Syrienkrieg Russland plant offenbar neue Luftschläge bei Aleppo

Russland will anscheinend in den nächsten Stunden Rebellenstellungen in der Region Aleppo bombardieren - das melden russische Medien ausgerechnet am Tag der US-Wahl.

Zerstörtes Viertel in Aleppo
AFP

Zerstörtes Viertel in Aleppo


Russland will offenbar Angriffe von seinem Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" in Syrien starten. Die Kampfjets und die schwer bewaffneten Begleitschiffe im Mittelmeer sollten in den kommenden Stunden Stellungen der Regierungsgegner bei Aleppo bombardieren, sagte ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums laut russischen Medienberichten.

"Die Angriffe sollen die weiträumigen Zugänge zur Stadt treffen", sagte der Informant nach Angaben der Agentur Interfax. Laut Kreml soll es aber keine Luftangriffe direkt auf den belagerten Ostteil von Aleppo geben. In den kommenden 24 Stunden sollten die Bombardements beginnen, berichten russische Medien unter Berufung auf Verteidigungskreise. Die Meldung fällt mitten in die laufenden US-Präsidentschaftswahlen, zu denen sich Moskau immer wieder geäußert hatte. Die USA werfen Russland zudem vor, mit gehackten E-Mails die Wahlen beeinflussen zu wollen.

In der vergangenen Woche hatte das russische Militär die verbliebenen Einwohner von Aleppo mit Flugblättern zum Verlassen der Stadt aufgefordert. Es seien eine halbe Million Flugblätter abgeworfen worden, um über die acht Korridore aus dem eingekesselten Ostteil zu informieren, sagte Generalleutnant Sergej Rudskoj.

Uno spricht sich gegen Zwangsevakuierung aus

Internationale Organisationen kritisieren immer wieder, dass kurze Feuerpausen am Boden nicht ausreichten, um die Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen oder sie aus der Stadt zu bringen. "Wir haben nicht die Sicherheitsgarantien, die wir brauchen, um Hilfe in den Ostteil von Aleppo zu schicken", sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen zu einer kurzzeitigen Waffenruhe, die Russland für den vergangenen Freitag ausgerufen hatte. Sie galt von 9 bis 19 Uhr. Die Stadt sollte zudem nicht zwangsevakuiert werden, hieß es aus Kreisen der Uno. Die Menschen sollten freiwillig gehen. Die Uno schätzt, dass im Ostteil der Stadt bis zu 300.000 Menschen festsitzen.

Beobachter hatten bereits erwartet, dass Moskau die Angriffe nach der kurzen Feuerpause Ende der vergangenen Woche wieder aufnehmen würde. Der Flottenverband um den Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" war am Freitag vor der syrischen Küste eingetroffen.

mja/dpa/Reuters



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