Bürgerkrieg in Syrien Viele Tote bei Raketenangriffen in der Provinz Idlib

In der syrischen Provinz Idlib liefern sich Rebellen und Assad-Soldaten heftige Kämpfe. Jetzt hat das Regime seine Luftangriffe auf die Dörfer in der Region verstärkt. Aktivisten zufolge starben dabei mindestens 29 Menschen, darunter auch Kinder.
Mann, getötetes Kind: Die Provinz Idlib ist heftig umkämpft

Mann, getötetes Kind: Die Provinz Idlib ist heftig umkämpft

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

Damaskus - Die Raketen trafen mehrere Dörfer in der Provinz Idlib, im Nordwesten Syriens. Mindestens 29 Menschen sind bei Angriffen der syrischen Luftwaffe getötet worden, darunter sechs Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der Opposition nahesteht. Die Zahlen können nicht unabhängig überprüft werden, das Regime von Präsident Baschar al-Assad lässt kaum Journalisten in das Land. Videos, die Rebellen im Internet veröffentlicht haben, zeigen Leichen, zerstörte Gebäude und Rauchwolken.

Die Angriffe sollen sich am späten Sonntagnachmittag kurz vor dem rituellen Fastenbrechen während des Ramadans ereignet haben. Allein im Dorf Maghara seien 13 Menschen getötet worden, berichteten Aktivisten.

Die Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei ist heftig umkämpft. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sollen die Assad-Truppen die Stadt Idlib überwiegend unter ihrer Kontrolle haben - im Umland haben die Aufständischen die Vormacht.

Assads Truppen sollen Hunderte Familien eingekesselt haben

Rebellen und Regierungstruppen liefern sich auch um die Hauptstadt Damaskus heftige Gefechte. Assads Soldaten hatten am Wochenende Oppositionellen zufolge im Viertel Kabun im Norden der Hauptstadt Hunderte Zivilisten eingekreist und Scharfschützen auf sie anlegen lassen. Dutzende Menschen konnten aber aus einem unterirdischen Verlies fliehen.

In einem von oppositionellen Aktivisten verbreiteten Video aus Kabun sind minutenlange Gefechte mit Artillerie- und Granatenbeschuss sowie schwarze Rauchwolken zu sehen. Die syrische Armee versucht seit Monaten, die Vororte von Damaskus wieder einzunehmen.

In Damaskus wurden am Sonntag nach Angaben der Beobachtungsstelle 18 Menschen bei einer Armeeoffensive getötet, 15 davon waren Aufständische. Die Aktivisten berichteten zudem von der Explosion einer Autobombe in der Stadt Deir Attija, das 90 Kilometer nördlich von Damaskus liegt. Dabei seien am Sonntagabend zehn Polizisten und drei Zivilisten getötet worden.

Der Beobachtungsstelle zufolge wurden am Sonntag insgesamt mindestens 129 Menschen in Syrien getötet: 70 davon seien Zivilisten gewesen, 31 Rebellen und 28 Regierungssoldaten.

Regime verkündet angeblichen Chemiewaffenfund

Aufständische und Regierungsmitglieder werfen sich gegenseitig immer wieder vor, chemische Waffen in dem Bürgerkrieg einzusetzen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete am Montag von einem angeblichen Chemiewaffenlager der Rebellen. Streitkräfte hätten ein Labor und ein Lager in einem Versteck der "Terroristen" nahe Dschobar östlich von Damaskus entdeckt. Dort sei unter anderem Chlorgas sichergestellt worden. Die Chemikalien seien im Ausland produziert worden - unter anderem in Saudi-Arabien. Sana verbreitete auch Bilder von dem angeblichen Fund.

George Sabra, ein führendes Mitglied der oppositionellen syrischen Nationalen Koalition, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dies seien "ekelhafte Anschuldigungen vonseiten eines Regimes, das seit Jahrzehnten Chemiewaffen besitzt". Er betonte: "Die ganze Welt weiß das. Das Regime hat die Waffen in der Vergangenheit gegen das syrische Volk eingesetzt und tut das auch heute."

Bereits am Samstag waren in Nordsyrien die Kämpfe zwischen Rebellen und Dschihadisten eskaliert. Zudem traf ein Luftangriff die berühmte Kreuzritterburg Krak des Chevaliers nahe Homs. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 wurden nach Uno-Angaben bereits mehr als 100.000 Menschen getötet.

heb/AFP/AP/dpa