Syrien Sicherheitskräfte töten mehrere Personen bei Trauerfeier

Die syrische Führung geht brutal gegen Kritiker vor: Bei einer Trauerfeier für einen getöteten Demonstranten sind vier Menschen ums Leben gekommen und Dutzende Personen verletzt worden. Laut Augenzeugenberichten schossen Sicherheitskräfte in die Menge.


Damaskus - Sie trugen einen Demonstranten zu Grabe, der am Samstag bei Protesten gegen die syrische Regierung getötet worden war - und wurden selbst zu Opfern des syrischen Regimes: Vier Menschen wurden getötet und etwa 50 verletzt, als Sicherheitskräfte in der zentralsyrischen Stadt Talbisseh bei einer Trauerfeier in die Menge schossen. Das berichteten die Augenzeugen am Sonntag aus der Stadt nahe Homs.

Die Proteste gegen die syrische Führung gingen am Sonntag weiter. In Syriens wichtigster Hafenstadt Latakia nahmen nach Angaben eines Menschenrechtlers etwa zehntausend Menschen an einer Trauerfeier für einen am Freitag getöteten Demonstranten teil. In Sprechchören forderten sie den Angaben zufolge die Freilassung aller politischen Gefangenen.

Auch in der im Süden gelegenen Stadt Daraa gingen Zeugen zufolge wieder Zehntausende auf die Straße und riefen: "Wer sein eigenes Volk tötet, ist ein Verräter". Andere bekundeten: "Das Volk will das Regime stürzen" - der Schlachtruf, den auch die Menschen in Ägypten und Tunesien während der dortigen Proteste gerufen hatten.

Auch in der ebenfalls im Süden gelegenen Stadt Suweida gingen nach Angaben von Augenzeugen rund 300 Menschen auf die Straße und sangen "Gott, Syrien, Freiheit", bevor Sicherheitskräfte mit Knüppeln gegen sie vorgingen und mehrere von ihnen verletzten. Aufgrund der strengen Medienkontrolle in dem Land konnten die Berichte nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

In Syrien kommt es seit gut einem Monat zu Protesten gegen Präsident Baschar el Assad. Der Staatschef kündigte am Samstag die Aufhebung des seit fast 50 Jahren geltenden Notstandsgesetzes binnen einer Woche an. Er erwarte, dass die Regierung die Gesetze in der kommenden Woche kassiere, sagte Assad am Samstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Kabinett. Die Aufhebung der Notstandsgesetze ist eine der Kernforderungen der Demonstranten. Die Regelungen erlauben es den Sicherheitskräften unter anderem, Menschen ohne Angabe von Gründen festzunehmen.

ulz/AFP/dapd

insgesamt 4 Beiträge
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geotie 18.04.2011
1. Yohh
Ein Mensch will bestimmen wie gelebt werden soll, und wer nicht so mitmachen will wird getötet. Das ist staatlich angeordneter Mord und muss aufs härteste Bestraft werden.
Daniel FR, 18.04.2011
2. Unwort des Jahres
Ich lese hier im Spiegel Online dauernd von "Sicherheitskräften", die auf Protestierende schießen. Ich möchte diesen unsäglichen Begriff gerne jetzt schon als Kandidaten für das Unwort des Jahres 2012 vorschlagen. Und wer war es nun wirklich? Polizei? Militär? Paramilitärische Geheimdiensttruppen? Oder wer??? Es wäre wirklich wünschenswert, dass SPON sich hier etwas exakter ausdrückt.
raska213 18.04.2011
3. Lüge!
Alles was ihr hier lest stimmt garnicht. Die Wahrheit wird vertuscht. Kriminelle Gruppen von verfeindeten Ländern töten Leute in ganz Syrien und in den Nachrichten wird dann gesagt das Sicherheitskräfte die Leute töten, was garnicht stimmt. Hier steht alles was wirklich in Syrien passiert: http://www.sana.sy/eng/21/2011/04/18/342080.htm
ramikaram 18.04.2011
4. Der Löwe
bedeutet Löwe. Diesen "Ehrennamen" darf nur die Herrscherfamilie führen. das stimmt aber nicht ich war selber ein Soldat der syrischen Armee und bin menschen mit den Nachnamen Assad (also Löwe) begegnet, die mit dem nicht verwandt waren, und sogar andere glaube haben. Schönen Gruß
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