Russland über Bombenangriff auf Schule "Ich hoffe, dass wir nicht beteiligt waren"

Fallschirmbomben fallen auf Schulkinder in Syrien, offenbar gezielt. Ein Video zeigt einen Jet aus russischer Produktion. Der Kreml reagiert wie immer, nur der Uno-Botschafter schlägt einen anderen Ton an.
Zerstörter Klassenraum in Haas.

Zerstörter Klassenraum in Haas.

Foto: OMAR HAJ KADOUR/ AFP

4000 Angriffe auf Schulen hat Unicef seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor fünf Jahren gezählt. Das sind im Schnitt mehr als zwei Angriffe pro Tag gegen Einrichtungen für Kinder - Einrichtungen, die ebenso wie Krankenhäuser gemäß internationalem Recht unter besonderem Schutz stehen.

Attacken auf Schulen in Syrien sind also im wahrsten Sinne alltäglich geworden. Doch am Mittwoch hat sich nach Angaben von Unicef der bislang schwerste Angriff ereignet: 22 Schüler und sechs Lehrer wurden demnach bei dem Luftangriff auf ein Schulzentrum in der Ortschaft Haas in der Nähe von Idlib getötet. Offenbar wurde das Schulgelände gleich mehrfach bombardiert. Die zweite Attacke soll passiert sein, als Kinder und Lehrer vor dem Bombardement ins Freie flüchteten.

Luftangriff auf Haas

Luftangriff auf Haas

Foto: Revolutionary Forces of Syria, via AP

"Wenn jemand den Befehl zu einem gezielten Angriff auf die lernenden Kinder gab, ist dies ein erneutes, furchtbares Kriegsverbrechen, für das die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen", fordert Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.

Doch wer ist für den Tod der Schüler verantwortlich?

Die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens ist eine der wichtigsten Hochburgen der Opposition. Weite Teile der Region werden von dem islamistischen Rebellenbündnis "Eroberungsarmee", kontrolliert. Diesem Zusammenschluss gehören auch Kämpfer der Terrormiliz Dschabhat Fatah al-Scham an, die bis vor wenigen Wochen noch Nusra-Front hieß. Die US-Armee griff vor mehr als zwei Jahren in der Provinz einen mutmaßlichen Stützpunkt von Terroristen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida an, fliegt seither aber fast nur noch Angriffe auf Ziele der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) im Osten Syriens.

In den vergangenen Monaten haben das syrische und das russische Militär ihre Luftangriffe gegen Stellungen der Rebellen in Idlib und Umgebung verstärkt. Offenbar flogen sie auch am Mittwoch den Angriff auf das Schulzentrum in Haas: Oppositionelle haben einen Kampfjet über der Stadt gefilmt, der mindestens eine sogenannte Fallschirmbombe abwirft. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Bomber vom Typ Suchoi SU-24. Diese Jets werden in Russland gebaut. Nur zwei Kriegsparteien in Syrien haben sie in ihrem Bestand: die syrische und die russische Luftwaffe.

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Zu diesem Schluss kommt auch der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault. Entweder Russland oder Syrien sei für den Angriff auf die Schule verantwortlich, sagte der Politiker in Paris.

Der Kreml reagiert wie immer: Die Berichte über eine russische Beteiligung seien "eine Lüge", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. "Die Russische Föderation hat mit dieser schrecklichen Tragödie nichts zu tun." Der Vorfall müsse von internationalen Organisationen untersucht werden. Das Verteidigungsministerium in Moskau prüfe bereits alle vorliegenden Daten - mit ihrer Aussage in der Pressekonferenz hat Sacharowa das Ergebnis aber schon vorweggenommen.

Zuvor hatte der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin lediglich gesagt: "Ich hoffe, dass wir nicht beteiligt waren." Er verwies auf das russische Verteidigungsministerium. Dessen Sprecher Igor Konaschenkow hat bislang lediglich darauf verwiesen, dass syrische und russische Flugzeuge in den vergangenen neun Tagen keine Angriffe in einem Radius von zehn Kilometern um Aleppo geflogen hätten. Der Ort Haas liegt aber gar nicht in dem vom Sprecher beschriebenen Radius, sondern ist mehr als 80 Kilometer von Aleppo entfernt.

Das syrische Staatsfernsehen meldete einen erfolgreichen Angriff auf Terroristen in Haas, bei dem mehrere Kämpfer getötet worden seien. Der Bericht ließ offen, ob russisches oder syrisches Militär für die Attacke verantwortlich war.

Von einer Schule war in der Meldung keine Rede.

SPIEGEL ONLINE
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