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24. März 2015, 10:09 Uhr

Dringlicher Appell

Syrer rufen Welt zu Hilfe

In einem bewegenden Aufruf bitten Vertreter der syrischen Zivilgesellschaft um internationale Unterstützung, um den Bürgerkrieg zu beenden. "Manchmal fühlen wir uns wie auf einem anderen Planeten."

New York - Dutzende Organisationen der syrischen Zivilgesellschaft haben sich an die internationale Gemeinschaft gewandt. In einer Kampagne bitten sie um Unterstützung bei der Beendigung des Bürgerkriegs. Um die Gewalt zu stoppen, seien zwei Schritte nötig, "die wir allein nicht schaffen", erklärten die 85 Gruppen am Dienstag. Die Bombenangriffe der syrischen Armee müssten aufhören, außerdem seien Verhandlungen "zwischen allen syrischen Gruppen und ihren internationalen Unterstützern" nötig.

Die Vertreter der Zivilgesellschaft, darunter zahlreiche Menschenrechtsgruppen und Gewerkschaften, nannten ihre Kampagne "Planet Syrien". "Manchmal fühlen wir uns tatsächlich so, als würden wir auf einem anderen Planeten leben", sagte eine der Organisatoren, Ula Ramadan. "Unsere Bitten um Frieden und Demokratie werden von Vielen so behandelt, als seien sie etwas Außerirdisches." Die Aktivisten fühlen sich nach eigenen Angaben von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen und werfen ihr vor, stattdessen zu sehr mit dem Kampf gegen den Extremismus beschäftigt zu sein.

Wie desolat die Lage in Syrien inzwischen ist, schilderte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in seinem 13. Syrien-Monatsbericht. Gewalt und Bürokratie behinderten die Hilfslieferungen für bis zu zwölf Millionen Menschen. Mehr als 220.000 Menschen seien seit Beginn des Konflikts 2011 getötet worden, erklärte er in seinem Statement an den Sicherheitsrat. Rund vier Millionen Syrer seien ins Ausland geflohen, 7,6 Millionen in ihrer Heimat auf der Flucht.

Millionen Menschen profitierten von Uno-Hilfslieferungen, sagte Ban. In abgelegenen Gebieten gebe die Versorgung von 4,8 Millionen Menschen jedoch Anlass zu großer Sorge. Krankenhäuser und Schulen würden angegriffen. Die Kriegsparteien behinderten zudem die Versorgung mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Außerdem halte die internationale Spendenbereitschaft nicht Schritt mit den Bedürfnissen der Menschen.

Seit sechs Monaten greift eine von den USA angeführte Allianz Kämpfer des "Islamischen Staats" im Irak und in Syrien aus der Luft an.

Zusammengefasst: Das syrische Volk fühlt sich nach vier Jahren Bürgerkrieg von der Welt allein gelassen. Aktivisten fordern mehr Hilfe. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstützt den Appell.

ler/Reuters/AFP

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