Syrische Rebellen-Hochburg Homs Stadt der Kämpfer

Todesmutig trotzen Bürger in Homs den Sicherheitskräften des syrischen Regimes: Die Millionenmetropole ist zur Hauptstadt des Aufstands gegen den Diktator Baschar al-Assad geworden. Genau deshalb fürchten die Bewohner nun einen Großangriff der Armee.

REUTERS

Von , Beirut


In guten Zeiten ist Homs ein Hort syrischer Gemütlichkeit: Die Stadt liegt zwischen fruchtbaren Feldern, Parks und Gärten bieten im Sommer viel Schatten, alte Männer spielen unter Bäumen Backgammon.

Früher war Homs ein kleiner Marktflecken. Vor 850 Jahren kauften die Küchenmägde der Kreuzritter Proviant für die nahe Festung Krak des Chevaliers. Die Einwohner gelten als stur, bauernschlau, erdverbunden. Berühmt sind die etwa eineinhalb Millionen Homser jedoch für ihren Humor: Damit würzen sie jedes Gespräch.

Doch die Zeitläufe meinen es nicht gut mit Homs: Seit nunmehr fast neun Monaten lebt die Stadt unter der Knute der Sicherheitskräfte des syrischen Regimes. Armee, Geheimpolizei und Polizei versuchen hier mit brutaler Gewalt, den Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad zu ersticken. Homs steht im Zentrum ihres Kampfs gegen die landesweite Revolte. Denn während in den anderen beiden Großstädten Syriens, Aleppo und Damaskus, lediglich phasenweise Proteste auftreten, herrscht in Homs seit Monaten offener Aufruhr.

Alles begann am 17. April, als sich Zehntausende auf dem "Freiheitsplatz" versammelten, um im Stil des arabischen Frühlings für die Absetzung des als korrupt bekannten Gouverneurs der Provinz zu demonstrieren. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, weit über 60 Menschen sollen an jenem Tag getötet worden sein. Das harte Vorgehen schweißte die Homser zusammen. "Seit diesem Tag im April gibt es keinen Weg zurück mehr", sagt Moaz al-Sibaai, gebürtiger Homser und im Exil Gründungsmitglied des oppositionellen syrischen Nationalrats. "Die Menschen hier sind stur, und je mehr man sie schlägt, desto weniger werden sie nachgeben."

Folter, Erschießungen und Entführungen

Seit April vergeht kaum ein Tag, an dem sich in Homs nicht Hunderte oder Tausende Bürger zu Demonstrationen gegen Assads Schreckensherrschaft zusammenfinden. Und kaum ein Tag verstreicht, an dem dabei nicht ein, zwei oder auch Dutzende Menschen getötet werden: erschossen von Scharfschützen. Begraben unter den Trümmern ihrer von Panzergranaten getroffenen Häuser. Von Sicherheitsmännern aus den Krankenhäusern der Stadt abgeholt, in den Gefängnissen der Stadt zu Tode gefoltert und in die Gosse geworfen.

Wie dramatisch die Lage in Syrien ist, macht erneut ein Bericht klar, den die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, im Uno-Sicherheitsrat vorlegte. Danach sollen seit Beginn des Aufstands 5000 Zivilisten - Erwachsene wie Kinder - in Syrien getötet worden sein. Viele der Gräueltaten des Regimes scheinen dabei erst nach und nach ans Licht zu kommen: So hat die Uno allein in den letzten zehn Tagen Kenntnis von weiteren 1000 Toten erhalten. "Dies war das schrecklichste Treffen, das wir im Sicherheitsrat in den vergangenen zwei Jahren gehabt haben", sagt der britische Botschafter bei der Uno, Mark Lyall Grant, nachdem er dem Bericht über Folter, Erschießungen und Entführungen gelauscht hatte.

Doch Homs lässt sich nicht unterkriegen, und ist damit Vorbild für viele syrische Städte und Dörfer. In Homs gibt es Nachbarschaften, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, zur Revolution übergelaufene Soldaten zu verstecken. Immer wieder verüben Stadt-Guerillas Anschläge auf die Sicherheitskräfte des Regimes. Seit Sonntag befolgt ein Gutteil der Einwohner von Homs den Aussagen von Aktivisten zufolge einen Aufruf zum Generalstreik, der dem von den internationalen Sanktionen angeschlagenen Regime weiteren Schaden bereiten soll.

Das Regime plant eine regelrechte Invasion der Stadt

Damaskus begegnet den unbeugsamen Homsern mit immer neuer Gewalt. Vor zehn Tagen luden Regimekräfte nach Aktivistenangaben 36 Leichen mit Folterspuren auf einem zentralen Platz der Stadt ab: Ein weiterer Versuch, den Terror ins Herz von Homs zu tragen. Am Wochenende dann warnten Aktivisten, das Regime plane eine regelrechte Invasion der Stadt. In der Umgebung seien Tausende von Soldaten und linientreue Milizionäre zusammengezogen worden. "Das Regime bereitet das Feld, ein Massaker zu begehen und so die Revolution in Homs zu ersticken", warnte der syrische Nationalrat mit Sitz in Istanbul.

Dass das erwartete Massaker vorerst ausblieb, schreiben Aktivisten in Homs einem gelungenen taktischen Manöver ihrerseits zu: "Indem wir das Medieninteresse wecken konnten, haben wir Assad einen Strich durch die Rechnung gemacht" sagte Imad, ein Aktivist in Homs, am Telefon SPIEGEL ONLINE. So lange die Weltpresse auf Homs schaue, könne sich das Regime einen Großangriff nicht leisten.

Doch nun wächst die Sorge erneut, dass die Sicherheitskräfte des Regimes Homs überrennen könnten. Unbekannte haben einen Anschlag auf eine Gas-Pipeline verübt, die sich nahe Homs durchs Land schlängelt. Augenzeugen berichteten von einer Explosion und von Flammen, die hoch in den Nachthimmel schlugen. Es war der zweite Anschlag auf die Pipeline innerhalb einer Woche. Die Aufständischen in Homs befürchten, das Regime könne diese Attacken als Vorwand dafür angeben, das angebliche "Terroristennest" Homs auszuräuchern. Die Einwohner der Stadt wissen, was ihnen dann blühen könnte: "Dasselbe wie Hama in den achtziger Jahren", sagt Sibai vom syrischen Nationalrat. 1982 ließ der Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad einen Aufstand gegen sein Regime in dem unweit von Homs gelegenen Hama mit größtmöglicher Gewalt niederschlagen. Bis zu 20.000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die aufständischen Syrer wissen um den Horror von Hama, er treibt sie an, weiterzumachen. "Die Homser wissen: Wenn sie aufhören, blüht ihnen dasselbe wie ihren Nachbarn damals", so Sibaai aus dem Exil.

Imad, der in Homs ausharrt, wird ganz still, wenn man ihn auf Hama anspricht. "Wir leben in Angst davor", sagt der 28-Jährige. "Wir können nur beten, dass das nicht passiert."

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
uspae2006 14.12.2011
1. Schwindler
Zitat von sysopTodesmutig trotzen Bürger in*Homs den Sicherheitskräften des syrischen Regimes: Die Millionen-Metropole*ist*zur Hauptstadt des Aufstands gegen den Diktator Baschar al-Assad geworden. Genau deshalb fürchten die*Bewohner nun einen Großangriff der Armee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803502,00.html
Todemutige freiheitsliebende Demokraten, oder gesteuerte , bezahlte Dessateure und Stammeskrieger ? Hört doch endlich auf zu schwindeln.
mr_smith 14.12.2011
2. Achtung - Täuschung voraus?
Zitat von sysopTodesmutig trotzen Bürger in*Homs den Sicherheitskräften des syrischen Regimes: Die Millionen-Metropole*ist*zur Hauptstadt des Aufstands gegen den Diktator Baschar al-Assad geworden. Genau deshalb fürchten die*Bewohner nun einen Großangriff der Armee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803502,00.html
Witzig finde ich, dass die Autorin des Berichts gar nicht in Homs ist! Sondern irgendwo in Beirut wharscheinlich am Hotel Pool der Journalisten und darüber berichtet. Von dort aus telefoniert Sie mit den mutigen Freiheitskämpfern aus Homs. Wie lange ? 5 Minuten, 10 Minuten? Und dann sollen wir alles so glauben oder geht es nur um die Clicks für SPON?;)
flower power 14.12.2011
3. Es möge
lieber so bleiben in Syrien. Denn die Revolutionen in Ägypten, in Tunesien und in Libyen haben doch gar nichts gebracht. Die wollen doch führer, nun haben sie doch schon einen. Ist doch egal woher der kommt, Führer ist Führer.
rroth 14.12.2011
4.
Zitat von mr_smithWitzig finde ich, dass die Autorin des Berichts gar nicht in Homs ist! Sondern irgendwo in Beirut wharscheinlich am Hotel Pool der Journalisten und darüber berichtet. Von dort aus telefoniert Sie mit den mutigen Freiheitskämpfern aus Homs. Wie lange ? 5 Minuten, 10 Minuten? Und dann sollen wir alles so glauben oder geht es nur um die Clicks für SPON?;)
Wie sollte man sonst an Informationen kommen? Syrisches TV schauen? Ein Gespräch ist immer noch der einfachste Weg.
waldiwachhund 14.12.2011
5. Kriegsbereitschaft soll erzeugt werden
Zitat von sysopTodesmutig trotzen Bürger in*Homs den Sicherheitskräften des syrischen Regimes: Die Millionen-Metropole*ist*zur Hauptstadt des Aufstands gegen den Diktator Baschar al-Assad geworden. Genau deshalb fürchten die*Bewohner nun einen Großangriff der Armee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803502,00.html
Wie der eine Kommentator unten sagt: "Die Alte sitzt in Beirut und ....!" Irgendwie vergessen die Medien, dass auch ein paar Normalbürger Quellen haben oder die Gegend sehr gut kennen und schnell merken, wie sie belogen werden! Aber wen interessiert es schon, wenn das letzte säkulare System Arabiens verschwindet, zerbombt und ruiniert den Islamisten zum Fraß vorgeworfen wird. Die Christen können ja hierher kommen! Besonders delikat wird es, wenn die "Öffentlich-Rechtlichen" Filmsequenzen aus Irakkriegsfilmen als Berichterstattung verkaufen!
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