Geplante türkische Offensive USA ziehen in Nordsyrien Truppen von der Grenze ab

Der Einmarsch der türkischen Armee in den Norden Syriens steht unmittelbar bevor - und damit eine erneute Eskalation der Kämpfe mit kurdischen Einheiten. Die US-Truppen sollen das Gebiet verlassen.

Protest gegen Drohungen aus der Türkei: Syrische Kurden versammeln sich um ein US-Militärfahrzeug
Delil SOULEIMAN/ AFP

Protest gegen Drohungen aus der Türkei: Syrische Kurden versammeln sich um ein US-Militärfahrzeug


Immer wieder hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in den vergangenen Monaten mit einer türkischen Offensive an der syrischen Grenze gedroht. Nun steht der Einmarsch nach Angaben der Türkei kurz bevor. Aus den USA soll es dafür keine Unterstützung geben. Wie das Weiße Haus mitteilte, werden US-Streitkräfte sich nicht an der angekündigten Offensive beteiligen.

Nach einem Telefongespräch von US-Präsident Donald Trump und Erdogan teilte Washington mit, dass künftig keine US-Soldaten mehr in der "unmittelbaren Gegend" präsent sein werden. "Die Türkei wird bald mit ihrem lang geplanten Einsatz in Nordsyrien voranschreiten", erklärte das Weiße Haus.

Die US-Armee werde die türkische Offensive "weder unterstützen noch darin involviert sein". Deshalb würden die Soldaten nach dem "Sieg" über die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus der Region zurückgezogen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen die USA die Kurden darüber informiert haben, dass sie nicht gegen türkische Angriffe verteidigen werden.

Türkei nun zuständig für gefangene IS-Kämpfer

Washington erklärte zudem, dass die USA keine festgenommenen IS-Kämpfer aus der Region auf Kosten der US-Steuerzahler aufnehmen würden. Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder, aus denen die IS-Anhänger stammten, hätten sie trotz Drucks aus Washington auch nicht gewollt. Nun sei die Türkei zuständig für alle IS-Kämpfer, die in den vergangenen zwei Jahren auch mithilfe der US-Streitkräfte in der Region gefangen genommen wurden, führte das Weiße Haus aus.

Zudem solle Syrern, die vor dem Krieg in ihrer Heimat in die Türkei geflüchtet sind, die Heimkehr ermöglicht werden, sagte Erdogan. Vor Kurzem hatte er bereits Pläne angekündigt, zwei Millionen der rund 3,6 Millionen in der Türkei lebenden syrischen Flüchtlinge in die geplante Sicherheitszone in Nordsyrien umzusiedeln. In einer vom Präsidialpalast in Ankara veröffentlichten Stellungnahme hieß es zudem, Erdogan und Trump hätten ein persönliches Treffen im November in Washington vereinbart.

Sicherheitsbedenken der Türkei

Das Gebiet an der nordsyrischen Grenze wird von der syrischen Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Für die USA waren die Kurden im Kampf gegen den IS ein langjähriger Verbündeter. Die Türkei sieht in der YPG hingegen einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und somit eine Terrororganisation.

Die Präsenz der kurdischen Truppen an der Grenze zur Türkei sieht Erdogan daher als Bedrohung für die Türkei. Die geplante Offensive begründete er mit türkischen Sicherheitsinteressen.

asc/AFP/dpa/Reuters



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