Syrien Sicherheitskräfte töten mehr als 20 Zivilisten

In Syrien eskaliert die Gewalt: Am Mittwoch starben mehr als 20 Zivilisten, in der Region Hama kam es zu Vergeltungstaten durch Deserteure - in einigen Provinzen herrschen bürgerkriegsartige Zustände. Uno-Generalsekretär Ban rief die Weltgemeinschaft zum Handeln auf.


Damaskus/Istanbul - In Syrien wurden am Mittwoch erneut Zivilisten von Sicherheitskräften getötet. Landesweit wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 25 Menschen getötet. Die meisten Toten gab es in der Provinz Hama, wo elf Zivilisten starben, wie die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Demnach erschossen Angehörige der Sicherheitskräfte im Umland von Hama fünf Menschen, die gemeinsam in einem Auto unterwegs waren. Anschließend hätten Deserteure in einer Vergeltungsaktion vier Militärfahrzeuge aus dem Hinterhalt attackiert und acht Soldaten erschossen. Bei einem Gefecht zwischen Deserteuren und Regierungstruppen in der Provinz Daraa seien drei Deserteure verletzt worden.

Der Konflikt in Syrien ähnelt in einigen Provinzen inzwischen einem Bürgerkrieg. Die syrische Opposition ist gespalten in der Frage, ob die Deserteure die Regierungstruppen und die Miliz des Regimes angreifen, oder ob sie sich auf den Schutz der Zivilisten beschränken sollen. Die iranische Botschaft in Damaskus dementierte Berichte, wonach Teheran Kontakt zur syrischen Exil-Opposition aufgenommen haben soll. Vertreter der Opposition hatten zuvor jedoch konkret über derartige Gespräche berichtet.

Auch in der Europäischen Union herrscht Uneinigkeit über den richtigen Weg, um den blutigen Konflikt zwischen der Opposition und dem Regime von Präsident Baschar al-Assad zu beenden.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Weltgemeinschaft angesichts des anhaltenden gewaltsamen Vorgehens der syrischen Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung zum Handeln aufgerufen. "Mehr als 5000 Menschen in Syrien sind tot, das kann nicht so weiter gehen", sagte Ban am Mittwoch in New York. "Im Namen der Menschlichkeit ist es Zeit, dass die internationale Gemeinschaft handelt."

Seit Beginn der Proteste Mitte März wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 5000 Menschen getötet, unter ihnen mehr als 300 Kinder. Versuche im Uno-Sicherheitsrat, eine Resolution gegen die Regierung in Damaskus zu erwirken, sind bisher am Widerstand der Veto-Staaten China und Russland gescheitert.

Der für den Nahen Osten zuständige Koordinator im US-Außenministerium, Frederic Hof, sagte vor Abgeordneten des Repräsentantenhauses, die Regierung in Damaskus werde nicht überleben. Es sei aber schwierig zu sagen, wie lange sich Assad noch halten könne.

lgr/dpa-AFX/AFP

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stanislaus2 14.12.2011
1. Verlogene Darstellung
"Demnach erschossen Angehörige der Sicherheitskräfte im Umland von Hama fünf Menschen, die gemeinsam in einem Auto unterwegs waren. Anschließend hätten Deserteure in einer Vergeltungsaktion vier Militärfahrzeuge aus dem Hinterhalt attackiert und acht Soldaten erschossen." Vorher oder nachher? Den Mitteilungen der Werbeagentur aus Langley, Virginia, die die Nachrichten für die syrischen "Demokraten" und sog. Menschenrechtler erstellt, man nicht unbedenklich trauen.
talvisota 15.12.2011
2. Richtig, Assad muss weg!
Der "arabische Frühling" wird allen befallenen Ländern islamistische Regime saudischer Prägung bringen. Da passt dann der Alevit Assad als sozusagen "Halbungläubiger" einfach nicht mehr zwischen. Es stellt sich nur die Frage, was der Westen sich davon verspricht, diese Entwicklung auch noch mit (viel) Geld und sogar Waffeneinsatz zu unterstützen. Die viel beschworene "Humanität" wird's wohl eher nicht sein. Denn eine Menschenlebensbilanz z.B. für den "Humanitätseinsatz" Irak-Krieg dürfte vernichtend ausfallen. Dieser "Humanitätsakt" dürfte erheblich mehr Menschen das Leben gekostet haben als der Schlächter Saddam umzubringen vermocht hätte – und von mehr Sicherheit und Freiheit kann im Angesicht von Millionen Flüchtlingen auch nicht wirklich die Rede sein. Also warum?
Klaschfr 15.12.2011
3. Ban Ki Moons Absichten
Zitat von sysopIn Syrien eskaliert die Gewalt: Am Mittwoch starben*mehr als*20 Zivilisten, in der Region Hama kam es zu Vergeltungstaten durch Deserteure - in einigen Provinzen herrschen bürgerkriegsartige Zustände. Uno-Generalsekretär Ban rief die Weltgemeinschaft zum Handeln auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803827,00.html
Was soll die Staatengemeinschaft nach Ansicht des UN-Generalsekretärs denn tun? Krieg wie der gegen den Irak? Nato- Einsatz wie gegen Libyen? Agitation unter Anleitung der CIA? Und welche Interessen vertritt denn "die Staatengemeinschaft?. Machtpolitik der USA oder Großmannssucht Englands, Aufleben der 'Grande Nation'?
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