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03. August 2016, 20:59 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Russland und Syrien weisen Beteiligung an Giftgasangriff zurück

Im Bürgerkrieg in Syrien soll erneut Giftgas eingesetzt worden sein. Russland weist die Verantwortung für die jüngste Attacke zurück - und erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Rebellen.

Russland und Syrien haben jede Beteiligung an einem möglichen Giftgasangriff in Syrien zurückgewiesen. Terrorgruppen in dem Bürgerkriegsland wollten Russland oder der syrischen Regierung immer wieder Provokationen unterschieben, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow laut der Agentur Interfax.

Anschuldigungen gegen Moskau oder Damaskus hätten nichts mit der Realität zu tun, sagte Rjabkow weiter. Ähnlich äußerte sich der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad. Giftgasvorwürfe gegen die Regierung in Damaskus seien "reine Fiktion".

Dem Zivilschutz in Syrien zufolge hatte ein Hubschrauber am späten Montagabend zwei Fässer mit Chlor-Kanistern und Eisenkugeln über der Stadt Sarakeb in der Provinz Idlib abgeworfen. Dabei seien 33 Menschen verletzt worden, hieß es.

Der syrische Zivilschutz beschreibt sich selbst als neutrale Gruppe freiwilliger Rettungshelfer. Die Angaben der Helfer können jedoch nur schwer überprüft werden.

Giftgasvorwürfe an Rebellen in Aleppo

Russland erhob am Mittwoch nun seinerseits Vorwürfe gegen Rebellen in Syrien. Das russische Militär habe die USA laut der Agentur Interfax darüber informiert, dass Milizen in der umkämpften Stadt Aleppo am Dienstag um 19.05 Uhr bei einem Angriff giftige Substanzen eingesetzt habe. Sieben Menschen seien gestorben, über 20 verletzt worden, hieß es weiter. Auch diese Berichte ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zeigte sich besorgt über den Bericht. Die internationalen Konventionen untersagten den Einsatz von Chemiewaffen "durch wen auch immer unter allen Umständen", erklärte OPCW-Direktor Ahmet Üzümcü in Den Haag.

In der von syrischen Truppen belagerten Stadt Aleppo liefern sich verschiedene Rebellengruppen seit Tagen Gefechte mit der Regierungsarmee, Russland leistet dem Assad-Regime dabei Unterstützung.

Einsatz in Aleppo solle humanitäre Lage verbessern

Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch berichtete, gelang es der Armee mit Unterstützung von russischen Luftangriffen, mehrere Hügel und Dörfer südwestlich von Aleppo von den Aufständischen zurückzuerobern.

Internationale Hilfsorganisationen schlugen am Mittwoch angesichts der desolaten Lage der eingeschlossenen Bewohner Alarm.

Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte die humanitäre Lage in Aleppo ebenfalls sehr dramatisch. Russland bemühe sich, die Situation in der "strategisch außerordentlich bedeutenden Stadt" zu verbessern.

Das Außenministerium in Moskau wies Spekulationen über einen möglichen Sturm auf Aleppo zurück. "Es gibt keine anderen Ziele außer einer Verbesserung der humanitären Lage und einem Ende der Kämpfe", sagte Vizeaußenminister Rjabkow. Botschafter Haddad hatte zuvor einen "mächtigen Schlag gegen Terroristen" in Aleppo nicht ausgeschlossen.

Im Video: Hubschrauber soll Fässer mit Giftgas abgeworfen haben

sun/dpa/Reuters/AFP

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