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Aleppo: Zerstörte Stadt

Foto: AFP / Amnesty International

Krieg in Syrien Satellitenbild zeigt Schlachtfeld Aleppo

Aufnahmen aus dem Weltall dokumentieren die Verwüstung in der syrischen Stadt Aleppo. Das Assad-Regime bombardiert Wohngebiete ohne Rücksicht auf Zivilisten, ganze Viertel sind vom Krieg gezeichnet. Tausende Menschen flüchten in die Türkei.

Die Szenen, die sich mitten in Aleppo abspielen, sind furchtbar. "Vor unseren Augen wurde eine ganze Familie in Stücke gebombt, elf Frauen und Kinder", berichtet ein Journalist des britischen "Daily Telegraph". Bilder internationaler Journalisten zeigen Zivilisten im Südwesten der Stadt auf der Flucht vor Kampfflugzeugen und Helikoptern. Die Männer, Frauen und Kinder laufen durch die Straßen, fort von den Einschlägen der Bomben und Artilleriesalven. Manche tragen Verwundete auf ihren Schultern - und alte Menschen, die nicht selbst flüchten können.

In Aleppo wiederholt sich, was sich bereits in unzähligen Dörfern quer durch Syrien sowie in Teilen von Homs und Damaskus abgespielt hat und weiterhin abspielt. Doch dieses Mal sind Dutzende internationale Journalisten dabei, die über die von den Aufständischen kontrollierte nahe gelegene türkisch-syrische Grenze einreisen können. Das Regime von Baschar al-Assad lässt den Terror seiner Luftwaffe, seiner Panzer und Artillerie auf Wohngegenden los, in denen es bewaffnete Rebellen vermutet. Zivilisten, die nicht rechtzeitig aus ihrem Zuhause flohen, riskieren den Tod.

Die mit Sturmgewehren und Panzerfäusten bewaffneten Rebellen haben den Angriffen aus der Luft kaum etwas entgegenzusetzen. Wie bereits in Homs sollen die unaufhörlichen Bombardements die Aufständischen zermürben, bevor Assads Bodentruppen einrücken.

Im Südwesten von Aleppo wird seit Tagen das Stadtviertel Salahaddin bombardiert, das als Hochburg der Rebellen gilt. Südlich davon stehen 20.000 Assad-Soldaten und unzählige Panzer bereit, die aus Damaskus und den Golanhöhen mobilisiert wurden. Sie warten darauf, den Einmarschbefehl zu erhalten, berichtet ein Journalist der britischen Zeitung "Guardian" von vor Ort. Die Panzer rückten "zentimeterweise" vor. Am Dienstagmorgen sollen manche Aufständischengruppen damit begonnen haben, sich aus Salahaddin zurückzuziehen - dies wurde jedoch vom Dachverband der Aufständischen, der Freien Syrischen Armee, bestritten und konnte auch von Journalisten vor Ort nicht bestätigt werden.

Satellitenaufnahme zeigt Ausmaß der Verwüstung

Eine neue Satellitenaufnahme, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlicht hat, zeigt, dass nahezu ganz Aleppo zum Schlachtfeld geworden ist. Eine Aufnahme zeigt die Assad-Truppen in Position an den Rändern im Südwesten, Nordwesten und Nordosten der Stadt. Dazwischen im Stadtzentrum sind fast überall Straßensperren der Rebellen markiert. Flüchtlinge aus Aleppo sagten SPIEGEL ONLINE, die Aufständischen würden rund 60 Prozent des Stadtgebiets kontrollieren. Im Herzen der Stadt um die mittelalterliche Zitadelle, die über Aleppo thront, toben nach Angaben internationaler Journalisten erbitterte Gefechte zwischen den Rebellen und Regimetruppen.

Der Strom der Flüchtlinge aus Aleppo steigt unter dem Eindruck der brutalen Gefechte rasant an. Allein am Dienstagvormittag sollen nach Angaben eines türkischen Regierungsvertreters mehr als 1300 Syrer in die Türkei geflohen sein - nahezu doppelte so viele wie am Vortag. Flüchtlinge sagten SPIEGEL ONLINE, sie fühlten sich nirgendwo in der Stadt mehr sicher. Dazu gebe es in manchen Teilen der Stadt kein Essen mehr, und es komme immer wieder zu Stromausfällen.

Sollte sich das Szenario von Homs wiederholen, könnte auf Aleppo eine lange Belagerung durch Assads Militär mit kontinuierlichen Bombardements zukommen. Homs, wo die Rebellen im Februar nach wochenlangem Beschuss aus der Aufständischenhochburg Baba Amr vertrieben wurden, wird noch immer vom Regime durch Checkpoints kontrolliert und regelmäßig bombardiert. Weite Teile sind völlig zerstört und gleichen einer Geisterstadt. In der Stadt leben nur noch wenige Zivilisten. Viele Bewohner von Homs sind vor den Kämpfen zu Verwandten in andere Teile Syriens geflohen, bevor sie auch dort der Krieg einholte. In den vergangenen Monaten zogen einige in den benachbarten Libanon weiter.

Aleppo ist für das Regime ebenso wichtig wie der zentrale Verkehrsknotenpunkt Homs nahe der alawitischen Stammesregion. Würde Aleppo, die größte Stadt Syriens, in die Hände der Aufständischen fallen, könnten diese, ähnlich wie die Libyer seinerzeit in Bengasi, eine befreite Region im Norden Syriens konsolidieren - und von dort den Sturm der Hauptstadt vorbereiten.

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