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Wahl in Griechenland Linksbündnis Syriza knapp vor absoluter Mehrheit

In Griechenland sind 95 Prozent der Stimmzettel ausgezählt. Das Ergebnis bestätigt die ersten Prognosen: Das Linksbündnis Syriza von Alexis Tsipras geht als klarer Sieger aus den Wahlen hervor - verfehlt aber knapp die absolute Mehrheit.

Athen - Das Linksbündnis Syriza hat einen klaren Sieg in Griechenland eingefahren, aber die absolute Mehrheit verfehlt. Dies meldete das griechische Innenministerium am frühen Montagmorgen.

Nach Auszählung von knapp 95 Prozent der Stimmzettel kommt Syriza auf 149 oder höchstens 150 der 300 Sitze im Parlament. Damit hat das Bündnis die absolute Mehrheit im Parlament knapp verfehlt, dafür sind mindestens 151 Sitze nötig.

Der Vorsprung zur bisherigen Regierungspartei ist deutlich: Das Bündnis von Alexis Tsipras kommt auf rund 36 Prozent der Stimmen. Die bislang regierenden Konservativen von der Partei Neue Demokratie liegen bei knapp 28 Prozent und werden 76 Sitze im Parlament haben.

"Wir haben heute Geschichte geschrieben", sagte Tsipras am späten Abend vor Tausenden jubelnden Wählern seiner Partei im Zentrum Athens. Gleichzeitig aber signalsierte er seine Bereitschaft, über die Lösung des Problems des griechischen Schuldenberges zu verhandeln. "Ab morgen beginnt die harte Arbeit", sagte Tsipras. Seine Regierung sei bereit, mit den Partnern in der EU über eine "gerechte und praktikable Lösung" zu sprechen. Als Ziele nannte er einen ausgeglichenen Haushalt und ein eigenes Konsolidierungsprogramm für das hoch verschuldete Land.

Der bisherige Ministerpräsident Antonis Samaras gestand seine Niederlage am Abend ein. Er habe Tsipras nach der Bekanntgabe erster Hochrechnungen angerufen und ihm zum Wahlsieg gratuliert, teilte Tsipras' Büro der Nachrichtenagentur AFP mit. Tsipras habe geantwortet, in der Politik gebe es "Freude und Sorgen".

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Neues Parlament: Linksruck in Griechenland

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Im griechischen Fernsehen erklärte Samaras: "Das griechische Volk hat gesprochen" und dies "respektiere" er. Er habe 2012 ein Land am Rande der Katastrophe übernommen und es geschafft, es durch die schwierigste Krise seiner jüngsten Geschichte zu führen. "Es gab auch Fehler", räumte er ein. "Ich übergebe heute ein Land ohne Defizite, das Mitglied der EU ist", fügte Samaras hinzu.

"Wir haben verloren", hatte Gesundheitsminister Makis Voridis dem Sender Mega TV bereits kurz nach der Wahl erklärt. "Das Ausmaß der Ergebnisse ist noch nicht klar." Der Sprecher der konservativen Partei Neue Demokratie sagte weiter, der Sparkurs der Regierung sei sinnvoll gewesen, er sei jedoch abgebrochen worden, bevor er hätte Früchte tragen können.

Als erste Reaktion haben die Sozialdemokraten im Europaparlament Tsipras aufgefordert, eine proeuropäische Koalition zu bilden. Die Neuverhandlung der hohen griechischen Staatsschulden sollte kein Tabu mehr sein, erklärte der Fraktionsvorsitzende Gianni Pittella in Brüssel. "Die Griechen haben sich deutlich dafür entschieden, mit dem harten Sparkurs zu brechen", so der italienische Sozialdemokrat.

Der Vorsitzende der Unionsgruppe in der europäischen Volksvertretung, Herbert Reul, wandte ein, ein weiterer Schuldenschnitt sei undenkbar. "Griechenland muss den Reformkurs weiterführen, wenn es kein Ausscheiden aus der Währungsunion riskieren will", so der CDU-Politiker.

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vek/ler/vet/dpa
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