Syrien Kriegsparteien schließen Waffenruhe an zwei Frontlinien

Kurze Pause bei den Kampfhandlungen: Rebellen und Regimetruppen in Syrien haben eine Feuerpause an zwei Frontlinien vereinbart. In Aleppo wird aber weitergekämpft.

Kinder in Aleppo
REUTERS

Kinder in Aleppo


In Syrien ist in der Nacht zum Samstag an zwei Frontlinien eine Feuerpause in Kraft getreten. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, legten die Konfliktparteien in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta und in der Küstenprovinz Latakia die Waffen nieder. In beiden Regionen sei es "ruhig", erklärte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Vorerst werde dort nicht mehr geschossen.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle verfügt über ein Netzwerk von Informanten in Syrien, von unabhängiger Seite lassen sich ihre Angaben nur schwer überprüfen.

Der vorübergehende Stopp der Kampfhandlungen an den beiden wesentlichen Kriegsfronten war auf Drängen der USA und Russlands vereinbart worden. Für die Region Ost-Ghuta östlich von Damaskus sollte die Feuerpause nach Angaben der syrischen Armee 24 Stunden gelten, für Latakia 72 Stunden.

Brüchige Waffenruhe

In Syrien gilt seit Ende Februar eine Waffenruhe, die zuletzt jedoch immer brüchiger wurde. Die USA und Russland einigten sich nach Angaben von Diplomaten auf eine neue Feuerpause für große syrische Städte. Das sogenannte Regime der Stille soll ab 1 Uhr Ortszeit greifen.

Die Feuerpause galt nicht in der erbittert umkämpften Stadt Aleppo, wo am Freitag zum zweiten Mal binnen weniger Tage ein Krankenhaus bombardiert worden war. Dabei waren mehrere Menschen verletzt worden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Angriffe wie die auf die Klinik in Aleppo als Verstoß gegen "grundlegende Normen des humanitären Völkerrechts". Die politischen Bemühungen um eine Friedenslösung würden dadurch gefährdet.

Wie aus syrischen Sicherheitskreisen verlautete, hatte Washington auch für Aleppo eine Pause der Kampfhandlungen gefordert - Moskau habe das aber abgelehnt. Auch ein US-Vertreter erklärte, für die Metropole sei keine Einigung erzielt worden.

Der einstigen Wirtschaftsmetropole droht eine Großoffensive der Armee, die Aleppo vollständig zurückerobern will. Damit einhergehen könnte eine humanitäre Katastrophe in der Stadt.

mhe/afp



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.