Versöhnliche Töne Assad bedauert Abschuss von türkischem Kampfjet

Knapp zwei Wochen ließ er nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets verstreichen. Jetzt hat Syriens Staatschef Baschar al-Assad in einem Interview mit einer Zeitung des Nachbarlands versöhnliche Töne angeschlagen: Er bedauere diesen Vorfall "zu 100 Prozent".

Staatschef Assad: Er bedauert Vorfall "zu 100 Prozent".
REUTERS

Staatschef Assad: Er bedauert Vorfall "zu 100 Prozent".


Damaskus/Ankara - Syriens Staatschef Baschar al-Assad hat den Abschuss eines türkischen Kampfjets durch seine Armee bedauert. Die Maschine sei in einem Gebiet unterwegs gewesen, das in der Vergangenheit mehrfach von der israelischen Luftwaffe genutzt worden sei, sagte er in einem Interview mit der türkischen Zeitung "Cumhuriyet". Er bedauere diesen Vorfall "zu 100 Prozent".

Der Präsident sagte, er werde nicht zulassen, dass sich die Spannungen zwischen beiden Ländern zu einem offenen Kampf ausweiteten. "Wir haben erst nach dem Abschuss erfahren, dass es (das Flugzeug) zur Türkei gehörte." Entschuldigen wollte sich Assad nicht. Er hätte sich dann entschuldigt, wenn sich das Flugzeug nicht im syrischen Luftraum befunden hätte, erklärte er.

Das Flugzeug habe sich jedoch in einem Korridor im syrischen Luftraum befunden, der 2007 von israelischen Flugzeugen genutzt worden sei, um einen Angriff auf ein Gebäude im Norden des Landes zu fliegen, so Assad. Laut Internationaler Atomenergiebehörde handelte es sich dabei um fast fertigen Atomreaktor. Wann das am Dienstag veröffentlichte Interview geführt wurde, war zunächst nicht klar.

Die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei waren auf einem Tiefpunkt angelangt, nachdem das Regime in Damaskus vor knapp zwei Wochen einen Kampfjet des Nachbarlands abgeschossen hatte. Ankara zufolge war eine unbewaffnete F-4 "Phantom" während einer Übungsmission versehentlich kurzzeitig in syrischen Luftraum eingedrungen, dann aber in internationalem Luftraum abgeschossen worden.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan drohte danach sogar dem Assad-Regime mit Vergeltung: Auf jede weitere Aggression werde man mit militärischen Mitteln reagieren. Den Abschuss des Jets am 22. Juni nannte Erdogan einen bewussten und feindseligen Akt. "So wertvoll die Freundschaft der Türkei ist, so heftig ist ihr Zorn." Zudem verlangte er den Sturz Assads.

Am Wochenende demonstrierte die türkische Armee ihre Stärke: Gleich dreimal ließ sie Alarm ausrufen und Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der türkischen Grenze genähert hatten.

heb/Reuters/AFP/dpa/dapd



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fuchs008 03.07.2012
1. Ganz schön verlogen...
Mit welcher Selbstverständlichkeit hier das "kurzzeitige Eindringen" in den Luftraum eines anderen Staates dargestellt wird. Wenn ein syrischer Kampfjet kurzzeitig über israelischem Territorium fliegen würde und die Israelis ihn abschiessen, würden alle sagen: Ja, selbstverständlich.
washington.mayfair 03.07.2012
2.
Zitat von fuchs008Mit welcher Selbstverständlichkeit hier das "kurzzeitige Eindringen" in den Luftraum eines anderen Staates dargestellt wird. Wenn ein syrischer Kampfjet kurzzeitig über israelischem Territorium fliegen würde und die Israelis ihn abschiessen, würden alle sagen: Ja, selbstverständlich.
Vor allem, weil die Türkei bedenkenlos in den Irak eindringt um dort seine "Interessen" verteidigt. Und in der Welt-Online stand folgendes: Kampfjet F4: Zweifel an türkischer Version des Fliegerabschusses - Nachrichten Politik - Ausland - WELT ONLINE (http://www.welt.de/politik/ausland/article107616652/Zweifel-an-tuerkischer-Version-des-Fliegerabschusses.html) Dort gibt es ganz klare Hinweise, das die Türkei über diesen Vorfall von Vorn bis Hinten gelogen hat. Aber gut, dass Assad versucht hier ein bisschen Druck abzulassen. Wenn die Türkei überhaupt Interesse hat.
Cartman 03.07.2012
3. Fugzeug
Das Fluzeug ist ja im syrischen Hoheitsgebiet abgestürtzt bzw. liegt dort, wie ist es dann möglich das es über internationalem Gewässer abgeschossen ist? Im Zeitalter wo man einen Schuss rekonstruieren kann ist es nicht möglich ein Flugzeugabsturz aufzuklären, oder will man es nicht? alles sehr Fragwürdig...
antiimperialist 03.07.2012
4. Moral in der Weltpolitik???
Leute, Die große Politik, oder besser bekannt als "The great game", werden wir als normale Bürger nicht verstehen. Habt ihr schon mal gehört, dass ein Militärflugzeug eines beliebigen Landes an der Grenze zu Russland oder USA abgeschossen wurde?? Natürlich nicht. Welches Land würde es auch wagen??? Kein Wunder, dass die Türkei so eingebildet im Bezug auf geschwächte Syrien agiert. In einem Augenblick lächelt und umarmt Erdogan Assad. Und im nächsten, wenn er sieht, dass der andere schwach ist, macht er auf einen ganz Großen. Die Situation erinnert mich an den ehemaligen Staatspräsidenten Sarkozy. Erst nahm er das Geld von Gadaffi und umarmte ihn. Dann dürften seine Flugzeuge Libyen bombardieren. Also ich wäre mit einem Politiker nicht gerne befreundet.
byzopsycho 03.07.2012
5. weiß nicht ob ich darüber lachen oder weinen soll
"Die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei waren auf einem Tiefpunkt angelangt," Mit welchem Nachbar hat der Islamist Erdogan die Beziehungen nicht zum Tiefpunkt gebracht? Zypern, israel, Griechenland haben schon mehrfach Kriegsdrohungen aus dem Völkermord leugnenden Ankara erhalten! Frankreich, Deutschland hat er auch so schon mehrfach versucht zu belehren. Die Beziehungen haben sich also erst nach dem Abschuss der Maschine mit ein oder zwei toten Piloten verschlechtert. Das Ankara monatelang die Terroristen in Syrien mit Waffen, Ordinationshilfe und Rückzugsmöglichkeiten unterstützt und somit hauptverantwortlich für 20.000 tote Syrer ist, muss dagegen ein Akt der Freundschaft gegenüber dem syrischen Volk sein. Ich muss es immer wieder wiederholen bis ich es schlucke. Von den 20.000 toten Syrer haben sicherlich wieder die Islamisten die wenigsten Verluste. Bilder von massakrierten Menschen werden immer Assads Regime in die Schuhe geschoben. Wieso sind immer die "oppositionellen" immer vor Ort des Schreckens? Apropos Terroristenbekämpfung! Ankara bombardiert seit 90 Jahren kurdische Dörfer und keinem kümmert es. Weshalb trauen die westlichen Medien den Völkermordleugner? Wenn schon der Verfassungsschutz mit der Wahrheit nicht klar kommt, was können wir von der Politik und den Medien dann noch erwarten?
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