"Barbarische Attacke" USA verurteilen mutmaßlichen Angriff auf Flüchtlingscamp

Die syrische Luftwaffe soll ein Flüchtlingscamp bombardiert haben, das US-Außenministerium zeigt sich empört. Noch gibt es keine Bestätigung für den Vorfall, doch die Amerikaner sprechen bereits von einem "Blutbad".


Damaskus - Die USA haben entsetzt auf einen Bericht über ein mutmaßliches Bombardement auf ein syrisches Flüchtlingscamp reagiert. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sprach von einem "Blutbad an unschuldigen Zivilisten". "Die Attacke auf das Lager Abedin war nichts weniger als barbarisch", sagte die 35-Jährige.

Am Mittwoch hatte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte laut Nachrichtenagentur Reuters über einen Luftangriff auf das Camp im Nordwesten des Landes berichtet. Demnach sollen mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen sein, Dutzende seien verletzt worden. Eine offizielle Bestätigung dieses Angriffs von einer anderen Quelle gibt es bislang nicht.

Die Beobachtungsstelle, die sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien stützt, hatte berichtet, dass die Luftwaffe von Syriens Präsident Baschar al-Assad zwei Fassbomben auf das Flüchtlingslager nahe der Ortschaft Habit in der Provinz Idlib abgeworfen habe. Die meisten Vertriebenen in dem Camp waren demnach Bürgerkriegsflüchtlinge aus der zentralen Provinz Hama.

Die USA gehen offenbar von der Richtigkeit dieses Berichts aus: Sollte sich bestätigen, dass die Armee von Machthaber Baschar al-Assad gezielt Fassbomben auf das Camp abwerfen ließ, wäre dies "nur der jüngste brutale Akt dieses Regimes gegen sein eigenes Volk", sagte US-Außenamtssprecherin Psaki. Für ihre Taten müsse die Staatsführung zur Rechenschaft gezogen werden.

Laut der Beobachtungsstelle haben Bombardements durch das Assad-Regime zuletzt zugenommen. In der vergangenen Woche seien rund 500 Menschen durch Luftangriffe des syrischen Regimes ums Leben gekommen. Insgesamt seien seit Montag 326 Angriffe durch die syrische Luftwaffe geflogen sowie 276 Fassbomben aus Helikoptern abgeworfen worden.

bka/AFP/Reuters



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Meconopsis 30.10.2014
1. Diese Informationen reichen nicht aus
Es wäre schon interessant zu wissen, wer in diesem Camp genau lebt. Wenn es auch eine Zufluchtstätte oder ein Rückzugsraum für regierungsfeindliche Kämpfer ist, dann sieht die Sache für mich schon wieder anders aus. Man müsste auch wissen, ob innerhalb des Camps vielleicht ein bestimmtes Gebäude getroffen wurde. Dann wäre es nicht viel anders, wie wenn die USA Headquarter der ISIS innerhalb von Städten bombardieren. Natürlich haben die USA präzisere Waffen, die weniger Kollateralschäden verursachen. Aber jeder muss halt mit dem kämpfen, was er hat. So ist das im Krieg.
tolate 30.10.2014
2. Meine Bomben, deine Bomben.
Sollte sich bestätigen, was eine Konfliktpartei behauptet, so wäre das "nur der jüngste brutale Akt dieses Regimes gegen sein eigenes Volk", sagte US-Außenamtssprecherin Psaki. Für ihre Taten müsse die Staatsführung zur Rechenschaft gezogen werden. Wer hat eigentlich aus Gründen der politischen Opportunität die Grausamkeit des Regimes für spezielle Verhöre ganz spezieller Gefangener benutzt? Waren das nicht westliche Geheimdienste, allen voran die USA? Diese haben ja auch vor vielen Jahren, 1979(!) angefangen, die Mudschaheddin aufzurüsten, damals gegen die afghanische Regierung, um die Sowjets zu provozieren. Auf diesen Plan ist Präsident Carters seinerzeitiger Sicherheitsberater Brzezinski heute noch stolz, und empfiehlt sich weiter hinsichtlich der Ukraine. Grausame Fassbomben und ähnliches sind für eine Seite stets wohltätig, und wir sind immer die Guten. Ist doch ganz einfach.
jjcamera 30.10.2014
3. Falsche Seite
Jeder Krieg ist "barbarisch". Deshalb sollten wir uns nicht beteiligen. Auf welcher Seite man in diesem Krieg steht - es ist die falsche.
pinky0x51 30.10.2014
4. Ich verstehe das nicht mehr
Die IS wütet in Syrien. Die USA bombardiert die IS um zu verhindern das sie weitere syrische Städte einnimmt. Unterstützt das Assad? Ist es ihm egal? Auf der anderen Seite gibt es die offizielle syrische Regierung unter Assad. Diese bombardiert wiederum die eigene Bevölkerung. Wie passt das zusammen? Warum macht Assad stattdessen nichts gegen die IS? Ist es ihm egal das sie ihm Stadt für Stadt aus der Hand reißen? Machen die gemeinsame Sache? Das kann doch nicht gut gehen, es wäre doch absehbar das irgendwann die IS nach einer Stadt greift die Assad behalten will. Also ich verstehe nicht wie das alles zusammen passt. Kann das mal jemand erklären oder auf einen Hintergrund Artikel verweisen?
Faceoff 30.10.2014
5. Das Kalkül von Assad
Zitat von pinky0x51Die IS wütet in Syrien. Die USA bombardiert die IS um zu verhindern das sie weitere syrische Städte einnimmt. Unterstützt das Assad? Ist es ihm egal? Auf der anderen Seite gibt es die offizielle syrische Regierung unter Assad. Diese bombardiert wiederum die eigene Bevölkerung. Wie passt das zusammen? Warum macht Assad stattdessen nichts gegen die IS? Ist es ihm egal das sie ihm Stadt für Stadt aus der Hand reißen? Machen die gemeinsame Sache? Das kann doch nicht gut gehen, es wäre doch absehbar das irgendwann die IS nach einer Stadt greift die Assad behalten will. Also ich verstehe nicht wie das alles zusammen passt. Kann das mal jemand erklären oder auf einen Hintergrund Artikel verweisen?
Ist schon richtig beobachtet von Ihnen: Assad tut kaum etwas gegen den IS. Seine Truppen leisten dem IS kaum Widerstand und seine Luftwaffe bombardiert lieber Aleppo, als die IS-Hauptstadt Rakka. Warum Assad so handelt? Wahrscheinlich, um sich selbst als die am wenigsten schlechte Alternative darzustellen. Assad weiß, dass er im Westen als der äußerst grausame Erb-Diktator betrachtet wird, der er nun mal ist. Da kommt ihm der IS, welcher ein noch schlechteres Bild abgibt, als sein eigenes Regime, gerade recht. Wenn man die Kommentare hier liest, scheint dieses Kalkül von Assad bei einigen Zeitgenossen tatsächlich zu verfangen.
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