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18. September 2015, 15:16 Uhr

Bürgerkrieg

Russland erwägt Einsatz von Bodentruppen in Syrien

Russland hat stets abgestritten, eine Militärintervention in Syrien zu planen - bis jetzt. Aus dem Kreml heißt es nun: Wenn die Assad-Regierung um Hilfe bittet, werde man über Bodentruppen nachdenken.

Über einen russischen Kampfeinsatz im syrischen Bürgerkrieg wurde zuletzt viel spekuliert. Immer wieder gab es Berichte über Lieferungen von Ausrüstung und Militärgerät. Der Kreml bestritt bislang Pläne für eine Intervention. Doch jetzt ist klar: Moskau schließt auch eine Beteiligung eigener Bodentruppen an der Seite des Präsidenten Baschar al-Assad nicht aus - wenn Syrien darum bittet.

"Wenn es eine Anfrage gäbe, würde diese natürlich diskutiert und geprüft im Rahmen unserer bilateralen Kontakte", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Solange eine solche Anfrage nicht erfolgt sei, sei eine Diskussion darüber aber schwierig, schränkte der Regierungssprecher ein.

Zum stärksten Gegner des Diktators Assad hat sich die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) entwickelt. Syriens Außenminister Walid al-Muallim hatte am Vortag erklärt, sollten russische Truppen nötig sein, werde man sie anfordern. Gegenwärtig sei das aber nicht der Fall.

Russland ist neben Iran der wichtigste Verbündete von Machthaber Assads. Moskau verstärkte in den vergangenen Tagen seine Militärpräsenz in Assads Heimatprovinz Latakia. Nach US-Angaben errichtet die russische Armee dort derzeit einen Luftwaffenstützpunkt und einen mobilen Kontrollturm. Zudem seien Panzer, Artillerie und Dutzende Soldaten nach Syrien verlegt worden. US-Außenminister John Kerry warnte seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow kürzlich, die Militärhilfe für Assad drohe den Konflikt noch zu verschärfen.

USA wollen sich mit Russland abstimmen

Auch die USA bekämpfen den IS in Syrien und im Irak mit Luftangriffen, schließen den Einsatz von Bodentruppen aber aus. Die Amerikaner lehnen eine Zusammenarbeit mit Assad ab. Stattdessen signalisierten sie die Bereitschaft, ihr militärisches Vorgehen in Syrien mit Russland abzustimmen.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich am Freitag kritisch zu dem russischen Engagement. Man sorge sich, dass "das unabgestimmte militärische Vorgehen Russlands" eine politische Lösung erschwere, sagte Außenamtssprecherin Sawsan Chebli. Ein Ausweg aus der Syrien-Krise sei ohne Russland kaum möglich. Moskau sei einer "der zentralen Akteure" und werde daher in alle gegenwärtig laufenden Gespräche zur Beendigung des Konflikts eingebunden.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen setzt auf eine Lösung des Bürgerkriegs bei der Uno-Vollversammlung Ende des Monats. Alle EU-Staaten haben angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen aus Syrien ein besonderes Interesse an der Beendigung des Konflikts.

kev/AFP/Reuters

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