Syrien "Fassbomben" töten viele Menschen auf Gemüsemarkt 

Mindestens 21 Menschen sind bei einem Luftangriff auf die nordsyrische Stadt Aleppo ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Laut einer Rebellen-nahen Menschrechts-Organisation warfen Regierungstruppen sogenannte Fassbomben auf einen Gemüsemarkt in der Altstadt ab.

Suche nach Überlebenden nach dem Bombenabwurf in Aleppo: Mindestens vier Kinder unter den Opfern
REUTERS

Suche nach Überlebenden nach dem Bombenabwurf in Aleppo: Mindestens vier Kinder unter den Opfern


Beirut - Aleppo, das im Norden gelegene ehemalige Wirtschaftszentrum Syriens, ist seit mehreren Wochen Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen den Regierungstruppen des Machthabers Baschar al-Assad und den Rebellen. Mehr als 400 kamen dabei bereits ums Leben, ein Ende der Gewalt ist nicht abzusehen. Am Samstag wurden bei einem Hubschrauber-Angriff der Luftwaffe mindestens 21 Menschen getötet, berichtet ein Mitglied der Aktivistengruppe Aleppo Media Center laut Nachrichtenagentur AP. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der Opposition nahesteht und über zahlreiche Informanten in der Krisenregion verfügt, spricht von mindestens 25 Opfern.

Sogenannte Fassbomben seien am Samstagvormittag auf einen belebten Gemüsemarkt abgeworfen worden. Menschenrechtler haben den Einsatz solch improvisierter Bomben, bei denen mit Sprengstoff und Metall gefüllte Behälter aus Flugzeugen und Hubschraubern abgeworfen werden, immer wieder scharf verurteilt. Unter den Opfern seien mindestens vier Kinder, teilte die Organisation mit. Ein Krankenhaus sei teilweise zerstört worden. Die Zahl der Todesopfer werde wahrscheinlich noch steigen. Dutzende Menschen seien verletzt worden. Die Ziele des Angriffs hätten in dem von Rebellen kontrollierten Stadtviertel Tarik al-Bab gelegen.

Das Netzwerk Generalkommission der Syrischen Revolution warf den Streitkräften Assads ein "Massaker" vor. "Die Luftangriffe zielten auf einen belebten Markt, wo die Menschen Gemüse und Haushaltswaren kauften." Zahlreiche Gebäude seien beschädigt worden, eines sei eingestürzt.

Seit dem Ausbruch der Auseinandersetzungen zwischen den größtenteils sunnitischen Aufständischen und dem Militär im März 2011 sind in Syrien mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Die am 15. Dezember begonnene Kampagne der Assad-Truppen in Aleppo sehen Beobachter als Machtdemonstration des Regierungschefs im Hinblick auf die Internationale Friedenskonferenz, die am 22. Januar in der Schweiz beginnen soll. Dort soll über eine politische Lösung des Syrien-Konflikts beraten werden.

bor/Reuters/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.