Kämpfe in Syrien Kurden verbünden sich mit Assad - gegen die Türkei

Das türkische Militär geht in Syrien hart gegen kurdische Kämpfer und Zivilisten vor. Jetzt kommt offenbar die Armee von Diktator Assad der Region Afrin zu Hilfe. Ausgerechnet.
Von der Türkei unterstützte Kämpfer der Freien Syrischen Armee

Von der Türkei unterstützte Kämpfer der Freien Syrischen Armee

Foto: KHALIL ASHAWI/ REUTERS

Das kurdische Militär in Nordwestsyrien und die Regierung in Damaskus haben offenbar eine Vereinbarung getroffen, wonach die syrische Armee in der Region Afrin einmarschieren darf. Die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa melden übereinstimmend, dass die Soldaten von Diktator Baschar al-Assad dabei helfen sollen, die türkische Offensive abzuwehren.

Die kurdischen Volksvertretungseinheiten (YPG) und ihre Verbündeten haben seit Beginn des Aufstandes gegen den syrischen Präsidenten Assad im Jahr 2011 drei autonome Regionen im Norden Syriens errichtet, darunter Afrin. Am 20. Januar dieses Jahres begannen türkische Streitkräfte eine Offensive gegen die YPG, die von Ankara als syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet wird.

Foto: DER SPIEGEL

Ein Berater der von Kurden geführten Verwaltung in Nordsyrien, Badran Jia Kurd, soll der Agentur Reuters nun bestätigt haben, dass sich syrische Truppen entlang der türkischen Grenze positionieren sollen. Sie könnten demnach innerhalb der kommenden zwei Tage das Gebiet betreten. Auch die dpa berichtet über ein entsprechendes Abkommen und bezieht sich auf Angaben aus syrischen Regierungskreisen.

Seit dem Einsatz des türkischen Militärs in der Region Afrin gab es zahlreiche Todesopfer auf beiden Seiten. Bisher sind 32 türkische Soldaten gefallen. Am Samstag soll es angeblich sogar einen Giftgasangriff der türkischen Armee und ihrer Verbündeten in Afrin gegeben haben, bei dem sechs Menschen verletzt worden sein sollen. Die Türkei dementiert dies.

Der türkische Militäreinsatz ist international hoch umstritten. Die USA unterstützen die YPG-Kämpfer mit Waffen und Spezialkräften im Kampf gegen Dschihadisten. Die Offensive des Nato-Partners Türkei wird in Washington daher sehr kritisch gesehen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rechtfertigt den Einsatz damit, dass die YPG die nationale Sicherheit der Türkei bedrohe. Bei der Offensive kommen auch "Leopard"-Panzer aus Deutschland zum Einsatz.

Angeblich kein einziger Zivilist getötet

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte dem SPIEGEL während der Münchner Sicherheitskonferenz, die sogenannte "Olivenzweig-Offensive" gegen die YPG verlaufe nach Plan - obwohl es zuletzt immer wieder Berichte gab, dass die Soldaten in dem bergigen Terrain kaum vorankämen. Cavusoglu behauptete, es sei bis jetzt "nicht ein einziger Zivilist" bei der Aktion getötet worden.

Auf die Frage, ob es für die Türkei etwas ändern würde, wenn das syrische Regime im Rahmen eines Abkommens Soldaten in Afrin stationiere, antwortete Cavusoglu ausweichend: Die YPG sei auch für das syrische Regime ein Problem, weil sie das Land spalten wolle, aber manchmal würden auch verfeindete Gruppen vorübergehende Bündnisse schließen. "Deshalb können wir nicht sicher sein, dass die Bedrohung auch wirklich besiegt ist, wenn das Regime in Afrin präsent ist."

kry/Reuters/dpa