Syrien-Krieg Putin entscheidet über die Zukunft der Kurden

Der türkische Präsident Erdogan bereitet einen Einmarsch in Nordostsyrien vor - Warnungen der US-Regierung zum Trotz. Entscheidend für den Kriegsverlauf dürfte jetzt sein, was Kremlchef Putin will.
Banner mit Putin (r.) und al-Assad (l.), im Westen der Region Idlib

Banner mit Putin (r.) und al-Assad (l.), im Westen der Region Idlib

Foto: GEORGE OURFALIAN/ AFP

Er hoffe, John Bolton habe einen Eindruck von der "weltberühmten türkischen Gastfreundschaft" erhalten, schrieb Fahrettin Altun, der Medienchef des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, auf Twitter. Kurz zuvor hatte der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump Ankara am Dienstag wieder verlassen. Es war ein letzter, verbaler Fußtritt nach einer ohnehin missratenen Mission.

Bolton hätte die Türkei eigentlich dazu bewegen sollen, die geplante Militäroperation gegen die Kurden-Miliz YPG in Nordostsyrien abzublasen. Erdogan jedoch wies ihn brüsk zurück. Er verwehrte dem Gast aus Washington ein Gespräch und teilte stattdessen in einer Rede vor Abgeordneten seiner Partei gegen die US-Regierung aus: "Falls (die Amerikaner) erwarten, dass wir uns Terroristen beugen, täuschen sie sich", sagte er.

Die USA und die YPG haben in Syrien gemeinsam erfolgreich gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" gekämpft. Erdogan hingegen hält die YPG für den syrischen Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in der Türkei immer wieder Anschläge verübt hat, und von Europa wie den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Er will die Miliz um jeden Preis aus dem Grenzgebiet vertreiben, was auch weite Teile der Opposition in der Türkei gutheißen.

Türkische Armee im Norden Syriens Ende Dezember

Türkische Armee im Norden Syriens Ende Dezember

Foto: STR/EPA-EFE/REX

Truppen ziehen ab - was macht Moskau?

Bereits vor einem Jahr marschierten türkische Soldaten in die syrische Stadt Afrin ein, die bis dahin unter Kontrolle der YPG stand. Nun würde Erdogan den Einsatz gerne auf den Nordosten ausdehnen. Ob und wann es zu einer weiteren türkischen Militäroperation kommt, hängt weniger von den USA ab. Trump dürfte seine Soldaten aus dem Bürgerkriegsland abziehen, selbst wenn die Türken die von ihm verlangte Sicherheitsgarantie für die YPG ablehnen.

Am Freitag begann die US-geführte Militärkoalition mit dem Abzug ihrer Einheiten aus Syrien. Konkrete Angaben zum Ablauf werde man aus Sicherheitsgründen aber nicht machen, erklärte ein Sprecher des Bündnisses.

Trump hatte kurz vor Weihnachten mit seiner Ankündigung überrascht. Er wolle diesen Schritt durchführen, da der Kampf gegen den "Islamischen Staat" gewonnen sei. Aus Protest gegen die Ankündigung war Verteidigungsminister Jim Mattis zurückgetreten.

Die Amerikaner starten also den Rückzug, entscheidend ist nun, was Moskau will.

Wladimir Putin

Wladimir Putin

Foto: Alexei Druzhinin/ AP

Erdogan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin stimmen sich in Syrien einerseits eng ab. Andererseits ist Putin der engste Verbündete von Syriens Diktator Baschar al-Assad und hat kein Interesse daran, dass sich die Türkei noch weiter im Nachbarland festsetzt. Sollte er einem Militäreinsatz zustimmen, dann wohl nur unter der Bedingung, dass die Türkei nach einem Sieg über die YPG das Territorium Assad überlässt - einem Mann, den Erdogan bis vor Kurzem noch stürzen wollte.

Da die Kurden ihrerseits Assad um Schutz vor einer türkischen Invasion gebeten haben, hat ein seltsames Rennen eingesetzt: Ankara und die YPG wetteifern, wer schneller einen Deal mit dem syrischen Regime und dessen Protektor schließen kann - mit Russland.

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