Syrische Protesthochburg Aktivisten berichten von "grauenhaftem Massaker"

Die Soldaten von Syriens Diktator Assad sollen die Protesthochburg Homs mit Mörsern beschossen haben. Menschenrechtler sprechen von einem "grausamen Massaker", bei dem mindestens 30 Menschen ums Leben kamen. Unter den Opfern sind demnach auch Kinder.

Syrische Aktivisten veröffentlichten dieses Bild: Es soll Leichen in Homs zeigen (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)
AFP/ LCC Syria

Syrische Aktivisten veröffentlichten dieses Bild: Es soll Leichen in Homs zeigen (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)


Damaskus - Die Armee von Präsident Baschar al-Assad hat nach Berichten von Aktivisten und Bewohnern eine neue Offensive in der zentralsyrischen Protesthochburg Homs gestartet. Die Truppen hätten die Stadt am Donnerstag mit Mörsern beschossen, berichteten jetzt Menschenrechtler und Anwohner.

"Es gab ein grauenhaftes Massaker", sagte der Direktor des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman der Nachrichtenagentur AP. Mindestens 30 Menschen sollen getötet worden sein. Unter den Opfern sollen auch Kleinkinder sein.

In Internet waren Aufnahmen von Aktivisten zu sehen, die in Plastiksäcke gehüllte Körper von Kindern zeigten. Auf einem anderen Video waren Frauen und Kinder mit blutigen Gesichtern und blutiger Kleidung in einem Haus zu sehen, die Echtheit der Aufnahmen konnte nicht geprüft werden.

Pillay fordert Ende der Gewalt

Auch die Unruheprovinz Hama wurde nach Oppositionsangaben von Sicherheitskräften beschossen. Dabei wurden laut der Nachrichtenagentur dpa mindestens 44 Menschen getötet. Unter ihnen seien ebenfalls Frauen und Kinder, teilten Aktivisten mit.

Nach Ansicht der Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kann die syrische Regierung die Gewalt mit einem entsprechenden Befehl sofort beenden. Es seien die Behörden, die Zivilisten töteten, sagte sie am Freitag. Seit März 2011 sind nach Angaben der Uno mindestens 5400 Menschen getötet worden.

Sitzung des Sicherheitsrats

Der Sicherheitsrat der Uno kommt noch am Freitagabend zu einer Sondersitzung wegen Syrien zusammen. Einem westlichen Diplomaten zufolge könnte dabei ein Resolutionsentwurf verteilt werden. Die Europäer im Sicherheitsrat arbeiten seit Tagen gemeinsam mit arabischen Ländern an einer Uno-Resolution zu Syrien.

In einem ersten Entwurf werden alle Staaten aufgerufen - ähnlich wie die Arabische Liga - Wirtschaftssanktionen gegen die syrische Führung zu verhängen. Russland hält an seinem Widerstand gegen eine neue Uno-Resolution gegen Syrien weiterhin fest. Gemeinsam mit China hatte Moskau Anfang Oktober mit seinem Veto eine von den Europäern eingebrachte Syrien-Resolution verhindert.

Der stellvertretende russische Außenminister Gennadi Gatilow sagte, Moskau werde sich einer neuen Resolution gegen Syrien widersetzen, da Bedenken des Kreml darin nicht berücksichtigt worden seien. Der vom Westen und einigen arabischen Staaten ausgearbeitete Entwurf habe die Möglichkeit von Militärinterventionen aus dem Ausland nicht ausgeschlossen, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass den Minister.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte den Uno-Sicherheitsrat auf, eine Resolution anzunehmen, die "die Verbrechen des Regimes verurteilt und sich dafür einsetzt, die Kriminellen zur Verantwortung zu ziehen". Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den Sicherheitsrat zur Einheit auf. "Ich hoffe, dass der Sicherheitsrat zum Handeln in der Lage ist", sagte er in Davos. "Wir müssen diesen Menschen helfen."

Hamas zieht sich langsam aus Syrien zurück

Die radikale Palästinenser-Bewegung Hamas zieht sich nach Darstellung von Diplomaten still und leise aus Syrien zurück. Hamas-Chef Chaled Maschaal halte sich kaum noch am Sitz der Organisation in Damaskus auf, sagte ein Diplomat in der Region am Freitag. In den vergangenen Monaten sei Maschaal nur fünf Tage in Syrien gewesen und habe sich ansonsten in Katar, der Türkei und Ägypten aufgehalten.

In Geheimdienstkreisen hieß es, der Hamas-Chef werde auch nicht mehr nach Syrien zurückkehren. Mit einer offiziellen Erklärung zur Schließung des Hamas-Sitzes sei aber nicht zu rechnen.

Assad gewährt der Hamas wie bereits sein Vater Gastrecht. Grund für den Rückzug Maschaals dürfte nach Ansicht von Experten sein, dass der Hamas-Chef wegen der Gewalt in Syrien keine Gäste mehr in Damaskus empfangen kann. Außerdem seien viele Opfer der Sicherheitskräfte Sunniten der Muslimbruderschaft, auf dessen Unterstützung Maschaal angewiesen ist.

heb/ler/dapd/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
idealist100 27.01.2012
1. Frauen und Kinder
Zitat von sysopDie Soldaten von Syriens Diktator Assad sollen die Protesthochburg Homs mit Mörsern beschossen haben. Menschenrechtler sprechen von einem "grausamen Massaker", bei dem mindestens 30 Menschen ums Leben kamen. Unter den*Opfern sind demnach auch*Kinder. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811823,00.html
Frauen und Kinder waren es auch in Afgh. und der Mörder wurde frei gesprochen. Na sowas gibt es? Ja in der Vorzeige Demokratie.
mr.zoui 27.01.2012
2.
Es erscheint mit absolut unlogisch, daß Soldaten, selbst auf der Jagd nach Deserteuren/Rebellen/Demonstranten/Söldnern, ausgerechnet Mörser einsetzen. Die Wahrscheinlichkeit, die eigentlichen Ziele zu treffen wäre zu gering, die von Kollateralschäden, inklusive der Empörung der Weltöffentlichkeit, zu hoch.
uspae2006 27.01.2012
3. Geschichten
Zitat von sysopDie Soldaten von Syriens Diktator Assad sollen die Protesthochburg Homs mit Mörsern beschossen haben. Menschenrechtler sprechen von einem "grausamen Massaker", bei dem mindestens 30 Menschen ums Leben kamen. Unter den*Opfern sind demnach auch*Kinder. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811823,00.html
Wann hört endlich diese Volksverdummung auf ?
viceman 27.01.2012
4. ich denke, dieser bürgerkriieg
Zitat von sysopDie Soldaten von Syriens Diktator Assad sollen die Protesthochburg Homs mit Mörsern beschossen haben. Menschenrechtler sprechen von einem "grausamen Massaker", bei dem mindestens 30 Menschen ums Leben kamen. Unter den*Opfern sind demnach auch*Kinder. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811823,00.html
wird noch mehr opfer fordern.die rebellen und die regierung schenken sich hinsichtlich mord/totschalg/verbrechen nichts.siehe auch in libyen.eigentlich sind die selben typen die an die "fleischtöpfe" der macht wollen und der türke lauert auch schon an den grenzen. der begriff "massaker" nutzt sich langsam ab , noch dazu, wenn solche leute wie der ex-us-kapo wuterich- verantwortlich für 24 tote irakische zivilisten in haditha ( zus. mit 7 weiteren soldaten, die freigesprochen wurden ) nicht bestraft werden !das war dort ein wahres "massaker" an unbewaffneten zivilistten,frauen , kindern , rollstuhlfahrern! da reichte es zur schlagzeile "us soldat kommt mit degradierung davon" - ist das nicht typisch?
Andr.e 27.01.2012
5.
Zitat von mr.zouiEs erscheint mit absolut unlogisch, daß Soldaten, selbst auf der Jagd nach Deserteuren/Rebellen/Demonstranten/Söldnern, ausgerechnet Mörser einsetzen. Die Wahrscheinlichkeit, die eigentlichen Ziele zu treffen wäre zu gering, die von Kollateralschäden, inklusive der Empörung der Weltöffentlichkeit, zu hoch.
Sie meinen die ausgesperrte Öffentlichkeit? Oder meinen Sie die Öffentlichkeit, die unter dem Deckmantel des Zweifels ihr Urteil schon gefällt hat?
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