Geflohener syrischer Premier Hidschab Assads Regierung zerfällt

Für Syriens Präsident Baschar al-Assad ist die Flucht seines Regierungschefs ein peinlicher Verlust: Riad Hidschab war vor seinem Überlaufen zur Opposition lediglich zwei Monate im Amt. Die Führung in Damaskus bemüht sich um den Eindruck, weiter alles unter Kontrolle zu haben.

Von , Beirut


Es ist eine Peinlichkeit, die das syrische Regime lieber kaschieren möchte. Das hochrangigste Regierungsmitglied Syriens, Premierminister Riad Hidschab, ist mit seiner Familie ins Ausland geflohen. Er soll dem Sender al-Arabija zufolge auf dem Weg von Jordanien nach Katar sein. Und es heißt, auch weitere Minister hätten sich abgesetzt. Nachdem die Opposition verkündete, Hidschab sei desertiert, ließ das syrische Regime verlauten, man habe den Politiker, der erst seit zwei Monaten im Amt war, gefeuert. So soll das Ganze weniger beschämend für Machthaber Baschar al-Assad klingen.

Ähnlich trotzig hatte Damaskus schon nach dem Abgang von Assads Ex-Kumpel Manaf Tlass nach Paris reagiert. Da behauptete das Regime noch wochenlang, Tlass sei mit seiner Familie lediglich vorübergehend nach Frankreich gereist, um sich dort ärztlich behandeln zu lassen. Nach langem Zögern hatte Tlass jedoch öffentlich bestätigt, dem Regime den Rücken gekehrt zu haben. Stillschweigend beerdigte Damaskus die Theorie vom Urlaubsaufenthalt.

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Assads schwindende Machtbasis: Getötet oder geflohen
Hidschabs Flucht ist für Assad ein symbolischer Schlag. Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiges Regierungsmitglied aus Syrien flieht. Bisher waren lediglich Vertreter der zweiten Garde desertiert - ein Vizeölminister, ein Beamter des Verteidigungsministeriums und vier Abgeordnete des Parlaments. Sie erzählten, dass viele Politiker gerne fliehen würden, jedoch die Konsequenzen für ihre Familien fürchteten.

Das Regime verliert zunehmend die Kontrolle

Die Desertion von Hidschab lässt vor allem deshalb aufhorchen, weil es ihm wie zuvor Tlass gelungen ist, seine ganze Familie in Sicherheit zu bringen. Entweder weil er mit korrupten Vertretern des Regimes einen Deal aushandeln konnte. Oder weil es gelang, unbemerkt vom syrischen Bespitzelungsapparat die aufwendige Flucht zu planen. Beide Varianten legen jedoch nahe, dass die Kontrolle von Assads Regime selbst in der Hauptstadt Damaskus alles andere als lückenlos ist.

Am Krieg dürfte die Fahnenflucht von Hidschab allerdings nichts ändern. Syriens Premierminister hat kaum Einfluss. Traditionell sitzen in Regierung und Parlament neben einer Handvoll Technokraten viele Opportunisten. Bis auf wenige Posten wie das Verteidigungsministerium, dem meist ein Militär vorsteht, haben die wenigsten etwas zu sagen - über die Politik entscheidet allein der Präsident.

Lange Zeit war das syrische Regime eines, von dem große Teile der Bevölkerung profitieren konnten - weil großzügig Posten im riesigen Staatsapparat verteilt wurden. Doch unter dem Eindruck der brutalen Gewalt seit Beginn der Aufstände im März 2011 hat das Regime zunehmend Verbündete und Mitläufer verloren. Wer nicht bereit ist, für Assad bis zum Letzten zu kämpfen, scheint die Koffer zu packen. So haben sich in den vergangenen Monaten die ersten Diplomaten abgesetzt, etwa aus Weißrussland, Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch der Geschäftsträger der Botschaft in London, Chalid al-Ajubi, kehrte dem Regime den Rücken.

Teile der Opposition agieren immer radikaler

Jegliche Verbindung zum Regime wird zunehmend lebensgefährlich. Teile der bewaffneten Opposition agieren immer radikaler und ermorden, wen sie für regimetreu halten. Selbst ein Moderator des syrischen Staatsfernsehen wurde vergangene Woche offenbar von Anti-Assad-Milizen ermordet.

Auffällig ist, dass es sich bei fast allen Deserteuren wie auch bei Riad Hidschab um Sunniten handelt - Angehörige der Mehrheitskonfession Syriens. Sie können hoffen, auch in einem Syrien nach Assad einen Platz zu finden. Für Mitglieder der alawitischen Minderheitsgruppe, der auch Assad angehört, scheint dies zunehmend schwieriger.

Alawiten wird von Teilen der Opposition inzwischen pauschal Regimetreue unterstellt, dabei gibt es auch unter den Anti-Assad-Aktivisten der Städte vereinzelt Alawiten. Gleichzeitig stellten Sunniten lange das Gros der unteren Kader in Geheimdienst und Armee. Diese Sichtweise wird auch vom Regime seit Beginn der Aufstände befeuert. Nur so kann es sicher gehen, dass es Verbündete gibt, die bereit sind, bis zum Letzten für Assad zu kämpfen, weil sie bei einer sunnitisch-islamischen Machtübernahme um ihre eigene Existenz bangen würden.

Je länger die Gewalt in Syrien andauert, desto stärker schrumpft der Staatsapparat auf diesen harten Kern zusammen. Der Konflikt in Syrien ist von einem Krieg eines Staatsapparats gegen friedliche Demonstranten und später auch bewaffnete Oppositionelle inzwischen zu einem gnadenlosen und zähem Ringen der Milizen mutiert, in dem ein Ende bisher nicht in Sicht ist.

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roberto.o 06.08.2012
1. optional
Ich kann nur hoffen, das Assad weiter die Kontrolle über die entscheidenen Metropolen und Gebiete hält. Fällt Assad, fällt die komplette Region ins Chaos (Libanon, Jordanien, ...). Assad wird versuchen die Lage zu stabilisieren und dann die Terroristen Stück für Stück zurückzudrängen. Ab einem gewissen Punkt wird es auf einen Patt hinauslaufen: - Westen von Assad kontrolliert (Schutz aller Religionen und Minderheiten) - Osten von islamisch sunnitischen Kämpfern "kontrolliert"; Einführung der Scharia (sämtliche Minderheiten und andere Religionen werden eliminiert)
Hape1 06.08.2012
2. ...
Zitat von sysopREUTERS / SANAFür Syriens Präsident Baschar al-Assad ist die Flucht seines Regierungschefs ein peinlicher Verlust: Riad Hidschab war vor seinem Überlaufen zur Opposition lediglich zwei Monate im Amt. Die Führung in Damaskus bemüht sich um den Eindruck, weiter alles unter Kontrolle zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848498,00.html
Und dazu noch das.... *Die Aufständischen drohten, die übrigen der am Samstag gefangengenommen knapp 50 Geiseln umzubringen, sollten die Regierungstruppen das Feuer nicht einstellen.* Syrien: Rebellen melden Tod iranischer Geiseln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-rebellen-melden-tod-iranischer-geiseln-a-848559.html) ...hier. Die "Aktivisten" drehen jetzt völlig durch. Man kann nur der syrischen Armee viel Erfolg bei der Bekämpfung dieser "Demokraten" wünschen. Und übrigens...das Assad`s Regime zerfällt, hat man schon vor Monaten berichtet. Stimmt`s den diesmal?
demokratischersozialist 06.08.2012
3. zu roberto. o!
Ich kann ihnen nur zustimmen! Sollten die "Rebellen" diesen Buergerkrieg gewinnen, dann wird es ein Gemetzel geben das es bis dahin nur in Kambodsha unter den Roten Khmer gegeben hat! Und dafuer ist dann der Westen verantwortlich, der sich in beschaemender Art und Weise sich die Dienste von islamischen Soeldnern und Al-Khaida Terroristen zu Nutze macht! Lieber Hergott lasse es nicht zu das diese "Banden" in Syrien jemals die Oberhand gewinnen!! Denke an die vielen Christen und die Alewiten diese waeren den Moerderbanden dann hilflos ausgeliefert!!
tomkey 06.08.2012
4. Wendehals
Zitat von sysopREUTERS / SANAFür Syriens Präsident Baschar al-Assad ist die Flucht seines Regierungschefs ein peinlicher Verlust: Riad Hidschab war vor seinem Überlaufen zur Opposition lediglich zwei Monate im Amt. Die Führung in Damaskus bemüht sich um den Eindruck, weiter alles unter Kontrolle zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848498,00.html
Ein feiger Sack! Jetzt, wo es dem Ende entgegen geht, mal schnell die Seiten wechseln! Das kennt man ja aus der Geschichte der Deutschen noch ganz gut.
michaelslo 06.08.2012
5. Angesichts
Zitat von sysopREUTERS / SANAFür Syriens Präsident Baschar al-Assad ist die Flucht seines Regierungschefs ein peinlicher Verlust: Riad Hidschab war vor seinem Überlaufen zur Opposition lediglich zwei Monate im Amt. Die Führung in Damaskus bemüht sich um den Eindruck, weiter alles unter Kontrolle zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848498,00.html
der massiven Sabotageaktionen am souveränen syrischen Staat ist es nicht verwunderlich, dass es solch einen Judas gibt. Vielleicht trifft auf ihn das russ. Srichwort zu " man liebt den Verrat, aber hasst sden Verräter". Diese vom Westen unterstützten Mörderbanden gegen das syrische Volk werden auch ihn nicht verschonen. Dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte.
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