Syrien Uno und EU verurteilen Massaker von Hama

Es war wie ein Blutgericht. Der Panzerangriff auf die syrische Rebellenhochburg Hama hat in der westlichen Welt Empörung ausgelöst. Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der Regierungsgegner mindestens 100 Menschen getötet. Uno und EU drohen mit Verschärfung der Sanktionen gegen das syrische Regime.

REUTERS/ YouTube

Hama - Der Angriff auf die 700.000-Einwohner-Stadt begann im Morgengrauen. Erst kappten Spezialisten die Strom- und Wasserversorgung, dann rollten die Panzer. Laut Augenzeugen attackierten die Truppen von Präsident Baschar al-Assad die Stadt Hama aus vier Richtungen. Dutzende Zivilisten seien durch das Feuer aus Kanonen und Maschinengewehren ums Leben gekommen, letzten Angaben der Aufständischen zufolge gab es mindestens hundert Tote. Panzer sollen in Wohngebiete gefeuert, Scharfschützen auf Hausdächern Stellung bezogen haben. In den Krankenhäusern liegen nach Angaben eines Arztes mehr als hundert Verletzte, Bluttransfusionen sind knapp.

"Es regnete Granaten über die Stadt, die Soldaten schossen auf alles, was sich bewegte", schilderte einer der Aktivisten die Lage. "Die Opferzahl steigt von Minute zu Minute." Die Truppen hätten inzwischen das Krankenhaus umstellt und hinderten die Menschen daran, ihre Verwundeten dorthin zu bringen.

Die internationale Gemeinschaft äußerte sich bestürzt über die Vorgänge. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon drohte den Anhängern von Präsident Baschar al-Assad mit strafrechtlichen Konsequenzen: "Die syrischen Behörden sind verantwortlich für ihr Handeln und können nach internationalem Recht für alle Gewaltakte gegen ihr Volk zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Ban in New York. US-Präsident Barack Obama nannte das Vorgehen der Armee entsetzlich, die Berichte aus Hama würden den wahren Charakter des syrischen Regimes zeigen.

Der Angriff trifft die Rebellen zu einem empfindlichen Zeitpunkt - direkt vor dem Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Die Aufständischen hatten angekündigt, ab Montag täglich nach dem Fastenbrechen demonstrieren zu wollen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nannte die laufenden Einsätze "unmittelbar vor Beginn des heiligen Monats Ramadan noch inakzeptabler als ohnehin". Die syrische Armee und die Sicherheitskräfte hätten die Pflicht, die Bevölkerung zu beschützen und nicht, sie wahllos zu massakrieren, hieß es in einer Erklärung von Ashton.

Der Angriff auf Hama weckt schlimme Erinnerungen

Die EU hat bereits Einreiseverbote gegen 30 führende Vertreter des Regimes erlassen, darunter Präsident Assad. Zudem wurden syrische Vermögen in der EU eingefroren. Nach dem Blutvergießen in Hama plane die EU neue Strafmaßnahmen gegen die syrische Führung, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

Auch in anderen Landesteilen Syriens griffen die Truppen der Regierung Stützpunkte der Rebellen an. Gepanzerte Armeeverbände rückten in die Ortschaft Harak in der südlichen Provinz Daraa ein, auch in der Stadt Deir al-Zor und in einem Vorort von Damaskus wurden Panzer gesichtet. Insgesamt sollen nach Angaben der Rebellen mindestens 136 Menschen getötet worden sein. Die Angaben lassen sich jedoch kaum überprüfen, da das syrische Regime seit Beginn der Konflikte keine unabhängigen Journalisten mehr ins Land lässt.

Besonders schlimme Erinnerungen weckt indes der Einmarsch der Assad-Truppen in Hama: Viele Menschen in der Stadt fürchten eine Neuauflage des Massakers von 1982. Damals unterdrückte Assads Vater und Amtsvorgänger Hafes mit Hilfe des Militärs einen Aufstand von Islamisten. Bis zu 30.000 Menschen wurden getötet, ganze Stadtviertel zerstört. Die Niederschlagung der Erhebung gilt als die gewalttätigste Episode in der syrischen Geschichte.

Bislang lassen sich die Aktivisten jedoch nicht einschüchtern: Auch nach den Attacken riefen sie zu neuen, landesweiten Demonstrationen nach dem Nachtgebet auf, das in der Nacht auf Montag den Ramadan einleitet.

usp/dpa/Reuters/dapd/AFP



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
leberknecht 31.07.2011
1. Die uno hat wahrschneinlich den Urlaub beendet...
Zitat von sysopEs war wie ein Blutgericht. Der Panzerangriff auf die syrische Rebellenhochburg Hama hat in der westlichen Welt Empörung ausgelöst.*Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der Regierungsgegner mindestens 100 Menschen getötet. Uno und EU drohen mit Verschärfung der Sanktionen gegen das syrische Regime. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777608,00.html
und übernimmt gleich die Hausaufgaben von Obama! und wie steht es in libyen? wieviel tote gabe es bereits durch die "friedlichen demonstranten" und Nato? Was kommt nach den fernsehsendern...? Hoffentlich kehrt auch Frieden in Syrien ein!
pauline-luise 31.07.2011
2. Salam
Zitat von sysopEs war wie ein Blutgericht. Der Panzerangriff auf die syrische Rebellenhochburg Hama hat in der westlichen Welt Empörung ausgelöst.*Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der Regierungsgegner mindestens 100 Menschen getötet. Uno und EU drohen mit Verschärfung der Sanktionen gegen das syrische Regime. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777608,00.html
Mögen die arabischen Staaten doch selber für Gerechtigkeit sorgen. Denn der Westen wird sonst diese Länder aufmischen. Sanktionen führen zu garnichts, außer, daß sie sofort das Volk treffen, entweder durch Mangel oder durch Gewalt. Volk wie Regierung haben beide Rechte und Pflichten, dafür muß es eine Verfassung geben. Diktaturen funktionieren nicht, denn der Diktator stellt den Anspruch auf uneingeschränktes Recht, was nur über Unterdrückung möglich ist. Er wiedersetzt sich jeglicher Kontrolle - und wenn er sich nicht mehr durchsetzen kann, gerät alles außer Kontrolle. Was hier in Syrien passiert ist, ist schrecklich. Möge Vernunft und Friede zurückkehren.
Guitas 31.07.2011
3. ...Verurteilung Massaker in Hama...
...wir wissen doch inzwischen alle, dass solche Banditenführer alles tun um ihre Macht zu erhalten und dafür lassen sie Leben zwangsauslöschen! Warum versucht man nicht die Assad Familie umzubringen? Es werden sich doch Gedungene in dem Volk finden lassen. Sie sollten verbissen vorgehen, weil sie eigene Familienmitglieder durch Assad verloren. Man nennt das Attentat. Assads und Mitglieder/Mitläufer verdienen es nicht am Leben zu bleiben.
yaelle.schlichting 01.08.2011
4. Was erwartet Ihr???
Wer hat denn geglaubt, dass al-Assad sich auf eine friedliche Loesung einlassen wird?? Bashar al-Assad ist der uneingeschraenkte Herrscher Syriens. Er ist es weil sein Vater, er, seine Brueder und seine Gefolgsleute ruecksichtslos handeln. Wenn in der Arabischen Welt ein Despot eine Lehre lernen muss, dann ist das, dass eine dicke Blutspur die Macht sichert. Nicht zuletzt die Britischen und Franzoesischen Mandatsmaechte waren, durch ihre Abneigung in den Arabisch-Juedischen Konflikt maessigend einzugreiffen, massgeblich daran beteiligt, dass diese Arabischen Kunststaaten so aussehen. Weder damals noch heute sehen wir ein funktionierendes Rezept fuer Nationbuilding. Wenn die Nation kein funktionierendes Konzept hervorbringt, dann koennen wir es lassen und das Konzept der Araber scheint nun mal Despotie zu sein. Jeder weiss das und ich verstehe die Bestuerzung nicht. Der Vorschlag des Bashar al-Assad ist ganz einfach zu verstehen: "Schnauze sonst Beule!" Und fuer die etwas begriffstutzigen hat er das heute in Hama nochmal ganz klar gemacht! Wenn morgen wieder die Raketen gegen Israel fliegen und die IDF und IAF ihre Einsaetze gegen Hetzbollah oder andere Verbrecher haben, dann ueberschlagen sich diverse NGOs wieder, Israel als den Boesen und die armen (Staats-)Terroristen als die unschuldigen Opfer hinzustellen. Das kriegen wir alles in den falschen Hals. Wenn wir uns diese Zustaende ansehen, dann muessen wir unseren Brechreiz mal ein wenig unterdruecken und uns bewusst machen, dass dort andere Regeln gelten. Diese Menschen handeln mit anderen Werten und Moralvorstellungen. Ihr Ehrenkodex ist gepraegt von Islam und Kadavergehorsam, von toeten und getoetet werden. Und dann geht's ab in den Himmel! Hamdullilah! Wer hier einen Fuss auf den Boden kriegen will der kann eines ganz gewiss nicht brauchen: Skrupel!
nethopper01 01.08.2011
5. Zurückhaltung....
Da hat Assad offenbar aus den Fehlern gelernt, die Gaddafi zu Beginn seiner Rebellion gemacht hat. Wenn Assad den Aufständischen Hama als Operationsbasis überlässt, wird das genau wie in Libyen schliesslich zur Teilung des Landes oder zu seiem Untergang führen. Insofern handelt er konsequent. Er muss sich jetzt nur beeilen, dem Spuk schnell ein Ende zu bereiten, bevor die Sanktionen seinem Land zu sehr schaden oder die Vetomacht Russland wankelmütig wird und sich bei UN Resolutionen wieder nur der Stimme enthält. Eigenartig nur, dass die europäischen Mittelmächte nicht klug werden und sich mehr zurückhalten. Die zu befürchtende Machtübernahme in Tunesien und Ägypten durch Islamistische Fundamentalisten sollte uns eine Lehre sein. Reicht es nicht, wenn Nordafrika brennt?
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