Syrische Flüchtlinge in Jordanien Was vom alten Leben übrig blieb

In Syrien tobt seit fast drei Jahren die Gewalt, jeder Zweite musste sein Zuhause bereits verlassen. Was nimmt man mit, wenn einem sonst nichts mehr bleibt? Dokumente, Fotos, die letzten Habseligkeiten - Flüchtlinge erzählen, was sie retten konnten.
Hanin, fünf Jahre alt: "Wir haben unsere Katze in Syrien gelassen"

Hanin, fünf Jahre alt: "Wir haben unsere Katze in Syrien gelassen"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Nur sein Schuldiplom hat Abdelrahman aus Syrien mitgenommen. Zum Uni-Abschluss fehlte ihm noch ein Semester, dann kam der Krieg dazwischen. Er studierte Geschichte, wollte Lehrer werden. Seit einem Monat lebt der 25-Jährige nun auf einem Acker am Rande der jordanischen Hauptstadt Amman. Zusammen mit seinen zwei Brüdern, zwei Schwestern und der Mutter haust er in einem selbstgebauten Zelt aus Reissäcken.

Um sie herum in den 150 improvisierten Zelten wohnen die alten Nachbarn und Bekannten. Ein komplettes syrisches Dorf siedelte über auf den Acker in Amman. Auch um diese Menschen wird es gehen, wenn sich an diesem Mittwoch die Chefverhandler zur Syrien-Friedenskonferenz in der Schweiz treffen. Rund 6,5 Millionen Syrer sind im Nahen Osten als Flüchtlinge registriert.

Nahezu überall in Jordanien sind sie zu finden, die bunten Flicken-Lager. Die Zelte bestehen aus allem, was die Flüchtlinge auftreiben konnten. Bis ins hinterste Dorf Jordaniens haben sie sich eingemietet in leere Wohnungen. Manche sind bei hilfsbereiten Einheimischen umsonst untergekommen.

Die wenigsten Flüchtlinge leben im Camp

Nur ein kleiner Teil, etwa zehn Prozent, leben in dem Uno-Flüchtlingslager Saatari. Auch wenn die syrischen Flüchtlinge dort umsonst Unterkunft, Essen, Strom und Wasser bekommen, ziehen es 90 Prozent vor, außerhalb des Camps zu leben. Sie wollen selbstbestimmt leben, sind auf der Suche nach Arbeit.

Abdelrahmans Zeltlager liegt gegenüber einer Fabrik, die Gemüse verpackt. Einige der Flüchtlinge, auch Kinder, arbeiten dort. Abdelrahman hat sich den Traum vom Lehrerberuf erfüllt, allerdings unbezahlt. Jeden Tag unterrichtet er zusammen mit seinem Bruder Madsched die 60 Kinder des Lagers zwischen sechs und elf Jahren in allem - Mathe, Arabisch, Biologie, Religion. Die Flüchtlinge haben sich dafür extra ein Schulzelt gebaut.

Wie in Jordanien ist die Situation auch im Libanon und in Teilen der Türkei. Die Belastung für Syriens Nachbarstaaten ist enorm. Im Jahr drei der Gewalt ist halb Syrien auf der Flucht.

SPIEGEL ONLINE stellt Abdelrahman und 17 weitere Syrerinnen und Syrer in Jordanien vor - mit dem für sie wichtigsten persönlichen Gegenstand.

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