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Rebellenhochburg Homs: Eine Stadt im Dauerfeuer

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Syrien Rotes Kreuz rettet erstmals Frauen und Kinder in Homs

Kleine Pause in den Angriffen auf Homs: Nothelfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds haben Zugang zur belagerten syrischen Stadt Homs erhalten. Sie konnten Frauen und Kinder aus dem umkämpften Stadtteil Baba Amr bringen. Das Schicksal westlicher Journalisten in dem Viertel ist unklar.

Genf - Es gibt Hoffnung für die vielen Verletzten in der syrischen Stadt Homs. Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds begannen am Freitag in der umkämpften syrischen Stadt Homs damit, verletzte Menschen zu versorgen. Das bestätigte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). "Wir sind jetzt in (dem Stadtviertel) Baba Amr zusammen mit dem Syrischen Roten Halbmond", sagte IKRK-Sprecher Bijan Farnoudi.

Es sei ein erster Schritt vorwärts, hieß es aus der IKRK-Führung. Bis zum Abend seien sieben Menschen aus dem umkämpften Gebiet in ein Krankenhaus in einem anderen Teil der Stadt gebracht worden. In der Nacht von Freitag auf Samstag teilte das IKRK mit, 20 weitere Frauen und Kinder seien evakuiert worden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die Hoffnungen stiegen, hieß es, dass die Evakuierung am Samstag fortgesetzt werden könne.

Ob drei verwundete ausländische Journalisten die Möglichkeit erhielten, die Stadt zu verlassen, war zunächst unklar, auch im Verlauf der Nacht blieb die Nachrichtenlage konfus. Am Freitagabend meldete die Nachrichtenagentur Reuters, die Aktivistengruppe Avaaz habe berichtet, dass sich die Journalisten angeblich bislang geweigert hätten, Baba Amr zu verlassen, solange es kein Bekenntnis zu einem vollen, humanitären Waffenstillstand gebe.

Dieser Meldung schloss sich später die Nachrichtenagentur AP an und ergänzte, der syrische Außenminister habe in Abweichung von der Aktivistenmeldung "bewaffnete Gruppen" beschuldigt, sich zu weigern, die Journalisten auszuhändigen.

Es seien "Verhandlungen über den Abtransport aller Verletzten ohne Ausnahme" im Gange, hatte Rot-Kreuz-Sprecher Farnoudi am Nachmittag über den Internet-Dienst Twitter mitgeteilt. Kurz darauf meldete IKRK-Sprecherin Carla Mardini, Helfer hätten begonnen, Frauen und Kinder in Sicherheit zu bringen.

Das Viertel Baba Amr lag in den letzten Tagen laut Berichten von Augenzeugen unter schwerem Beschuss durch syrische Regierungstruppen. Seit rund einer Woche hatte das Rote Kreuz die syrischen Behörden und die bewaffnete Opposition immer wieder aufgefordert, eine Feuerpause zur Versorgung der Verletzten und Notleidenden zu ermöglichen. Das IKRK besteht darauf, alle Kranken und Verwundeten in Sicherheit zu bringen.

Beim Beschuss der Stadt Homs durch syrische Regierungstruppen waren die amerikanische Kriegsreporterin Mary Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik ums Leben gekommen. Sie hatten nach Angaben von Aktivisten im Stadtteil Baba Amr ein Medienzentrum der Regimegegner besucht, als das Gebäude attackiert wurde. Zwei weitere Journalisten, ein Brite und eine Französin, wurden bei dem Dauerbeschuss verletzt.

Bei einem internationalen Krisentreffen berieten Vertreter von mehr als 70 Staaten am Freitag in Tunis über eine Lösung der Krise. Die breite internationale Allianz verstärkt den Druck auf das syrische Regime von Machthaber Baschar al-Assad. Die tunesische Regierung schlug vor, den Diktator ins Exil nach Russland zu schicken. Die Kontaktgruppe der Freunde Syriens drohte bei ihrem ersten Treffen mit weiteren Sanktionen, falls das Regime die Gewalt gegen das eigene Volk nicht sofort beende. Von einer Militärintervention in Syrien wollten die Teilnehmer jedoch nichts wissen. Sie schlossen sich zusammen, nachdem die Vetomächte Russland und China im Uno-Sicherheitsrat mehrfach Zwangsmaßnahmen gegen Syrien verhindert hatten.

Allein am Freitag wurden in Syrien nach Angaben von Aktivisten wieder mindestens 66 Menschen getötet. In mehreren Städten schossen die Sicherheitskräfte auf Demonstranten. Trotz bürgerkriegsähnlicher Zustände soll an diesem Sonntag über eine neue Verfassung für Syrien abgestimmt werden.

ler/bos/dpa/AFP/Reuters/AP
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