Flucht nach Jordanien Syrischer General soll sich abgesetzt haben

Ein Kommandeur der syrischen Armee hat sich offenbar nach Jordanien abgesetzt, nachdem Rebellen ihn als Volksfeind bezeichnet hatten. Laut einem Zeitungsbericht soll Assads Geheimdienst gezielt Flüchtlingslager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei unterwandern.


Damaskus - General Mohammed Mussa al-Chairat, Kommandeur der 7. Division der syrischen Armee, soll nach Jordanien geflohen sein. Jordanische Medien meldeten, der General habe am Samstag die Grenze überquert.

Der Name des Kommandeurs war im vergangenen Januar auf einer Liste aufgetaucht, die das Koordinationskomitee der Syrischen Revolution in der Stadt Dschasim verbreitetet hatte. Darauf waren all jene Militärs verzeichnet, die dem Komitee zufolge an der gewaltsamen Unterdrückung der Protestbewegung in ihrer Stadt beteiligt waren.

Auch der Leiter einer Uno-Beobachter-Gruppe, welche die Einhaltung eines Waffenstillstandes überwachen sollte, soll inzwischen das Land verlassen haben. Generalleutnant Babacar Gaye sei am Samstag aus Damaskus in den Libanon abgereist, hieß es.

Gemäß einer Resolution des Sicherheitsrates vom April waren insgesamt 300 Beobachter in das Land entsandt worden. Die Uno-Mission war im Juni angesichts der wachsenden Gewalt und Verletzungen des Waffenstillstandes ausgesetzt worden.

Gaye hatte noch vergangene Woche sowohl der syrischen Armee als auch den Rebellen vorgeworfen, dass sie ihrer Verpflichtung, Zivilisten in den eskalierenden Kämpfen zu schützen, nicht nachkommen würden.

Der internationale Syrien-Vermittler Kofi Annan hatte nach erfolglosen Bemühungen um eine Waffenruhe Anfang des Monats sein Amt zur Verfügung gestellt. Er hatte unter anderem eine mangelnde Unterstützung des in der Syrien-Frage zutiefst zerstrittenen Uno-Sicherheitsrats beklagt. Annans Mandat endet am 31. August, Nachfolger ist der 78-jährige ehemalige algerische Außenminister Lakhdar Brahimi.

Im Gespräch mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich Brahimi am Freitag in New York geehrt aber auch "berührt und erschrocken" angesichts der immensen Aufgabe. Brahimi war wegen seines Nicht-Aufrufs zum Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad von dessen Gegnern kritisiert worden. Ban bezeichnete es als Brahimis wesentliche Aufgabe, für "Frieden, Stabilität und Menschenrechte" in Syrien zu sorgen.

Der stellvertretende syrische Außenminister Faysal Mekdad will mit Brahimi zusammenarbeiten, um "möglichst schnell" zu einem "nationalen Dialog" zu kommen. Brahimi traf mit dem französischen Uno-Botschafter Gérard Araud zusammen, dessen Land im August den Vorsitz des Uno-Sicherheitsrats innehat. Araud und Brahimi vereinbarten, in Kürze ein Treffen zwischen dem Syrien-Sondergesandten und den Vertretern der 15 Mitgliedsstaaten des Uno-Sicherheitsrats abzuhalten.

Iran steht zu Syrien

Die Regierung in Teheran betrachtet einem hochrangigen Geheimdienstvertreter zufolge seine Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als Ehrensache. "Wir stehen alle in der Pflicht, Syrien zu helfen und einen Zusammenbruch der Widerstandslinie zu verhindern", sagte der Geheimdienstchef der Revolutionären Garden, Hossein Taeb, laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Fars vom Samstag.

Teheran hat sich hinter Assad gestellt, der wegen der Niederschlagung des Volksaufstands international isoliert ist. Der Iran betrachtet Syrien als Teil einer anti-westlichen Allianz, zu der auch die Hisbollah im Libanon zählt. Der Iran wirft zudem der Türkei und Katar vor, die Rebellen in ihrem Ziel eines Assad-Sturzes zu unterstützen. Der Nachrichtenagentur Irna zufolge will der Iran in Kürze Abgeordnete nach Syrien schicken, um die Beziehungen zu stärken.

Syrische Flüchtlinge in Gefahr

Vor den Nachstellungen des Regimes und seiner Unterstützer sind die syrischen Flüchtlinge auch in den Nachbarländern nicht immer sicher. In einem von syrischen Flüchtlingen bewohnten Lager im libanesischen Bezirk Akkar setzte ein Unbekannter elf Zelte in Brand. Wie die staatlichen Medien in der Nacht zum Samstag meldeten, wurde niemand verletzt.

Die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" berichtet am Samstag, dass im jordanischen Flüchtlingslager Al-Saatari 21 mutmaßliche Mitglieder eines Netzwerks des syrischen Geheimdienstes festgenommen worden seien.

Viele der Flüchtlinge, die mit dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad sympathisieren, sind überzeugt, dass der syrische Geheimdienst seine Agenten in die Lager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei eingeschleust hat. Nach der Festnahme werde auch der Fall eines Lagerbewohners, der Anfang der Woche durch einen Brand in seinem Zelt ums Leben gekommen war, neu aufgerollt, hieß es.

Leiche von japanischer Journalistin in die Heimat überführt

Ebenfalls am Samstag wurde die Leiche der beim Bürgerkrieg in Syrien getöteten japanischen Journalistin Mika Yamamoto in ihr Heimatland überführt. Yamamoto und ihre Kollegin Kazutaka Sato waren am Montag mit der oppositionellen Freien Syrischen Armee in der Wirtschaftsmetropole Aleppo im Nordwesten Syrien unterwegs, als die 45-jährige Journalistin im Kugelhagel von Rebellen und Regierungstruppen tödlich verletzt wurde.

ala/dpa/dapd/Reuters

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noahg 25.08.2012
1. die Ratten verlassen das sinkende Schiff
ich finde solche Leute, wie dieser Herr General sollten schnellstmöglich festgenommen und vor Gericht gstellt werden. Monate lang organisiert er und seine Männer die Nierderschlagung des Aufstandes und als er merkt dass es enger wird flieht er und will wohl mit der ganzen Sache nichts zu tun haben...vor Assad habe ich eher Respekt als vor diesen Ratten, die das sinkende Schiff zu spät verlassen wollen
robert.haube 25.08.2012
2. Seltsame Logik
Wenn also neben Iran auch u.a. Rußland und China ....usw. die syrische Regierung unterstützen, so sieht der Spon-Artikel "Assad international isoliert" ? Wie ist es dann erst, wenn in den nächsten Tagen die große Konferenz der Blockfreien Länder in Teheran zusammenkommt und eine Resolution gegen ausländische Einmischung in den syrischen Konflikt verabschieden wird ? Welche Steigerung der "Isolation Assads" kann uns dann noch präsentiert werden ?
topodoro 25.08.2012
3. Auch Indien lehnt jeglichen Einsatz ausländischer Truppen in Syrien strikt ab.
Zitat von robert.haubeWenn also neben Iran auch u.a. Rußland und China ....usw. die syrische Regierung unterstützen, so sieht der Spon-Artikel "Assad international isoliert" ? Wie ist es dann erst, wenn in den nächsten Tagen die große Konferenz der Blockfreien Länder in Teheran zusammenkommt und eine Resolution gegen ausländische Einmischung in den syrischen Konflikt verabschieden wird ? Welche Steigerung der "Isolation Assads" kann uns dann noch präsentiert werden ?
Der indische Aussenminister, Ranjan Mathai, sagte, Indien unterstützt weiter den Kofi Annan Plan. Er sagte das anlässlich der Vorbereitungen des 16. Treffens der Blockfreien Staaten in Teheran. In Aleppo legte die syrische Armee den abziehenden FSA "Aktivisten" einen Hinterhalt und zerstörte weitere 7 Pick-ups mit den Dushka Maschinengewehren und einen Bus der "Aktivisten" abholen sollte. Weiterhin aber gibt es Kämpfe in der Nähe des Kulturcenters.
widerspruchsgeist 25.08.2012
4. Eigentlich
kann das nur dreierlei bedeuten: 1. Der sich absetzende General hat die Seiten nicht gewechselt, sonst würde er von den Aufstänischen nicht angegriffen. 2. Der General fürchtet um seine persönliche Sicherheit, sonst hätte er sich nicht absetzen müssen. 3. Der General hat wie jeder ranghohe militärische Insider viel mehr Einblick in die militärische Lage - und vor allem die von ihm erwartete künftige Entwicklung - als jeder Ex-terne => er schätzt diese als für Assad nicht positiv ein, sonst hätte er die Annehmlichkeiten seiner bislang sehr privilegierten Stellung nicht aufgegeben.
ziegenzuechter 25.08.2012
5. interessanter artikel
Zitat von sysopREUTERSEin Kommandeur der syrischen Armee hat sich offenbar nach Jordanien abgesetzt, nachdem Rebellen ihn als Volksfeind bezeichnet hatten. Laut einem Zeitungsbericht soll Assads Geheimdienst gezielt Flüchtlingslager im Libanon, in Jordanien und in der Türkei unterwandern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852044,00.html
es hat sich also ein kompletter general nach jordanien abgesetzt...na dann.. das ist def. der letzte beweis der noch fehlte, dass das "regime" am ende ist....^^
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