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Syriens Rebellen: Bomben Marke Eigenbau

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Aufstand in Syrien Rebellen greifen mit Sprengfallen an

Schwere Waffen sind bei Syriens Aufständischen Mangelware. Im Kampf gegen Assad hat sich nun eine Miliz auf Sprengfallen spezialisiert. Mit den Bomben Marke Eigenbau fügen sie den Regimetruppen empfindliche Verluste zu.

Abu Ali sieht sich als einer der neuen Mächtigen Syriens. Der hagere Mann mit dem akkurat gestutztem Bart ist Chef der Wadi-Miliz, die im nordlibanesisch-syrischen Grenzgebiet operiert. Ihre Spezialität: Sprengstoff. "Wir sind in ganz Syrien bekannt", behauptet Abu Ali im Skype-Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Sein Kapital sind seine Männer. "Ich habe einige Leute mit langjähriger Erfahrung in meiner Brigade", sagt er. Einer ist Chemiker, zwei waren Sprengstoffexperten in der syrischen Armee. Abu Ali selbst war Leutnant im Geheimdienst, der für Bombenanschläge berüchtigt ist. Da habe er aber nie jemanden in die Luft gesprengt, nur gefoltert. "Allah, vergib mir, dass ich einst auf Seiten des Regimes war, und vergib mir, wenn ich Fehler begangen habe", murmelt er.

Mit ihren Sprengstofffallen und Bomben machen Syriens Rebellen den regimetreuen Truppen zunehmend das Leben schwer. Mit einem spektakulären Bombenanschlag gelang es den Rebellen am 18. Juli vier von Baschar al-Assads wichtigsten Sicherheitsberatern zu töten. Am Mittwoch explodierte nahe einem Militärstützpunkt im Zentrum von Damaskus eine Bombe, zu der sich der Dachverband der Rebellen, die Freie Syrische Armee, bekannte. Was die Attacke vom 18. Juli angeht, sagt Abu Ali: "Eines unserer Mitglieder war daran beteiligt, aber mehr kann ich nicht verraten."

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Die Aufgabe von Abu Ali und seinen Männern ist es, Panzer in die Luft zu sprengen. Sie drehen dabei den Spieß um und setzen Assads eigene Minen gegen dessen Armee ein. Im vergangenen Jahr ließ Damaskus Hunderte Minen an den Grenzen verlegen, um den Rebellen das Leben schwer zu machen. Aber auch Flüchtlinge werden immer wieder durch die Sprengfallen verletzt.

Die schnell verlegten Anti-Panzer-Minen graben Abu Ali und seine Männer aus und verlegen sie neu auf Straßen, die von den Assad-Truppen benutzt werden. "Wenn ein Panzer über eine Mine fährt, bremst das den Rest der Truppe aus. Wir schießen dann mit Panzerfäusten auf sie", sagt Abu Ali.

Die Männer bauen auch eigene Sprengfallen mit TNT, das sie auf dem libanesischen Schwarzmarkt kaufen. Doch weil TNT knapp und teuer sei, würden sie auch Düngemittel verwenden. "Das macht unser Chemiker für uns. Er prüft die verschiedenen Düngemittel und sagt, welche sich am besten für uns eignen." Die Forschungsergebnisse teile man mit anderen Rebellengruppen in Syrien. "Es gibt mehrere Gruppen, die sich auf Bomben spezialisiert haben", sagt Abu Ali. Einer seiner Männer, Mahmud, ein Ex-Leutnant der Armee, zeige gerade anderen Milizen, die noch keine Sprengerfahrungen haben, wie man Bomben baue. Da Munition und schwere Waffen nach wie vor Mangelware sind, ist selbst hergestellter Sprengstoff für die Aufständischen eine willkommene und günstige Alternative.

Dass die Zahl der tödlichen Bombenanschläge auf die Assad-Truppen in den vergangenen Monaten rasant steigt, schreibt auch Joseph Holliday, ein auf Syrien spezialisierter Militäranalyst am amerikanischen Institut für Kriegsstudien. Die "New York Times" zitiert einen hochrangigen US-Beamten mit der Einschätzung, dass seit Juni im Durchschnitt monatlich 600 Assad-Soldaten sterben - empfindliche Verluste, die sich auf Dauer kaum ausgleichen lassen. "Die Bomben kehren das Machtverhältnis zwar nicht um, aber sie helfen uns schon ziemlich", glaubt Abu Ali.

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