Syrien Russland baut Militärbasis wohl sehr schnell aus

Was genau passiert in Dschabla, südlich der syrischen Hafenstadt Latakia? Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es neue Hinweise darauf, dass Russland hier eine Militärbasis aufbaut - mit hohem Tempo.

Russisches Transportflugzeug (in Dschabla, April 2014): Diese Maschine brachte, so hieß es jedenfalls, Hilfsgüter. Nun wird über Militärgerät berichtet
AFP/ SANA

Russisches Transportflugzeug (in Dschabla, April 2014): Diese Maschine brachte, so hieß es jedenfalls, Hilfsgüter. Nun wird über Militärgerät berichtet


Sollte der Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" stimmen, dann würde Russland sein militärisches Engagement in Syrien schneller und stärker hochfahren als bislang bekannt. Bisher betreibt Moskau im syrischen Tartus nur eine relativ kleine Versorgungsbasis für Einsätze im Mittelmeerraum. Außerdem beliefert es das Regime von Baschar al-Assad mit Waffen und beruft sich dabei auf vor Jahren geschlossene Verträge. Auch Militärberater sind im Land.

Seit Tagen gibt es aber Diskussionen, was Russland darüber hinaus plant. Es geht vor allem um eine Basis, die offenbar bei Dschabla entsteht. Nach US-Angaben will Moskau von dort aus "eine Art Flugeinsatzzentrale" betreiben.

Der Aufbau geht laut dem aktuellen Zeitungsbericht, der sich auf Sicherheitskreise in Deutschland beruft, mit hohem Tempo voran. Demnach sind seit Anfang September 25 Transportmaschinen vom Typ Antonow-124 auf dem Flughafen Basil al-Assad am Stadtrand von Dschabla gelandet. Dieser wird militärisch und zivil genutzt.

Bisher hatten US-Offizielle von drei bis vier Flügen gesprochen. Außerdem, so heißt es in dem Bericht weiter, brächten zivile Frachter Material über das Meer. Geliefert würden neben Schützenpanzerwagen, Militärlastwagen und Granatwerfern auch moderne Fernmelde- und Lasertechnik.

Der Aufbau des Stützpunkts solle bis Ende September abgeschlossen sein, schreibt die Zeitung. Insgesamt seien rund hundert Transportflüge mit den Antonow-124-Maschinen geplant. Momentan befinde sich eine Vorhut von rund hundert Soldaten auf dem Flugplatz. Es werde aber damit gerechnet, dass mindestens tausend Mann gebraucht würden.

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Die russischen Streitkräfte haben laut der Webseite russianplanes.net noch zehn Antonow-124 im Dienst. Nato und EU nutzen die Flugzeuge wegen der Verzögerungen beim A-400-M-Projekt auch, indem sie diese leasen. Sechs von ihnen sind dafür am Flughafen Leipzig/Halle stationiert. Sie sind geeignet für den Transport von militärischem Gerät über große Strecken und kommen auch mit kurzen Start- und Landebahnen klar.

Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" drückt Russland beim Aufbau des Stützpunktes in Syrien auch so aufs Tempo, weil Präsident Wladimir Putin am 28. September in New York eine Rede halten will. Vor der Uno-Vollversammlung will er demnach eine globale Anti-Terror-Koalition vorschlagen. Diese solle sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien und im Nordirak richten - aber auch gegen terroristische Bewegungen im Kaukasus und in Zentralasien.

Landkarte: Die aktuelle Situation in Syrien Um den Konflikt in Syrien beizulegen und den Kampf gegen den "Islamischen Staat" zum Erfolg zu führen, "brauchen wir sowohl die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch die Zusammenarbeit mit Russland, sonst wird es keine Lösung geben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag in Berlin. "Auch dafür setzt sich Deutschland ein."

Immer wieder hatte auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier in den vergangenen Tagen zu Verhandlungen mit Russland und Iran über eine politische Lösung in Syrien aufgerufen. Die Wiener Atomvereinbarung mit Iran sei eine vielleicht nicht wiederkehrende Gelegenheit, verhärteten Fronten endlich aufzubrechen, schrieb Steinmeier nun noch einmal in einem Beitrag für den "Tagesspiegel": "Jetzt muss es gelingen, die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu bringen."

Ein Ausbau der russischen Militärhilfe für das syrische Regime könne allerdings die Fortschritte in den Gesprächen wieder infrage stellen, so Steinmeier. Auch die US-Regierung hatte sich "tief beunruhigt" über ein mögliches russisches Militärengagement in Syrien gezeigt. Russland hat mögliche Warnungen als "merkwürdige Hysterie" bezeichnet.

Unterdessen debattiert Belgien als eines der ersten westlichen Länder darüber, ob es Bodentruppen nach Syrien schicken sollte. Verteidigungsminister Steven Vandeput sagte laut Nachrichtenagentur Belga in einem Interview: "Es ist letztlich nötig, Truppen einzusetzen, um den Frieden wiederherzustellen, sonst macht eine militärische Aktion wenig Sinn."

Die französische Luftwaffe hat zur Vorbereitung von Luftangriffen bereits Aufklärungsflüge über Syrien geflogen. Einen Einsatz französischer Bodentruppen in Syrien lehnte Staatspräsident François Hollande dagegen als unrealistisch ab. Auch die USA hatten ein Eingreifen von Bodentruppen bisher stets ausgeschlossen und setzen auf Luftschläge, die von einer internationalen Koalition durchgeführt werden.

Dazu gehören auch Kanada, Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Australien hat ebenfalls angekündigt mit einzusteigen. Einen ersten Aufklärungsflug hat es in der Nacht zum Samstag bereits gegeben. Womöglich beteiligen sich auch Frankreich und Großbritannien an Luftangriffen.

chs/dpa/Reuters

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