Nordsyrien US-Konvoi bei Abzug mit Kartoffeln beworfen

Hunderte US-Soldaten haben Nordsyrien in Richtung Irak verlassen - unter Beschimpfungen der kurdischen Bevölkerung. Das Pentagon erwägt, Soldaten in der Region zu belassen, um Ölfelder vor dem IS zu schützen.

Anha

Mit dem Truppenabzug aus Nordsyrien haben die USA der Türkei eine Offensive gegen die Kurden in dem Gebiet ermöglicht. Nun überlegt US-Verteidigungsminister Mark Esper offenbar, doch ein paar Soldaten in Syrien zu lassen. Bei einem Besuch in Afghanistan sagte er zu Reportern, dass einige US-Truppen noch in der Nähe von Ölfeldern seien und er überlege, sie dort zu belassen.

Die Soldaten könnten so zusammen mit kurdischen Kämpfern die Ölfelder schützen und verhindern, dass sie der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in die Hände fallen. Allerdings habe er diese Möglichkeit noch nicht US-Präsident Donald Trump unterbreitet, sagte Esper.

Abzug soll "Wochen, nicht Tage" dauern

Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen US-Offiziellen, fast 500 Soldaten sowie Hunderte Fahrzeuge hätten die Grenze zum Irak überquert. Es handele sich damit um die bisher größte Truppenverlegung in Syrien. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von dem Grenzübertritt.

Die Stimmungslage in der Region ist entsprechend angespannt. Ein Video der kurdischen Nachrichtenseite "Hawar News" vom Montag zeigte, wie Menschen in der nordsyrischen Stadt Kamischli gepanzerte Fahrzeuge der US-Armee mit Kartoffeln bewerfen und die Soldaten als "Lügner" beschimpfen.

Am Wochenende hatte der US-Verteidigungsminister gesagt, der Abzug der US-Truppen aus Syrien werde "Wochen, nicht Tage" dauern. Dieser solle "sehr überlegt und sehr sicher" verlaufen. Die Soldaten sollen sich demnach vom Irak aus weiter am Kampf gegen die IS-Terrormiliz beteiligen.

mfh/mes/dpa/Reuters/AP

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