Bürgerkrieg Syrisches Regime greift weiter Zivilisten an

Assads Truppen haben ihre Luftangriffe auf dicht besiedelte Gebiete fortgesetzt. Nach einem Uno-Bericht sind 12 von 14 Provinzen des Landes betroffen. Internationale Mediziner fordern die Kriegsparteien auf, Krankenhäuser zu verschonen.
Rebellen in Aleppo: Nur noch 36 Ärzte in der Stadt

Rebellen in Aleppo: Nur noch 36 Ärzte in der Stadt

Foto: STRINGER/ REUTERS

Damaskus/Genf - Das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad attackiert weiter Städte und Dörfer mit seiner Luftwaffe und Artillerie. In 12 der 14 Provinzen Syriens seien derartige verbrecherische Angriffe auf Zivilisten registriert worden, erklärte die vom Uno-Menschenrechtsrat berufene Unabhängige Untersuchungskommission für Syrien in Genf. "Die meisten Opfer gibt es durch illegale Angriffe mit konventionellen Waffen", sagte der Leiter der Expertengruppe, der brasilianische Diplomat Paulo Sergio Pinheiro. Auch die besonders folgenschwere Streumunition werde immer wieder eingesetzt.

Die Kommission warf dem Regime vor, Verwundeten und Kranken aus den von Rebellen kontrollierten Gebieten systematisch den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verweigern. Doch nicht nur Assads Soldaten, auch extremistische Gruppen unter den Rebellen würden Krankenstationen und Mediziner attackieren.

"Angriffe zerstören das Gesundheitssystem völlig"

Jetzt hat eine Gruppe namhafter internationaler Mediziner die Konfliktparteien aufgefordert, Krankenhäuser bei den Angriffen zu verschonen und den Ärzten Zugang zu den Opfern zu gewährleisten. "Wir rufen die syrische Regierung und alle bewaffneten Parteien auf, von Attacken auf Krankenhäuser, Rettungswagen, Versorgungszentren, Gesundheitspersonal und Patienten abzusehen", hieß es in einem offenen Brief , den die 50 Mediziner in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten. Die "systematischen Angriffe" zerstörten das syrische Gesundheitssystem völlig, hieß es weiter.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehörten auch die frühere Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Gro Harlem Brundtland, sowie mehrere Nobelpreisträger, darunter der deutsche Mediziner Harald zur Hausen. In ihrem Brief kritisierte die Gruppe die "gezielten und systematischen" Angriffe beider Seiten als "skrupellosen Verrat am Prinzip der medizinischen Neutralität".

Im syrischen Bürgerkrieg seien bereits 37 Prozent der Krankenhäuser komplett zerstört und 20 Prozent beschädigt worden. Von den 5000 Medizinern, die es einmal in der Stadt Aleppo gab - einem der Brennpunkte des Konflikts - seien nur noch 36 übrig.

hmo/dpa/Reuters