Bürgerkrieg in Syrien Opposition wirft Assad-Truppen neues Massaker vor

In Syrien soll es ein neues Massaker gegeben haben. Laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben regierungstreue Truppen mehr als 50 Menschen im Küstenort Baida getötet, darunter Zivilisten.


Damaskus/Istanbul - In Syrien hat möglicherweise ein neues Massaker an Zivilisten stattgefunden. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben Regierungstruppen und Milizen, die Präsident Baschar al-Assad nahestehen sollen, Dutzende Menschen in dem Küstenort Baida getötet.

Demnach ist von mindestens 50 Toten die Rede, darunter Frauen und Kinder. Insgesamt rechnet die Beobachtungsstelle nach eigenen Angaben mit mehr als 100 Toten. Die meisten Opfer starben demnach durch Schusswaffen und Messer, andere Menschen seien verbrannt worden. Die Angaben der Organisation, die der Opposition nahesteht, können nicht unabhängig überprüft werden.

Die Nachrichtenagenturen berichteten am Donnerstag, dass die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen den alawitisch geprägten Nordwesten des Landes rings um die Küstenstadt Banias erreicht hätten. Dort liegt auch der Ort Baida.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unter Berufung auf ranghohe Behördenvertreter, dass die Streitkräfte mehrere Aufständische in den Dörfern Mirkab und Baida sowie in Banias sunnitischem Viertel Ras al-Naba getötet hätten.

In Banias und Umgebung wird die Bevölkerungsmehrheit von Alawiten gestellt, einer zum schiitischen Islam gehörenden Glaubensgemeinschaft, zu der auch der Assad-Clan gehört. Südlich der Mittelmeerstadt liegen dagegen mehrere sunnitische Dörfer, deren Bewohner mit den Rebellen sympathisieren. Der Küstenstreifen mit den drei wichtigsten Städten der Region - Banias, Latakia und Tartus - gilt mitsamt der umliegenden Regionen als "alawitisches Kernland" und mögliches Rückzugsgebiet Assads, falls dessen Regierung stürzen sollte.

USA erwägen Waffenlieferungen an Rebellen

Angesichts der andauernden Gewalt in Syrien wächst der Druck auf den Westen, eine aktivere Rolle in dem Konflikt einzunehmen. Die USA erwägen nun Waffenlieferungen an syrische Rebellen. Das sagte Verteidigungsminister Chuck Hagel am Donnerstag im Pentagon. Es würden aber auch andere Optionen geprüft. Er selbst habe noch keine Entscheidung getroffen.

Während sich Frankreich und Großbritannien für Waffenlieferungen ausgesprochen hatten, kam dies für die US-Regierung bislang nicht in Frage. Nach Hinweisen auf einen möglichen Giftgaseinsatz durch die Assad-Truppen signalisierte US-Präsident Barack Obama allerdings ein härteres Vorgehen. Beweisen für eine Schuld Assads müssten die USA ihre Optionen "überdenken", sagte der Präsident am Dienstag. Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen in der Vergangenheit als "rote Linie" für ein Eingreifen in den Konflikt bezeichnet.

Türkischer Polizist an Grenze getötet

Unterdessen wurde am Donnerstag an der türkisch-syrischen Grenze ein türkischer Polizist getötet. Nach amtlichen Angaben aus der Türkei erlag der Mann seinen Verletzungen im Krankenhaus. Zwei weitere Polizisten, zwei Soldaten und zwei Zivilisten wurden demnach ebenfalls verletzt.

Der Bürgermeister der türkischen Kleinstadt Akçakale in der südöstlichen Provinz Sanliurfa, wo sich der Vorfall ereignete, sagte im Fernsehsender NTV, von der anderen Seite der Grenze seien Schüsse abgegeben worden, er wisse aber nicht, von wem. Zuvor habe es Zusammenstöße mit Syrern gegeben, denen die türkischen Behörden die Einreise verweigert hätten, fügte der Bürgermeister Abdülhakim Ayhan hinzu.

In unterschiedlichen Berichten wurden die Angreifer, die flüchten konnten, als Schmuggler oder syrische Rebellen bezeichnet. Sie sollen auch ein Büro des türkischen Zolls in Brand gesteckt haben. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, wurden zusätzliche Sicherheitskräfte an den Grenzabschnitt verlegt.

Infolge des Konflikts in Syrien gab es in den vergangenen Monaten wiederholt grenzüberschreitende Zwischenfälle. Im vergangenen Oktober wurden in Akçakale fünf türkische Zivilisten durch Granaten getötet, die aus Syrien über die Grenze gefeuert worden waren. Der Akçakale gegenüber liegende Grenzposten Tall al-Abjad in Syrien wird seit Monaten von bewaffneten syrischen Rebellen kontrolliert.

fab/AFP/dpa

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