Übergelaufener syrischer Botschafter "Ich kämpfe jetzt für die Revolution"

Der syrische Botschafter im Irak hat sich von Präsident Assad losgesagt - und erklärt per Videobotschaft sein Überlaufen zu den Rebellen: Seine Loyalität gelte dem Volk, nicht einem "Diktator, der seine Leute tötet". Der Westen stellt dem Regime in Damaskus ein neues Ultimatum.


Istanbul/New York - Der syrische Botschafter im Irak, der sich am Mittwoch vom Regime lossagte, hat nun in einer Videobotschaft erklärt, dass er aus Protest gegen Präsident Baschar al-Assad zu den Aufständischen übergelaufen sei. "Ich erkläre hiermit, dass ich mich der Revolution des syrischen Volkes angeschlossen habe", sagte Nawaf al-Fares in einem aufgezeichneten Video, das auf das soziale Netzwerk Facebook hochgeladen und in der Nacht zum Donnerstag vom Fernsehsender al-Dschasira ausgestrahlt wurde.

Fares rief darin die Soldaten Assads auf, ebenfalls mit dem Regime zu brechen und die Bevölkerung zu schützen. "Ich rufe alle würdigen und freien Menschen in Syrien, vor allem die Soldaten, auf, sich ebenfalls umgehend der Revolution anzuschließen", sagte er. "Richtet eure Kanonen und Panzer auf die Kriminellen dieses Regimes."

Fares erklärte das Ende seiner diplomatischen Mission und seinen Austritt aus der in Syrien regierenden Baath-Partei. "Die Loyalität muss dem Volk gelten, nicht einem Diktator, der seine Leute tötet."

Bislang ist unbekannt, wann und wo das Video aufgezeichnet wurde. Ein Mitglied des Syrischen Nationalrats sagte am Mittwoch unter Berufung auf Informanten im Irak, Fares sei auf dem Weg in die Türkei. Fares, der enge Verbindungen zum staatlichen Sicherheitssystem Syriens hatte, ist der erste ranghohe Diplomat, der sich von der Führung um Assad lossagt.

In der vergangenen Woche hatte Frankreich mitgeteilt, dass der syrische Brigadegeneral Manaf Tlass desertiert sei. Er war bis dahin der ranghöchste Vertreter, der dem syrischen Regime den Rücken kehrte - lange hatte er als enger Freund Assads gegolten. Zuvor waren bereits Tausende rangniedere Soldaten desertiert und hatten sich den Rebellen angeschlossen.

Westen stellt neues Ultimatum

Der Westen hat unterdessen einen neuen Anlauf für Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus genommen. Unmittelbar nach einer Unterredung mit dem Sondergesandten Kofi Annan haben die westlichen Länder im Uno-Sicherheitsrat einen Entwurf vorgelegt, der Strafmaßnahmen möglich machen soll. Allerdings hatte Russland schon deutlich gemacht, keine Sanktionen dulden zu wollen.

Der Entwurf trägt die Handschrift Großbritanniens, Frankreichs, der USA, Portugals und auch Deutschlands. Er fordert ein Ende der Gewalt und den Rückzug von Truppen und schweren Waffen aus Wohngebieten. Sollte die syrische Regierung dem nicht innerhalb von zehn Tagen nachkommen, "sollen sofortige Maßnahmen nach Artikel 41 der Uno-Charta folgen". Artikel 41 lässt nichtmilitärische Strafmaßnahmen wie Wirtschaftssanktionen und eine Einschränkung des Reise-, Güter und Nachrichtenverkehrs zu. Der Entwurf erwähnt ausdrücklich nur diesen Artikel 41 - militärische Optionen finden sich in Artikel 42.

Annan mahnte in seiner Rede vor dem Sicherheitsrat zu "nachhaltigem Druck auf alle Konfliktparteien". Er sagte, Assad habe einen Vermittler benannt, der mit der Opposition sprechen solle. "Er hat aber keinen Namen genannt", so Annan.

fab/dapd/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
kabian 12.07.2012
1. Gebt dem Mann eine Waffe
und schickt ihn nach Syrien, damit er für die Revolution kämpfen kann. Sollte er es überleben, hat er sich einen Schreibtischjob verdient.
restauradores 12.07.2012
2. Ich wechsle dann mal die Seiten!
Zitat von sysopREUTERSDer syrische Botschafter im Irak hat sich von Präsident Assad losgesagt - und erklärt per Videobotschaft sein Überlaufen zu den Rebellen: Seine Loyalität gelte dem Volk, nicht einem "Diktator, der seine Leute tötet". Der Westen stellt dem Regime in Damaskus ein neues Ultimatum. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843942,00.html
Ob das glaubwürdig ist, nach Monaten, Jahren des Krieges, der Unterdrückung Assads gegen die Bevölkerung und Vertreter dieses Diktators? Besser späte Einsicht als nie! Hier anwendbar?
Andrycha 12.07.2012
3. Interessant...
warum nur Standbild? Wenn die Rebellen doch solch eine Wichtige Person für ihre Zwecke gewonnen haben.
denkmalnach2 12.07.2012
4. Druck auf ALLE!
Warum wohl möchte der Westen nicht begreifen, dass es sich in Syrien um einen handfesten Bürgerkrieg handelt? Wer gießt den da Öl ins Feuer? Es sind doch die USA Türkei, die die Rebellen bewaffnen. Und es sind die Rebellen, die an keiner Verhandlungslösung interessiert sind und sich zum Ziel gesetzt haben, Assad mit Waffengewalt zu töten. Ich bin es satt, dass ständig hier subtil vermittelt wird, der böse Assad schießt auf die friedlilch demonstrierende Bevölkerung. Herr Annan hat wohl nicht umsonst gesagt, es muss Druck auf ALLE Konfliktparteien gemacht werden. Und noch zuletzt: Was ist eigentlich mit dem Bürgerkrieg in Mali? Warum tut der selbsternannte Weltpolizist USA denn da keinen Druck machen? Achso, da geht es ja nur um ein paar UNESCO-Denkmäler, nicht um handfeste Interessen....
ewspapst 12.07.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSDer syrische Botschafter im Irak hat sich von Präsident Assad losgesagt - und erklärt per Videobotschaft sein Überlaufen zu den Rebellen: Seine Loyalität gelte dem Volk, nicht einem "Diktator, der seine Leute tötet". Der Westen stellt dem Regime in Damaskus ein neues Ultimatum. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843942,00.html
Mal eine kleine Frage: Was ist eigentlich mit dem russischen Resolutionsentwurf geschehen? Von dem hört man gar nichts in den wichtigen Medien.
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