Krieg in Syrien Russland und USA verlängern Waffenruhe

Die erste Frist ist um: 48 Stunden hat die Waffenruhe in Syrien weitestgehend gehalten. Nun haben sich Russland und die USA auf eine Verlängerung um weitere zwei Tage geeinigt.

Anti-Assad-Demonstration in Aleppo
REUTERS

Anti-Assad-Demonstration in Aleppo


48 Stunden lang sollte die Waffenruhe in Syrien zunächst dauern - darauf hatten sich die Konfliktparteien geeinigt. Diese Frist ist nun abgelaufen. Und nachdem die Kriegshandlungen in den vergangenen zwei Tagen deutlich zurückgegangen waren, haben sich die USA und Russland nun darauf geeinigt, die Feuerpause um 48 Stunden zu verlängern. Das besprach US-Außenminister John Kerry in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, wie Kerrys Sprecher Mark Toner sagte.

Seinen Angaben zufolge hält die Waffenruhe weitgehend. Trotz einzelner Berichte über Verstöße sei die Gewalt im Vergleich zu den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen, sagte Toner.

Die Feuerpause war am vergangenen Freitag auf Vermittlung von Russland und den USA zustande gekommen und am Montag mit Einbruch der Dunkelheit in Kraft getreten.

Trotz wiederholter Verstöße durch Terroristen sei die Waffenruhe wichtig, um auf dem Weg zu einer politischen Lösung in Syrien voranzukommen, zitiert die Agentur Interfax den russischen Generalleutnant Wiktor Posnichir. Russland sei daher für eine Verlängerung.

Rebellen haben wenig Hoffnung, dass Waffenruhe lange hält

Laut der Uno und der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London hat es während der Feuerpause nur vereinzelt Schusswechsel gegeben. Die Hoffnung ist, dass die Waffenruhe eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche ermöglicht, um endlich einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg zu finden, in dem seit März 2011 mehr als 300.000 Menschen getötet wurden. Eine im Februar vereinbarte Waffenruhe war nach mehreren Wochen gescheitert.

Auch jetzt sind die Rebellen skeptisch: George Sabra vom Hohen Verhandlungskomitee der Rebellen zeigte wenig Hoffnung, dass die Feuerpause diesmal länger hält. "Wir haben kein großes Vertrauen darauf, dass der Waffenstillstand länger dauern könnte als der vergangene", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei zu früh, um über eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zu sprechen. Zunächst müsse eine Uno-Resolution zu humanitären Hilfen umgesetzt werden.

Hilfslieferungen können immer noch nicht die Grenze passieren

In der seit Monaten heftig umkämpften Großstadt Aleppo genossen die Menschen zwar die seltene Ruhe, doch wartete die Bevölkerung im von den Rebellen kontrollierten Osten der Stadt weiter auf dringend benötigte Hilfslieferungen. Laut Uno stehen 20 Lastwagen mit Lebensmitteln an der türkisch-syrischen Grenze bereit. Sie fordert allerdings Sicherheitsgarantien, bevor sie den Konvoi nach Aleppo schickt.

Die Straße von Castello, die von der türkischen Grenze nach Aleppo führt, wurde weiter von der syrischen Armee kontrolliert. Laut dem Uno-Sondergesandten Staffan de Mistura nahmen Rebellen die Straße mit Mörsern unter Beschuss. Die Waffenstillstandsvereinbarung sieht vor, dass die Straße demilitarisiert wird. Zu diesem Zweck richtete die russische Armee einen Beobachtungspunkt auf der Straße ein.

SPIEGEL ONLINE

Die Terrororganisationen "Islamischer Staat" (IS) und Dschabhat Fatah al-Scham sind von der Waffenruhe ausgenommen. "Der Kampf gegen den IS geht weiter", sagte Generalleutnant Posnichir. Die russische Armee habe am Dienstag eine Offensive des IS auf die Oasenstadt Palmyra gestoppt. Bei Luftangriffen seien etwa 250 Angreifer getötet sowie rund 15 mit Flugabwehrraketen ausgerüstete Fahrzeuge zerstört worden.

Russlands Außenminister Lawrow sprach sich bei einem Telefonat mit seinem US-Kollegen Kerry für ein hartes Vorgehen gegen Extremisten in Syrien aus. Die beiden Minister diskutierten zudem über Hilfslieferungen für die Bevölkerung in dem Land, teilte das Außenamt in Moskau mit. Hält die Feuerpause eine Woche, wollen Washington und Moskau ihren Kampf gegen die Dschihadisten koordinieren.

kry/aar/dpa/AFP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.