Bürgerkrieg Syrien testet Giftgaswaffen in der Wüste

Die Armee des syrischen Diktators Baschar al-Assad soll nach Informationen des SPIEGEL in der Wüste nahe Aleppo Waffen getestet haben. Dabei sollen Trägersysteme für Giftgasgranaten ausprobiert worden sein.
Präsident Assad (Archivbild): Größte Bestände an einsatzbereiten Giftgasen

Präsident Assad (Archivbild): Größte Bestände an einsatzbereiten Giftgasen

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS

Hamburg - Iranische Offiziere, mutmaßlich der Revolutionswächter, sollen eigens per Hubschrauber eingeflogen worden sein: Die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad soll Ende August Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet haben.

Das zumindest legen Aussagen verschiedener Zeugen nahe. Die Tests hätten in der Nähe des Forschungszentrums für Chemiewaffen bei Safira östlich der Wirtschaftsmetropole Aleppo stattgefunden. Insgesamt fünf oder sechs der Granaten, die für chemische Kampfstoffe vorgesehen sind, seien - unbefüllt - von Panzern und Flugzeugen abgeschossen worden, auf einem Gelände namens Diraiham in der Wüste nahe dem Ort Chanasir.

Sarin, Tabun und Senfgas

Die Anlage bei Safira gilt als das größte Versuchszentrum für Chemiewaffen in Syrien. Weitläufig in einen Hügelzug gebaut, firmiert es offiziell unter dem Namen "Wissenschaftliches Forschungszentrum". Iranische und nordkoreanische Experten sollen in dem abgeriegelten Komplex tätig sein, in dem nach Angaben westlicher Geheimdienste Sarin, Tabun und Senfgas hergestellt und an Tieren erprobt werden.

In den vergangenen Monaten wurden die Wachmannschaften erneut um mehr als 100 Elitesoldaten der 4. Panzerdivision verstärkt. Ebenso seien Generatoren und große Vorräte an Diesel geliefert worden, um im Falle eines Angriffs der Rebellen auf jeden Fall die Stromversorgung zur Kühlung aufrechterhalten zu können.

Amerikanische Truppen sollen die Anlage sichern

Die Aufständischen haben allerdings nicht die Absicht, das Versuchszentrum zu erobern: "Wir hoffen, dass amerikanische Truppen die Anlage sichern", so ein zur Freien Syrischen Armee übergelaufener Offizier aus einem der nahegelegenen Dörfer. "Wir wollen weder, dass das Regime die Waffen einsetzen kann, noch, dass sie nach dem Sturz in die Hände von Radikalen fallen."

Syrien zählt nach Angaben von Experten zu den Staaten mit den weltweit größten Beständen an einsatzbereiten Giftgasen. Mitte August hatte US Präsident Barack Obama Präsident Assad unmissverständlich gewarnt: Sollte das syrische Regime biologische oder chemische Waffen im Syrien-Konflikt einsetzen, würden die USA mit einer Militäraktion antworten.

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jjc
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