Nordsyrien Erste Gefechte zwischen türkischen und syrischen Kämpfern - Dutzende Tote gemeldet

Kurz nach Ende der Waffenruhe im Norden Syriens sollen bei Gefechten mindestens 23 Kämpfer getötet worden sein. Unterdessen hat sich die Kurdenmiliz YPG offenbar komplett aus dem türkischen Grenzgebiet zurückgezogen.

Ein syrischer Soldat feuert mit einer Waffe ins Gelände (Archivbild)
DPA

Ein syrischer Soldat feuert mit einer Waffe ins Gelände (Archivbild)


Bei Kämpfen mit der türkischen Armee und deren lokalen Verbündeten sind im Norden Syriens Aktivisten zufolge mindestens 13 syrische Regierungssoldaten getötet worden. Auch zehn Kämpfer der pro-türkischen Rebellen seien getötet worden, sagte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die in Großbritannien ansässige Gruppe stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien.

Die türkische Artillerie habe die Regierungssoldaten beschossen, hieß es demnach. Die Menschenrechtsbeobachter hatten zuvor gemeldet, es habe sich um die ersten Gefechte zwischen beiden Seiten gehandelt.

Die Türkei und verbündete syrische Rebellen hatten Anfang des Monats eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die bislang das Gebiet an der Grenze zur Türkei kontrollierte. Syrische Regierungstruppen rückten nach einem Abkommen mit der YPG in die Region vor, um die Kurden zu unterstützen. Nach acht Tagen stimmte die Türkei in Verhandlungen mit den USA einer Waffenruhe zu, um den Abzug der YPG-Kämpfer zu erlauben. Später vereinbarte Ankara mit Russland eine Verlängerung der Feuerpause, die am Dienstagabend um 18 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) auslief.

Die Regierungen in Ankara und Damaskus sind miteinander verfeindet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte Syriens Machthaber Baschar al-Assad in der Vergangenheit einen "Mörder". Assad wiederum bezeichnete Erdogan vor Kurzem als "Dieb".

34.000 Kurden sollen sich bereits aus Pufferzone zurückgezogen haben

Unterdessen haben sich die kurdischen Kämpfer offenbar komplett aus dem türkischen Grenzgebiet zurückgezogen. Der Abzug wurde nach Angaben Russlands noch vor Ablauf der Frist am Dienstagabend abgeschlossen. Die Türkei kündigte den Beginn der gemeinsamen Patrouillen mit Russland an.

"Der Abzug der bewaffneten Einheiten aus dem Gebiet, auf dem ein Sicherheitskorridor geschaffen werden soll, wurde vorzeitig abgeschlossen", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut russischen Nachrichtenagenturen. Insgesamt seien 68 Einheiten der kurdischen Kräfte mit zusammen 34.000 Kämpfern abgezogen, erklärte der Leiter des russischen Zentrums für die Wiederversöhnung der Kriegsparteien in Syrien, Juri Borenkow. Zudem erklärte er, die syrische Armee habe 84 Grenzposten entlang der Grenze mit der Türkei aufgebaut.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, Russland habe ihn über den Abzug der "Terrorgruppen" in Kenntnis gesetzt. Erdogan hat gedroht, die Offensive wiederaufzunehmen, wenn sich die YPG nicht vollständig zurückzieht.

Die humanitäre Lage in Nordsyrien ist laut Welternährungsprogramm (WFP) verheerend. "Viele Menschen mussten fliehen und ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen. Sie sagen, sie brauchen vor allem Nahrung, Medikamente, Garderobe und andere nötige Dinge des täglichen Bedarfs", sagte WFP-Sprecher Hervé Verhoosel in Genf. Von den 180.000 Menschen, die nach dem türkischen Einmarsch am 9. Oktober vertrieben worden waren, seien 106.000 weiter auf der Flucht. Die Hilfsorganisation habe seitdem in der Region mehr als 300.000 Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

flg/dpa/AFP

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browserhead 29.10.2019
1. Keine "Handfeuerwaffe" im Bild
Also, bei aller Liebe, aber was der Soldat hier auf der Lafette abfeuert, ist keine Handfeuerwaffe (von einer einzelnen Person tragbare und ohne zusätzliche Person oder Hilfsmitte einsetzbare Feuerwaffe, meist unter 20 mm Kaliber, lt. Wikipedia), sondern dürfte als schweres Maschinengewehr durchgehen (Kaliber 12 - 20 mm mit Dreibein o. Lafette). Solche Waffen können nur zwei Personen als Handfeuerwaffe einsetzen: Rambo und Chuck Norris.
seeyouin1982 29.10.2019
2. heute ist
Tag der Republik in der Türkei, der wichtigste Nationalfeiertag überhaupt. Wen wundert es, dass der faschistische Kriegstreiber Erdogan ausgerechnet heute wieder seine Allmachtsphantasien auslebt. Was bitte hat dieser Narzisst in Syrien verloren?
KingTut 29.10.2019
3. Traurig ...
... was die Großmannssucht des türkischen Sultans anrichtet. Ich befürchte, das ist erst der Anfang. Der YPG kann man nur jedes erdenkliche Glück wünschen, damit ihnen ein ähnliches Los wie den syrischen Kämpfern erspart bleibt. Und so ein Land ist EU-Beitrittskandidat und NATO-Mitglied. Man fasst sich an den Kopf.
der assimilierte Türke 29.10.2019
4. Die Lage bleibt immer noch sehr gepannt
Esad will (gar) keine Türkische Truppen in Nord Syrien dulden. Erdogan will gesamtes syrisches Gebiet erobern jedoch dafür Salami Technik anwenden. Dem Esad ist diese Absicht sehr klar. Die Türkische Truppen sind gut beraten sich zurück zu ziehen. Denn Esad hat logistische Unterstützung von Israel gesichert was aus seiner Sicht sehr clever ist. Logistisch und nachrichtdienstlich gut unterstützte Regierungstruppen sind alles andere als leichte Beute für Türkische Armee. Israel hat wieder sehr klug gehandelt. Erdogan blieb wieder kurzsichtig. Der Gewinner wird Esad sein.
beobachter_1 29.10.2019
5. "Terrorgruppen"
Also diejenigen ,die wirklich Nachweislich am Boden gegen die IS Barbaren kämpften sollen laut dem Nato "Verbündeten" Erdogan Terroristen sein. Und der IS Terror Chef Baghdadi der keine 5 km (auf syriescher Seite)von Türkischen Dschihadisten Gruppe gehaltene Gebiete (Idlib) ist ein guter Nachbar gewesen ?
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