Russische Luftunterstützung Assad-Truppen auf dem Vormarsch

In Syrien haben Truppen von Machthaber Assad Gebiete der Rebellen zurückerobert. Unterstützt werden sie von russischen Kampfjets. Menschenrechtler werfen dem Kreml vor, auch Streubomben abzufeuern.
Aufnahme des russischen Verteidigungsministeriums: Bombeneinschlag in Syrien

Aufnahme des russischen Verteidigungsministeriums: Bombeneinschlag in Syrien

Foto: Russian Defence Ministry Press S/ dpa

Das russische Verteidigungsministerium hat am Sonntag erneut von erfolgreichen Luftangriffen in Syrien berichtet. Generalmajor Igor Konaschenkow nannte als Angriffsziele - wie in allen Stellungnahmen Moskaus - die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Dem abgehörten Funkverkehr zufolge mache sich nun unter den IS-Kämpfern Panik breit.

Laut Konaschenkow seien mehr als 60 Ziele in den Provinzen Hama, Latakia, Idlib und Al-Rakka getroffen worden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte befinden sich in den Provinzen Latakia und Hama jedoch gar keine größeren Stellungen des IS. Westliche Länder und gemäßigte syrische Rebellen werfen der Regierung in Moskau vor, hauptsächlich gegen Aufständische ohne Verbindungen zum IS vorzugehen. Diese Rebellen zählen in der Regel sogar zu den erbitterten Feinden des IS.

Bodentruppen erobern Gebiete von Rebellen zurück

Den Oppositionsangaben zufolge hat Syriens Armee mit Rückendeckung der russischen Luftwaffe nun Geländegewinne im Westen des Landes verzeichnet. Die Einheiten hätten mit Unterstützung von Kämpfern der libanesischen Hisbollah-Miliz die strategisch wichtige Hochebene von Tal Skik in der Provinz Idlib von Rebellen zurückerobert.

Die Provinz Idlib wird nahezu vollständig von der islamistischen "Armee der Eroberung" kontrolliert. In ihr sind der syrische Ableger von Al-Qaida, die Al-Nusra-Front, und die von den Golfstaaten und der Türkei unterstützte Gruppierung Ahrar al-Scham zusammengeschlossen.

Auch in der zentralen Provinz Hama an der Fernstraße zwischen Damaskus und Aleppo sowie im nördlichen Teil der Küstenprovinz Latakia seien Regierungssoldaten erfolgreich gewesen. Im Norden von Latakia eroberte die Armee nach übereinstimmenden Angaben auf ihrem Vormarsch unter anderem die Ortschaft Kafr Dalba.

Laut der Beobachtungsstelle nahmen Regierungssoldaten in Hama drei Dörfer im Osten der Fernstraße ein und versuchten, auch Gebiete westlich der Straße unter ihre Kontrolle zu bringen. Ziel der Offensive sei es, die an Latakia grenzende Ebene Sahl al-Ghab von den Rebellen zurückzuerobern, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Syriens amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, den heftigen Kämpfen seien russische Luftangriffe gegen Aufständische vorausgegangen. Dabei seien mindestens 50 Rebellen getötet worden.

Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen; sie haben sich in der Vergangenheit jedoch häufig als akkurat erwiesen.

Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Russische Jets fliegen seit Ende September Luftangriffe in dem Land. Alle Indizien deuten darauf hin, dass es Russland nicht um einen Kampf gegen den IS, sondern um Unterstützung für Assad geht.

Setzt Russland Streubomben ein?

Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Russland unterdessen vorgeworfen, für den Einsatz neuartiger Streubomben in Syrien verantwortlich zu sein. Fotos belegten, dass die verbotenen Bomben am 4. Oktober über dem Dorf Kafr Halab südwestlich von Aleppo abgeworfen wurden, erklärte HRW am Sonntag. Die Streubomben seien entweder von Russland selbst eingesetzt oder von Moskau an die syrische Armee geliefert worden.

Streubomben setzen Hunderte kleinerer Bomben frei. Viele Blindgänger explodieren erst Jahre später. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft - wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt. Laut einem von 116 Staaten unterzeichneten Vertrag aus dem Jahr 2008 ist Streumunition international verboten.

Weder Russland noch Syrien sollten Streumunition einsetzen, erklärte der HRW-Vertreter Nadim Houry. Er rief beide Staaten auf, sich umgehend dem internationalen Verbot zum Einsatz dieser Waffen

cst/dpa/Afp
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