung der 1,2 Millionen im Westen der Stadt sichert.
reuanmuc 04.09.2016
2.
Die Erfolge schwappen hin und her. Fakt ist, dass die Kämpfe und Rückeroberungen einen hohen Blutzoll fordern, besonders bei Angreifern. Die Russen werden jetzt Farbe bekennn müssen, ob sie den Zivilisten helfen wollen und Assads Armee stoppen. Andernfalls machen sie sich des Massenmordes schuldig. Putin hat sich in Syrien verzockt. Außer dem syrischen Volk ist er der Verlierer.
ich_darf_doch_mal 04.09.2016
3. Erst müssen die Islamisten die Waffen abgeben
Ich fühle mit den Menschen die von den islamistischen Aufständiischen als Geiseln gehalten werden. Ich hoffe dass die zerstörerischen Kräfte bald ganz von den Waffenlieferungen abgeschnitten werden. Dann kann das Land befrieded werden und dann haben die Menschen auch endlich eine Vertretung mit der über die Verbesserung der Lage verhandelt werden kann. Man wird den Russen noch danken müssen. Sicher aus den flaschen Gründen aber sie haben das einzig Richtige getan. Sie werden diesen schrecklichen Krieg hofentlich beenden.
HeisseLuft 04.09.2016
4. Da gibt es einen wichtigeren Mitspieler aus Assads Sicht
Zitat von reuanmucDie Erfolge schwappen hin und her. Fakt ist, dass die Kämpfe und Rückeroberungen einen hohen Blutzoll fordern, besonders bei Angreifern. Die Russen werden jetzt Farbe bekennn müssen, ob sie den Zivilisten helfen wollen und Assads Armee stoppen. Andernfalls machen sie sich des Massenmordes schuldig. Putin hat sich in Syrien verzockt. Außer dem syrischen Volk ist er der Verlierer.
Des Massenmordes sind die sowieso schon schuldig, nicht erst seit dem Abwurf von Brandbomben auf Idlib. Nur: Putin verliert deshalb nicht. Nicht unbedingt Was will Putin? Assad und seinen Anhang um jeden Preis halten? Das ist wohl eher nicht seine Mission. Plausibel sind für ihn folgende Ziele: 1., am wichtigsten: mit dem Westen wieder ins Geschäft kommen. Idealerweise ihn dazu bringen an seiner Seite zu kämpfen und ihn als vollwertigen Partner, ja Bundesgenossen zu sehen. 2. Das Gesicht zu wahren. Also nichts eingehen, dass alle vorherigen Anstrengungen sinnlos erscheinen lässt. 3. Den Flottenstützpunkt zu behalten. Für diese 3 Punkte, wenn auch für den ersten nur mit Abstrichen, genügt es, wenn Syrien eine Art Bosnien-Herzegowina wird, mit Assad als zeitweiliger Gallionsfigur. Dann könnte ihm ein autnomer Alawitenstaat an der Küste auch seinen Flottenstützpunkt erhalten. Und Pkt 2 wäre damit auch gesichert. Er hat ja mitgeholfen die Minderheiten zu retten und den Frieden wiederherzustellen, angeblich. Es ist viel interessanter zu beobachten, wessen Felle derzeit tatsächlich ins Schwimmen geraten. Denn im Unterschied zu Russland will *der Iran* offenbar wirklich und um jeden Preis dieses Regime erhalten. Es ist der Schlüssel für eine Landverbindung ans Mittelmeer. Über den schiitisch dominierten Irak hinweg zur Hizbollah, die jederzeit Israel wieder lästig werden kann und damit auch die USA in unliebsame Konflikte verwicken kann. Wenn sich nun nach Israel auch die - ohne Zweifel - sunnitische Vormacht Türkei an Russland annähert und gleichzeitig häufiger Gespräche zwischen Russland und USA stattfinden, dann dürften sich in erster Linie der Iran Sorgen machen. Genauer: nicht die dortige Regierung. Sondern der Staat im Staate, der Pasdaran heißt.
HeisseLuft 04.09.2016
5.
Zitat von ich_darf_doch_malIch fühle mit den Menschen die von den islamistischen Aufständiischen als Geiseln gehalten werden. Ich hoffe dass die zerstörerischen Kräfte bald ganz von den Waffenlieferungen abgeschnitten werden. Dann kann das Land befrieded werden und dann haben die Menschen auch endlich eine Vertretung mit der über die Verbesserung der Lage verhandelt werden kann. Man wird den Russen noch danken müssen. Sicher aus den flaschen Gründen aber sie haben das einzig Richtige getan. Sie werden diesen schrecklichen Krieg hofentlich beenden.
Die wollten Ostaleppo auch dann nicht verlassen, als sie es - angeblich - hätten tun können. Die angeblichen Korridore hat es nie gegeben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.