Syriens Machthaber im SPIEGEL-Interview Assad bringt Deutschland als Vermittler ins Gespräch

Der Westen lügt, die Rebellen sind Terroristen, und er selbst verteidigt nur sein Land: Syriens Präsident Assad bleibt im SPIEGEL-Interview bei seiner harten Linie. Doch er räumt auch Fehler ein und deutet an, womöglich doch noch abzutreten. Deutschland käme laut Assad als Vermittler in Frage.
Syrischer Präsident Assad: "Glaube, der Westen vertraut lieber al-Qaida als mir"

Syrischer Präsident Assad: "Glaube, der Westen vertraut lieber al-Qaida als mir"

Foto: SANA/ REUTERS

Damaskus - Seit mehr als zwei Jahren führt der syrische Präsident Baschar al-Assad einen Krieg gegen sein eigenes Volk. Immer neuen Forderungen, von seinem Posten abzutreten und den Weg für Verhandlungen freizumachen, hat er bisher stets eine Absage erteilt. Im Interview mit dem SPIEGEL äußert er sich nun ausführlich zur Kontrolle seiner Chemiewaffen, möglichen Neuwahlen sowie zur Rolle Deutschlands, der USA und Russlands. Lesen Sie das komplette Interview im neuen SPIEGEL - in der digitalen Ausgabe ab Sonntag, 8 Uhr, oder ab Montag am Kiosk.

Giftgasangriffe auf Zivilisten und die bewaffnete Opposition streitet er weiterhin vehement ab: "Wir haben keine Chemiewaffen eingesetzt. Das ist falsch. Und das Bild, das Sie von mir zeichnen, von einem, der sein eigenes Volk umbringt, ist es auch."

Er zweifelt den Uno-Bericht zu den Giftgasangriffen vom 21. August an: "Keiner kann mit Bestimmtheit sagen, dass Raketen verwandt wurden." Stattdessen wirft er den Rebellen vor, selbst Sarin eingesetzt zu haben. Zu den nun beginnenden Chemiewaffeninspektionen sagte Assad: "Wir sind transparent, die Experten dürfen zu jeder Anlage gehen. Sie werden alle Daten von uns bekommen." Bis zur Zerstörung seien die Chemiewaffen "sehr gut geschützt".

Assad äußert sich zudem sehr kritisch gegenüber der Weltgemeinschaft. "Ich glaube, der Westen vertraut lieber al-Qaida als mir." Über Obama sagt er, dieser habe "nichts zu bieten als Lügen". Dagegen bezeichnet er die Russen als "wahre Freunde". "Die verstehen viel besser, worum es hier wirklich geht." Deutschland hält er für geeignet für eine Vermittlerrolle in Europa: "Ich würde mich freuen, wenn Gesandte aus Deutschland nach Damaskus kämen, um mit uns über die wahren Verhältnisse zu sprechen." Zudem gesteht er eine Kooperation seiner Armee mit der Hisbollah bei Kämpfen im Grenzgebiet zum Libanon ein.

"Nach meiner Definition trägt eine politische Opposition keine Waffen"

Gefragt danach, ob eine Lösung auf dem Verhandlungsweg möglich sei, entgegnet er: "Mit den Militanten? Nein. Nach meiner Definition trägt eine politische Opposition keine Waffen." Er bietet Neuwahlen an, bevor im August 2014 seine Amtszeit endet. "Ob ich dann selbst noch einmal antrete, vermag ich im Moment nicht zu sagen", erklärt er. "Wenn ich nicht mehr den Willen der Menschen hinter mir weiß, werde ich nicht antreten."

Und Assad gesteht: "Persönliche Fehler Einzelner hat es gegeben. Wir alle machen Fehler. Auch ein Präsident macht Fehler." Man könne nicht einfach sagen "die haben hundert Prozent Schuld und wir null", es gebe "Grautöne". Zum Schluss gibt er zu: "Wir haben doch gar keine andere Option, als an unseren Sieg zu glauben." Sorgen um sich selbst mache er sich jedenfalls nicht, denn: "Würde ich Angst verspüren, hätte ich Syrien schon vor langer Zeit verlassen."

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