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"Tag des Abgangs" im Liveticker Demos, Diplomatie und ein toter Fotograf

Barack Obama fordert einen raschen Machtransfer, Mohamed ElBaradei hält sich eine Präsidentschaftskandidatur offen, Zigtausende demonstrieren friedlich - aber ein Bildreporter stirbt an seinen Schussverletzungen. Mehr über diese und andere Ereignisse des Freitags in Ägypten im Minutenprotokoll.

+++ Stiller Protest in der Nacht +++

[23.55 Uhr] "Es ist außergewöhnlich ruhig", sagt ein Al-Dschasira-Reporter. Tausende Menschen halten sich noch auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf, aber es scheint eine ruhige und friedliche Protestnacht zu werden. Die Armee hat ihre Panzer zurückgezogen und die Schlägertrupps sind in der Dunkelheit verschwunden. Heute Nacht lief das Ultimatum der Opposition für einen Rücktritt Mubaraks ab - aus dem "Tag des Abgangs" wurde ein Tag des eher friedlichen und diplomatischen Protests.

+++ Amnesty-Mitarbeiter freigelassen? +++

[23.33 Uhr] Gute Nachricht oder Gerücht? Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat laut BBC offenbar via Twitter mitgeteilt: "Amnesty-Mitarbeiter und andere Ausländer wurden in Kairo freigelassen und können in ihre Hotels zurückkehren!" Weitere Details gibt es noch nicht. Laut Amnesty wurden am Donnerstag zwei Mitarbeiter in nichtgekennzeichneten Fahrzeugen weggebracht, nachdem das Büro einer Menschenrechtsorganisation in Kairo gestürmt worden war.

+++ Tausende Demonstranten erheben ihre Stimmen - und singen +++

[23.13 Uhr] Friedlicher kann man wohl kaum protestieren. Statt mit Gewalt versuchen es die Regimegegner mit Gesang. Ein YouTube-Video zeigt den Tahrir-Platz in der Dunkelheit, er ist voll von Menschen, sie schwenken Fahnen und singen: "Lass Mubarak unsere Stimmen hören. Wir alle fordern nur eine Sache: Geh, geh, geh, tritt ab, Husni Mubarak, tritt ab. Er muss weg, wir gehen nicht …" Es ist nicht klar, ob das Video aktuell ist. Auf jeden Fall gehen die Proteste in der Nacht zum Samstag bis jetzt größtenteils friedlich weiter. Tausende harren nach dem elften Protesttag auf dem Tahrir-Platz in Kairo aus und auch in Alexandria missachten die Demonstranten erneut die Ausgangssperre.

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+++ "Die Chance, dass Mubarak heute gehen würde, lag bei 50:50" +++

[22.50 Uhr] Der angesehene Nahost-Blogger Marc Lynch lässt seiner Enttäuschung über den von Regimegegnern erhofften "Tag des Abgangs" per Twitter freien Lauf: "Es gab berechtigte Gründe zu glauben, dass die Chance für einen Rücktritt Mubaraks heute bei mindestens 50:50 lag - aber es sieht nicht mehr danach aus. Es muss mehr getan werden", zitiert der Guardian den Blogger.

+++ Erster toter Journalist in Ägypten +++

[22.27 Uhr] Die Gewalt richtet sich immer mehr auch gegen Journalisten, die in Ägypten arbeiten und von den Unruhen berichten. Jetzt ist ein ägyptischer Reporter an den Folgen einer Schussverletzung gestorben. Der 36-jährige Fotograf Ahmed Mohammed Mahmud wurde Anfang der Woche während der Straßenschlachten in Kairo schwer verletzt. Laut einem Bericht der amtlichen Zeitung "Al Ahram" nahm er vom Balkon seines Hauses - unweit des Tahrir-Platzes - Bilder von den Kämpfen unten auf den Straßen auf, als er von einem Heckenschützen getroffen wurde. Mahmud arbeitete für die Zeitung "Al Taawun", er ist der erste Journalist, der während der Unruhen in Ägypten ums Leben kam.

+++ Griechischer Ministerpräsident will nach Kairo reisen +++

[22.05 Uhr] Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou will seinem Nachbarn Ägypten einen Besuch abstatten. Er habe mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak und mit Vizepräsident Omar Suleiman sowie mit US-Außenministern Hillary Clinton gesprochen. "Ich werde wahrscheinlich am Sonntag nach Kairo fahren", sagte Papandreou am Freitagabend nach dem EU-Gipfel in Brüssel. Seine EU-Kollegen seien mit den Reiseplänen einverstanden. Papandreou sagte, er unterstütze die Wünsche der Bürger und vor allem der Jugend Ägyptens. "Ich werde auch eine Nachricht an Präsident Mubarak übermitteln", sagte Papandreou. Details wollte er aber noch nicht nennen.

+++ Brief an Hillary Clinton: "Retten Sie die Tiere!" +++

[21.55 Uhr] Rund 2400 Amerikaner wurden vom US-Außenministerium aus Ägypten ausgeflogen - doch was passiert mit den zurückgelassenen Haustieren? Die amerikanische Tierschutzvereinigung PETA hat aufgrund dieser Sorge das Außenministerium in Washington aufgefordert, sich um die Hunde und Katzen geflohener US-Bürger in Ägypten zu kümmern. Das Ministerium habe sich bislang geweigert, so PETA.

+++ US-Präsident Obama: Die Zeit für einen politischen Wechsel ist jetzt +++

[21:40 Uhr] Seine Rede wurde mit Spannung erwartet. US-Präsident Barack Obama drängte darin zu schnellen Reformen: "Der Übergangsprozess in der ägyptischen Regierung beginnt jetzt." Die Zukunft Ägyptens solle von dem ägyptischen Volk entschieden werden. Zu Details des Machtwechsels wollte sich Obama allerdings nicht äußern - das sei Sache der Ägypter selbst, so der Präsident. Obama rief außerdem zu Gewaltverzicht auf: Die Gewalt gegen Menschenrechtler, Journalisten und friedliche Demonstranten verletze Menschenrechte und internationale Normen.

+++ Ausgangssperren sollen verkürzt werden +++

[21.25 Uhr] Die Ausgangssperren sollen laut dem ägyptischen Staatsfernsehen verkürzt werden: Ab Samstag sollen sie noch von 19 Uhr bis 6 Uhr morgens gelten - nicht mehr wie bislang von 17 Uhr bis 7 Uhr morgens. Doch die staatlichen Vorgaben sind den Demonstranten eh egal: Noch immer harren Tausende Regimegegner auf Kairos zentralem Tahrir-Platz aus und schwenken Fahnen.

Fotostrecke

Proteste am Freitag: Massen auf Kairos Straßen

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

+++ Regierungspartei ruft Anhänger zu Gewaltverzicht auf +++

[20.37 Uhr] Es ist ein Appell an die Vernunft: Die regierende Nationaldemokratische Partei in Ägypten hat ihre Anhänger zu einem Gewaltverzicht aufgerufen. Über staatliche Medien verbreitete sie die mahnenden Worte an ihre Gefolgsleute, "sich an den Waffenstillstand zu halten und keine Konfrontationen mit anderen zu suchen". Zugleich wies die Partei die Vorwürfe zurück, sie stecke hinter den brutalen Angriffen auf die Regierungsgegner vom Mittwoch auf dem Tahrir-Platz.

+++ Schafik schließt vorzeitigen Mubarak-Rückzug aus +++

[20.26 Uhr] Ein schneller Machtwechsel in Ägypten kommt nach Auffassung des ägyptischen Regierungschefs Ahmed Schafik nicht in Frage: Schafik hat eine Übergabe der Macht von Präsident Husni Mubarak an dessen Stellvertreter Omar Suleiman ausgeschlossen. Mubarak sei "eine Art Garant für die Stabilität" Ägyptens, sagte Schafik dem arabischen Fernsehsender al-Arabija. Ein vorzeitiger Rückzug des Präsidenten komme zudem "aus rechtlichen Gründen" nicht in Frage. Die Zeitung "New York Times" hatte berichtet, Washington dränge hinter den Kulissen auf die Bildung einer Übergangsregierung unter Führung Suleimans.

+++ Gesundheitsministerium spricht von elf Toten +++

[20.18 Uhr] Die Ärzte konnten ihnen nicht mehr helfen: Drei Menschen, die bei den Unruhen in Ägypten verletzt und seit Tagen in Krankenhäusern behandelt wurden, sind am Freitag an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben. Dies teilte Gesundheitsminister Ahmed Sameh Farid mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete. Insgesamt seien bei den Unruhen in dieser Woche bislang elf Menschen ums Leben gekommen.

+++ Mindestens 160.000 Ausländer haben Ägypten verlassen +++

[20.14 Uhr] Nur raus hier, das war das Ziel vieler Touristen, die in den Urlaub nach Ägypten gereist waren - und sich plötzlich mitten in einer Krisenregion aufhielten. Wegen der Unruhen in dem Land haben in den vergangenen Tagen mindestens 160.000 Ausländer Ägypten verlassen. Das meldete die amtliche Kairoer Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf den Flughafen Kairo. Nicht enthalten in dieser Zahl sind Touristen, die von den Flughäfen in der Urlaubsregion am Roten Meer wie Scharm al-Scheich und Hurghada oder aus der Mittelmeermetropole Alexandria abgeflogen sind. Der neue ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman hatte am Donnerstag von einer Million Touristen gesprochen, die seit Beginn der Demonstrationen gegen Staatschef Husni Mubarak am 25. Januar das Land am Nil verlassen haben.

+++ "Reporter ohne Grenzen" berichtet von Dutzenden Festnahmen +++

[20 Uhr] Sie wurden festgenommen, eingeschüchtert oder körperlich angegriffen: Journalisten, die über die Unruhen in Ägypten berichten wollten. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hat die Übergriffe gegen Journalisten scharf verurteilt. Mindestens 60 Journalisten, die über die aktuellen Ereignisse in Ägypten berichtet haben, seien seit dem 2. Februar festgenommen worden, heißt es in einer Erklärung. Acht von ihnen würden offenbar noch immer festgehalten. Rund 70 Journalisten seien bislang körperlich angegriffen oder bedroht worden. Zudem seien mehrere Büros von Medien überfallen, Ausrüstungen wie Kameras und Material konfisziert oder zerstört worden. In erster Linie hätten Anhänger der Mubarak-Regierung regelrecht Jagd auf Mitarbeiter internationaler Medien in Kairo gemacht. Vor allem Fernsehteams und Fotografen seien Ziel von Angriffen, Drohungen und Behinderungen.

+++ Kairoer Börse plant Wiederaufnahme des Handels +++

[19.31 Uhr] Zurück zum Geschäft: Nach mehr als einwöchiger Schließung soll die Börse in Kairo den Handel wieder aufnehmen. Offiziellen Angaben zufolge ist der Handelsbeginn für diesen Sonntag geplant, dem ersten Werktag der neuen Woche, allerdings zunächst mit eingeschränkten Zeiten. Die anhaltenden Unruhen hatten vor einer Woche die Kurse einbrechen lassen. Der Wertverlust belief sich laut den Angaben am 26. und 27. Januar auf insgesamt rund zwölf Milliarden Dollar, ein Absturz um 15,7 Prozent, woraufhin der Handel ausgesetzt wurde.

+++ Regierung wehrt sich gegen Vorwurf der Einschüchterung +++

[19.20 Uhr] Steckte die ägyptische Regierung hinter den Übergriffen auf ausländische Journalisten? Das Informationsministerium hat entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen: "Erklärungen einiger internationaler Kreise, wonach es hier eine offizielle Politik gegen ausländische Medien gibt, sind falsch", erklärte die für ausländische Medien zuständige Abteilung des Ministeriums. Es sei nicht akzeptabel, Gewalt gegen Journalisten anzuwenden. Das Informationsministerium habe mehrfach interveniert, um die Freilassung von Medienmitarbeitern, die "zur Befragung festgenommen wurden" zu erwirken. Mehrere ausländische Fotografen und Journalisten waren in den vergangenen Tagen in Kairo von Pro-Mubarak-Demonstranten bedroht oder von Polizisten in Zivil festgenommen worden. Einigen TV-Journalisten nahm man ihre Videoaufnahmen weg. Dies hatte international für Empörung gesorgt.

+++ ElBaradei dementiert Bericht über Kandidaturverzicht +++

[19.19 Uhr] Jetzt ist doch alles ganz anders, als es die österreichische Zeitung "Standard" gemeldet hatte: Ägyptens Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei hat die Meldung dementiert, er wolle nicht für das ägyptische Präsidentenamt kandidieren. Dies sei "nicht wahr", sagte er dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira. Wenn das ägyptische Volk wolle, dass er den Prozess des Wandels begleite, "werde ich das ägyptische Volk nicht enttäuschen".

+++ Muslimbrüder "sehnen sich nach Freiheit" +++

[19 Uhr] Die ägyptischen Muslimbrüder kündigen an, die Ergebnisse freier Wahlen zu respektieren. "Wir sehnen uns nach Freiheit", sagte Kamal el-Habaway, Sprecher der islamischen Fundamentalisten, in einem Gespräch mit dem britischen Rundfunksender BBC. Die offiziell verbotene Bewegung ist in Ägypten sehr einflussreich - der Westen hat in der Vergangenheit immer wieder das Erstarken der Fundamentalisten befürchtet. Beobachter gehen davon aus, dass die Muslimbrüder in Ägypten an Bedeutung gewinnen werden.

+++ Mussa bekräftigt seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen +++

[18.44 Uhr] Der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei will nicht für das ägyptische Präsidentenamt kandidieren, Amr Mussa dagegen spielt offenbar ernsthaft mit dem Gedanken einer Kandidatur. Auf die Frage, wie er seine eigene Rolle für Ägypten sehe, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga in einem Telefonat mit dem US-Nachrichtensender CNN: "Ich bin bereit." Er sei für jede Aufgabe bereit, fügte Mussa hinzu. Schon in den vergangenen Tagen hatte er angedeutet, eine Kandidatur für das Präsidentenamt zu erwägen.

+++ Milliardenschaden für ägyptische Wirtschaft +++

[18.19 Uhr] Geschäfte sind geschlossen, viele Menschen in Kairo gehen derzeit nicht zur Arbeit - für die ägyptische Wirtschaft sind die Unruhen in dem Land teuer. Bislang beläuft sich der Schaden auf 2,3 Milliarden Euro, zu diesem Ergebnis kommt das Finanzinstitut Crédit Agricole. Jeder Tag der Proteste kostet das Land demnach umgerechnet rund 230 Millionen Euro. In ihrem Bericht korrigierte die Investmentbank außerdem ihre Wachstumsprognose für Ägypten im laufenden Jahr nach unten, von 5,3 Prozent auf 3,7 Prozent. Das Haushaltsdefizit könnte in diesem Jahr von geschätzten 8,2 Prozent auf 12,3 steigen.

+++ Ägyptischer Seehafen nimmt Betrieb wieder auf +++

[18.10 Uhr] Der ägyptische Seehafen Ain al-Sukhna hat seinen wegen der Unruhen im Land ausgesetzten Betrieb wieder aufgenommen. Alle Dienste des im Golf von Suez am südlichen Ende des für den Welthandel wichtigen Suez-Kanals gelegenen Hafens funktionierten wieder, teilte die Betreibergesellschaft DP World, eine Tochter von Dubai World, mit. Dies gelte auch für Zoll und Polizei sowie internationale Beschäftigte. Ain al-Sukhna sei der erste ägyptische Seehafen, der wieder ohne Beschränkungen arbeite.

Ägypten will Opfer von Unruhen entschädigen

+++ ElBaradei will nicht kandidieren +++

[17.59 Uhr] Immer wieder hat es zuletzt Spekulationen über eine mögliche führende Rolle von Ägyptens Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei gegeben - aber das Präsidentenamt strebt er offenbar nicht an. "Nein, ich werde nicht antreten. Das Beste, was ich tun kann, ist als ein Agent für den Wechsel zu wirken", sagt ElBaradei laut einem Bericht der österreichischen Zeitung "Standard".

+++ Zehntausende Demonstranten in Kairo und Alexandria auf der Straße +++

[17.55 Uhr] Längst ist es dunkel in Ägypten, aber noch immer sind Zehntausende Demonstranten auf Kairos zentralem Tahrir-Platz. Der Nachrichtensender al-Dschasira zeigt Bilder aus der ägyptischen Hauptstadt, auf denen die Gegner des Regimes von Präsident Husni Mubarak die Flagge ihres Landes schwenken. Auch Bilder aus Alexandria zeigen den Massenprotest auf der Straße.

+++ "Rat der Weisen" verhandelt mit ägyptischer Regierung +++

[17.23 Uhr] Bewegt sich das Mubarak-Regime bei der Frage nach einem Machtwechsel? Der "Rat der Weisen", der sich nach Beginn der Unruhen in Ägypten gebildet hatte, steht nach Informationen des Nachrichtensenders al-Arabija im Dialog mit der politischen Führung des Landes. Den Angaben zufolge schickte dieser aus unabhängigen Persönlichkeiten bestehende Rat einen Vorschlag an das Büro von Vizepräsident Omar Suleiman. Dieser habe auch darauf geantwortet, hieß es. Zum Inhalt der Antwort wurden jedoch keine Angaben gemacht. Der Vorschlag sieht unter anderem vor, dass Mubarak zwar offiziell im Amt bleibt, Suleiman jedoch die Amtsgeschäfte im Wesentlichen übernimmt. Außerdem forderte der "Rat der Weisen" die Jugendprotestbewegung auf, Vertreter zu ernennen, die an Verhandlungen über einen friedlichen Machtwechsel beteiligt werden sollten.

+++ Plant Mubarak Ausreise nach Montenegro? +++

[17.15 Uhr] Sollte Ägyptens Präsident Husni Mubarak sein Land in naher Zukunft verlassen, könnte Montenegro sein erstes Ziel sein. Mubaraks Sohn und enge Freunde würden dort die Ankunft des 82-Jährigen vorbereiten, meldete der arabische Rundfunksender al-Dschasira unter Berufung auf montenegrinische Medienberichte. In Montenegro hatte unter anderem bereits der von der Justiz seines Landes gesuchte ehemalige thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra Unterschlupf gefunden.

+++ Ägypten will Opfer von Unruhen entschädigen +++

[16.58 Uhr] Die ägyptische Regierung will nach eigenen Angaben Bürger entschädigen, die durch die Unruhen Schäden erlitten haben. Der Hilfsfonds soll nach Angaben des Finanzministeriums umgerechnet rund 630 Millionen Euro umfassen. "Wir haben ausgerechnet, dass die Ausgaben ohne Belastung des Etats geleistet werden können", sagte Finanzminister Samir Radwan der Nachrichtenagentur Reuters. Im ganzen Land sollen die Steuerbehörden ab sofort Schadensersatzforderungen von Autobesitzern, Ladeninhabern oder anderen Geschäftsleuten annehmen, denen im Zuge der teilweise gewaltsamen Proteste gegen die Regierung Schaden entstanden ist.

+++ Schüsse in Kairo +++

[16.55 Uhr] In Kairo bricht der Abend heran - und wieder ignorieren die meisten Demonstranten die Ausgangssperre. Noch immer harren Zehntausende auf dem Tahrir-Platz aus. In einiger Entfernung sind vereinzelte Schüsse zu hören. Ob es sich dabei um Warnschüsse oder Feuergefechte handelt, ist noch nicht klar.

+++ Gerücht über Mubarak-Rücktritt löst Jubelstürme aus +++

[16.45 Uhr] Nach Informationen von BBC und al-Dschasira hat es minutenlangen Jubel auf dem Tahrir-Platz gegeben. Offenbar hatte sich ein Gerücht über den Rücktritt von Präsident Mubarak verbreitet. Diese Meldung erwies sich jedoch als falsch.

+++ Ausreiseverbot für Industrieminister +++

[16.37 Uhr] Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft hat gegen den früheren Handels- und Industrieminister Raschid Mohammed Raschid ein Ausreiseverbot verhängt und seine Bankkonten eingefroren. Es handle sich um "Vorsichtsmaßnahmen", die bis zum Abschluss einer Untersuchung gegen mehrere ehemalige Vertreter der von Präsident Mubarak am vergangenen Wochenende entlassenen Regierung gelten sollten, berichtete die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Die Ermittlungen sollten klären, ob öffentliche Mittel veruntreut worden seien, hieß es.

+++ Verhandlungen zwischen USA und Ägypten +++

[16.30 Uhr] Öffentlich hat US-Präsident Barack Obama bislang keine Stellung zu Mubarak bezogen - das soll sich noch am Freitag ändern. Intern läuft die Debatte über die Haltung der USA gegenüber Ägypten auf Hochtouren. US-Medien berichteten über eine hitzige Diskussion im Lagezentrum des Weißen Hauses. Uno-Botschafterin Susan Rice sprach sich offenbar dafür aus, mehr Druck auf Mubarak auszuüben. US-Außenministerin Hilliary Clinton warb ihrerseits für Zurückhaltung. Obama habe sich schließlich für einen Kompromiss entschieden, verlautete aus Regierungskreisen.

Klar ist bislang nur: Die US-Regierung diskutiert mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für eine Übergangsregierung. Eine vorsichtige Bestätigung für diese diplomatischen Bemühungen sickerte am Freitag durch. "Der Präsident möchte einen friedlichen Übergang mit offenen Verhandlungen, der den Willen des ägyptischen Volkes widerspiegelt", sagte ein Vertreter des Weißen Hauses. Um 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ) will sich der US-Präsident offiziell zum Stand der Dinge äußern.

+++ 5000 Verletzte insgesamt +++

[15.50 Uhr] Rund 5000 Verletzte sind seit Beginn der Unruhen in Ägypten gezählt worden, berichtet der Nachrichtensender al-Arabija unter Berufung auf das ägyptische Gesundheitsministerium. Derzeit würden noch rund 80 Verletzte in den Krankenhäusern behandelt.

+++ EU-Führer geißeln Gewalt in Ägypten "auf Schärfste"+++

[15.45 Uhr] Die EU-Staats- und Regierungschefs fordern einen sofortigen Übergang im krisengeschüttelten Ägypten. Der Übergang müsse zu einer Regierung führen, die auf einer breiten Basis stehe, darauf einigten sich die EU-Staats- und Regierungschefs am Freitag in Brüssel. "Der Übergang muss jetzt beginnen", heißt es in einer Erklärung, die während der Konferenz noch verschärft wurde. Zur Personalie Mubarak nahm die EU nicht explizit Stellung.

+++ Guttenberg appelliert an EU +++

[15.37 Uhr] Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Europäische Union dazu aufgerufen, sich stärker in Ägypten zu engagieren. "Europa besitzt einen Einfluss und wir sollten ihn nutzen", sagte Guttenberg am Freitag zu Beginn der 47. Münchner Sicherheitskonferenz.

+++ Auswärtiges Amt weist Vorwürfe zurück +++

[15.31 Uhr] Das Auswärtige Amt wehrt sich gegen Berichte, wonach sich die Deutsche Botschaft in Kairo nicht ausreichend um ausreisewillige Bundesbürger gekümmert hat. "Botschaft und Krisenstab arbeiten seit Beginn der Krise in Ägypten rund um die Uhr, um deutsche Staatsangehörige zu unterstützen und bei der Ausreise zu helfen", teilte das Ministerium in Berlin mit.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte Bundesbürger zitiert, die sich über die Arbeit der Botschaft beschwerten. Die Sorgen der Deutschen seien nicht ernst genommen worden, während andere Länder mehr Hilfe und Informationen geboten hätten. So habe die Botschaft die Gefahr von Plünderungen ignoriert und heruntergespielt. Das Ministerium wies dagegen darauf hin, dass zehn Botschaftsmitarbeiter seit Montag dauerhaft am Flughafen in Kairo bereitstünden, um deutsche Staatsangehörige bei der Ausreise zu unterstützen. Am Donnerstag hatte das Amt eine Reisewarnung für Kairo, Alexandria und Suez herausgegeben.

+++ Auch Gesundheitsminister will zum Platz +++

[15.20 Uhr] Der ägyptische Gesundheitsminister will dem Staatsfernsehen zufolge zum Tahrir-Platz gehen und vermitteln. Zuvor hatte bereits der Verteidigungsminister an dem zentralen Kundgebungsort zu den Demonstranten gesprochen.

+++ Syriens Proteste bleiben bislang aus +++

[15.19 Uhr] Ein Aufruf der syrischen Opposition zu einem "Tag des Zorns" hat zunächst keine Resonanz gefunden. In der Nähe des Parlamentsgebäudes in der Hauptstadt Damaskus waren am Nachmittag statt Demonstranten nur kleine Gruppen von Sicherheitskräften in Zivil zu sehen, wie Augenzeugen berichteten. Die Opposition in Syrien will an die Protestbewegungen in Tunesien, Ägypten und anderen arabischen Ländern anknüpfen.

+++ Schlägertrupps gesichtet +++

[15.18 Uhr] Arabische Reporter berichten über vereinzelte Zusammenstöße zwischen Regimegegnern und Anhängern Mubaraks in Kairo, Alexandria und Port Said. Ein Augenzeuge sagte, Schlägertrupps versuchten, den Anti-Mubarak-Demonstranten den Weg abzuschneiden. Ein Reporter von al-Arabija sagte, Mubarak-Anhänger hätten Demonstranten mit Steinen beworfen.

+++ Fünfkampf-Weltcup abgesagt +++

[15.10 Uhr] Der für den 24. bis 27. März geplante Weltcup der Modernen Fünfkämpfer in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist wegen der aktuellen Situation vor Ort ersatzlos gestrichen worden. Auch die afrikanischen Meisterschaften (12./13. März) in Kairo wurden abgesagt.

+++ Solidaritätsdemos in der Türkei +++

[15.07 Uhr] Mehrere tausend Menschen haben in Istanbul nach dem Freitagsgebet bei einer islamistischen Demonstration den Rücktritt Mubaraks gefordert. "Ein Gruß aus Istanbul an den Widerstand in Ägypten", rief die Menge in Sprechchören. Auch Parolen gegen die USA und gegen Israel waren demnach zu hören. Aus anderen Städten der Türkei wurden ähnliche Kundgebungen gemeldet. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Mubarak in den vergangenen Tagen zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

+++ Handgemenge am Rande des Platzes +++

[14.31 Uhr] An einer der Zufahrtsstraßen kommt es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Mubarak-Anhängern und Regimegegnern, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Vor den massiven Barrikaden skandieren etwa 400 von ihnen: "Er wird bleiben, er wird bleiben". Zwischendurch zeigen sie auf die wenigen westlichen Journalisten, die sich noch auf den Platz trauen, und drohen ihnen mit der Faust. Bisher ist die Auseinandersetzung verbal, von einem Sturm der Barrikaden sind die Mubarak-Anhänger allein zahlenmäßig weit entfernt.

+++ Unterstützung von der Universität +++

[14.20 Uhr] Der Sprecher der Azhar-Universität in Kairo hat CNN zufolge seinen Job gekündigt und unterstützt nun die regierungskritischen Proteste auf dem Tahrir-Platz. Die Universität ist eine der angesehensten Bildungsinstitutionen der islamischen Welt.

Ausreisestopp für Mubaraks Funktionäre

+++ Ausreisestopp für hochrangige Funktionäre +++

[14.09 Uhr] Mehrere Funktionäre des alten Regimes vor Gericht gestellt werden, denen man Korruption nachsagt. Namentlich werden folgende Politiker genannt, die das Land nicht mehr verlassen dürfen: Der entlassene Innenminister Habib al-Adli, NDP-Politiker und Stahlmagnat Ahmed Ezz, Tourismusminister Zuheir Garana und Wohnungsbauminister Ahmed al-Maghrabi. Die Ermittlungen gegen diese Männer würden eröffnet, "sobald sich die Lage wieder beruhigt hat", hieß es.

+++ Berichte von Handgreiflichkeiten +++

[14.03 Uhr] Dem "Guardian"-Reporter Peter Beaumont zufolge kommt es am Rande der Menschenmassen vereinzelt zu Auseinandersetzungen. "Der Platz selbst ist ruhig, aber in den Seitenstraßen ist die Stimmung aggressiver". Ein befreundeter Kollege und er seien auf dem Weg zum Tahrir-Platz von Soldaten abgefangen und bedroht worden. Al-Dschasira meldet, das Hauptbüro des Senders in Kairo sei von Unbekannten gestürmt und verwüstet worden.

+++ Regierung lud Muslimbrüder ein +++

[13.49 Uhr] Eine Kehrtwende deutete sich auch im Verhalten der Regierung in Bezug auf die bislang verbotene Muslimbruderschaft an. Der neue Vizepräsident Omar Suleiman lud die Organisation schon am Donnerstag zu Gesprächen über die Zukunft Ägyptens und den Übergang zur Demokratie ein. Das ist ein beispielloses Eingeständnis an eine Gruppe, gegen die die Regierung in den vergangenen Jahren hart vorging.

+++ Zugänge mit Stacheldraht gesichert +++

[13.35 Uhr] Nach dem Ende der Freitagsgebete strömen Tausende Ägypter in Richtung Tahrir-Platz, auf der Nilbrücke bilden sich lange Schlangen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Es geht langsam voran, die Organisatoren der Opposition haben mehrere Sicherheitskontrollen eingerichtet, jeder Besucher wird mindestens dreimal durchsucht. Die Zugänge sind mit Stacheldraht gesichert, an manchen von ihnen steht auch die Polizei. Im Osten des Platzes - von dort waren am Mittwoch die Schlägertrupps der Mubarak-Anhänger auf den Platz gestürmt - hat das Militär Sperren eingerichtet. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sie erneut auf den Platz zumarschieren.

+++ Unruhen kosten Ägypten täglich 230 Millionen Euro +++

[13.14 Uhr] Die Proteste gegen die Regierung Mubarak kosten Ägypten nach Berechnungen des Finanzinstituts Crédit Agricole rund 230 Millionen Euro am Tag. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht teilte die Investmentbank außerdem mit, dass man die Wachstumsprognose für Ägypten von 5,3 Prozent auf 3,7 Prozent im laufenden Jahr gesenkt habe. Banken und Börse in Kairo und anderen Städten haben seit dem Beginn der Proteste vor rund einer Woche geschlossen, gleiches gilt für viele Fabriken. Zehntausende Touristen sind wegen der Unruhen vorzeitig abgereist, und viele treten ihre geplante Reise nicht an. Im Zuge der Unruhen sind in einigen Teilen von Kairo die Nahrungsmittelpreise stark gestiegen.

+++ Diplomaten: EU-Erklärung zu Ägypten in Vorbereitung +++

[13.06 Uhr] Nach langem Zögern will die EU den Druck auf den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak nun offenbar doch erhöhen. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel wurde eine Erklärung vorbereitet, in dem zu einer vorgezogenen Neuwahl aufgerufen werden könnte, wie übereinstimmend aus verschiedenen Diplomatenkreisen verlautete. Zudem solle die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kürze nach Kairo geschickt werden, um mit Regierungsvertretern und Opposition zu sprechen. Vor einer sofortigen Rücktrittsforderung an Mubarak schreckt Europa aber weiter zurück. Es sei entscheidend, dass die Regierung und die Bevölkerung "gemeinsam vorangehen", sagte Ashton.

+++ Mubarak-Anhänger halten sich bisher zurück +++

[12.56 Uhr] Nach Informationen von al-Dschasira sind bisher kaum Mubarak-Anhänger auf dem Tahrir-Platz aufgetaucht. Dafür sollen in Gizeh, der drittgrößten Stadt des Landes, rund 3000 Menschen zu einer Pro-Mubarak-Demonstration auf die Straße gegangen sein.

+++ Deutsche Rüstungsexporte nach Ägypten ausgesetzt +++

[12.50 Uhr] Die Bundesregierung legt angesichts der Unruhen in Ägypten die Rüstungsexporte in das Land vorerst auf Eis. Das sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Laut dem Rüstungsbericht der Regierung bewegten sich die deutschen Rüstungsexporte nach Ägypten in den letzten Jahren zwischen rund 10 und 40 Millionen Euro pro Jahr.

Die Bundesregierung wies zudem Berichte zurück, ausrangierte Wasserwerfer des Bundes seien in Kairo zum Einsatz gekommen.

+++ Anspannung nach Ende der Freitagsgebete +++

[12.46 Uhr] Die Lage in Kairo verschärft sich. Inzwischen sind die Freitagsgebete beendet. Trotzdem versuchen immer mehr Menschen auf den überfüllten Tahrir-Platz zu gelangen. An den Eingangskontrollen kommt es zu Stauungen. An der Kundgebung nimmt auch Amr Mussa, Generalsekretär der Arabischen Liga, teil.

+++ Bundesregierung bestellt Ägyptens Botschafter ein +++

[12.39 Uhr] Als Reaktion auf die anhaltenden Unruhen hat die deutsche Bundesregierung den ägyptischen Botschafter einbestellt. Das teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin mit. Dabei sei die Position Deutschlands klargestellt worden, dass es keine Gewalt gegen Demonstranten und Übergriffe auf deutsche Staatsbürger geben dürfe. Auch die Angriffe auf Journalisten habe das Außenministerium verurteilt. Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstagabend vor Reisen nach Kairo und andere Städte wie Alexandria und Suez gewarnt.

+++ Ban Ki Moon verurteilt Methoden des Regimes +++

[12.25 Uhr] Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht freie Wahlen als Voraussetzung für eine effektive Regierung. Das sagte er bei einem Besuch in der Berliner Humboldt-Universität. "Dieser Prozess sollte sofort beginnen. Es gibt keine Zeit zu verlieren." Die Gewalt und die Einschränkungen für die internationale Presse seien inakzeptabel, sagte er.

+++ Berlusconi verteidigt Mubarak +++

[12.20 Uhr] Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hält Mubarak für den richtigen Mann, um Reformen in Ägypten anzuführen - anhaltend heftiger Proteste des Volkes zum Trotz. Im Rahmen des EU-Gipfels in Brüssel sagte er, der ägyptische Staatspräsident müsse die Zukunft des Landes regeln. "Ich hoffe, dass es in Ägypten einen Übergang zu einem demokratischeren System ohne Umsturz geben kann, mit einem Präsidenten wie Mubarak", so Berlusconi wörtlich.

+++ ElBaradei: "Vertrauen ist weg" +++

[12.15 Uhr] Ägyptens Oppositionsvertreter Mohamed ElBaradei hat Mubarak aufgerufen, "auf die deutliche Stimme des Volkes zu hören und in Würde zurückzutreten". Die bisherigen Zugeständnisse Mubaraks wies ElBaradei am Freitag als "Stückwerk" zurück. "Es ist eine Frage des Vertrauens, und das Vertrauen ist weg", fügte er vor Journalisten in Kairo hinzu. Unterdessen reißt der Strom von Demonstranten in Richtung Tahrir-Platz nicht ab, die Menge skandiert Parolen gegen das Regime Mubarak.

+++ Journalisten festgehalten +++

[12.12 Uhr] Drei Journalisten des französischen Privatsenders TF1 sind in Ägypten 15 Stunden lang festgehalten und verhört worden, meist mit verbundenen Augen. Nach ihrer Freilassung in der Nacht zu Freitag gehe es ihnen aber gut, sagte TF1-Informationschefin Catherine Nayl der Nachrichtenagentur AFP. Ebenfalls am Donnerstag waren weitere französische Fernsehjournalisten sowie ein Reporter der Zeitung "Le Figaro" festgenommen worden, die aber nach wenigen Stunden wieder freikamen. Außenministerin Michèle Alliot-Marie verurteilte die "nicht hinnehmbaren Zwischenfälle".

+++ Appell auf Tahrir-Platz +++

[12.05 Uhr] Beim Freitagsgebet am zentralen Kundgebungsort in Kairo ruft der Prediger das Regime auf, alle politischen Gefangenen freizulassen.

+++ Christen solidarisieren sich mit Freitagsbetenden +++

[11.58 Uhr] Al-Dschasira zufolge haben sich Zehntausende Menschen in Alexandria versammelt. Christen und Gläubige anderer Religionen, die ebenfalls keine Freitagsgebete abhalten, hätten sich aus Solidarität mit den Demonstranten zusammengeschlossen, um "menschliche Ketten" um die Betenden herum zu bilden. Viele blieben aber auch aus Angst vor neuer Gewalt in ihren Wohnungen: "Ich kann meinem eigenen Nachbarn nicht mehr trauen. In diesen Tagen weiß keiner, wer eigentlich wen unterstützt - das Regime oder dessen Gegner", zitiert ein Reporter eine Kairoerin.

+++ EU in Ägypten-Frage entzweit +++

[11.45 Uhr] Trotz der blutigen Ausschreitungen in Kairo scheut die EU vor Rücktrittsforderungen an den bedrängten Staatschef Mubarak zurück. Es sei entscheidend, dass die Regierung und die Bevölkerung "gemeinsam vorangehen", sagte EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton. Es gehe bereits in Richtung "einer Art von nationalem Dialog" zwischen dem Regime und der Opposition. Entscheidend sei, dass die Führung einen Zeitplan für einen geordneten Übergang vorlege, um Vertrauen zu schaffen.

Damit setzt Europa auf Kontinuität, anders als die USA, die Mubarak zum sofortigen Rücktritt drängen. Allerdings spricht Europa nicht mit einer identischen Stimme. So äußerte sich der britische Premierminister David Cameron deutlich kritischer als Ashton: "Wenn wir in den Straßen Kairos vom Staat unterstützte Gewalt gegen Demonstranten sehen, angeheuerte Schläger, dann verliert das Regime die letzte Glaubwürdigkeit und die letzte Unterstützung."

Feuer in Zentrale der Geheimpolizei

+++ Demonstranten "erwartungsvoll" +++

[11.42 Uhr] Ein BBC-Korrespondent berichtet vom Tahrir-Platz, die Stimmung sei "deutlich ruhiger" als in den vergangenen Tagen. Die Atmosphäre sei insgesamt "erwartungsvoll", noch gebe es keine Anzeichen von Aggressionen zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes. Allerdings könne die Stimmung jederzeit umschlagen.

+++ Syriens Opposition ruft zu Protest auf +++

[11.35 Uhr] Auch in Syrien ruft die Opposition zu Demonstrationen gegen das Regime auf. Die Oppositionsbewegung bereite einen "Tag des Zorns" vor, teilten syrische Aktivisten der dpa in Beirut mit. Im Anschluss an die Freitagsgebete seien Protestaktionen in der Hauptstadt Damaskus und anderen Städten geplant. Sicherheitskräfte postieren sich in der Nähe des Parlamentsgebäudes.

+++ Freitagsgebete laufen +++

[11.32 Uhr] Die Mittagsgebete in Ägypten haben begonnen. Al-Dschasira zeigt Bilder vom Tahrir-Platz, auf denen Demonstranten gemeinsam zum Beten niederknien.

+++ Verteidigungsminister spricht zu Demonstranten +++

[11.07 Uhr] Armee-Befehlshaber Tantawi versucht, auf dem Tahrir-Platz zu vermitteln. Mubarak habe erklärt, nicht erneut antreten zu wollen, sagte er zu umstehenden Demonstranten. Zugleich rief Tantawi die oppositionelle Muslimbruderschaft zum Dialog mit der Regierung auf.

+++ Chamenei ruft islamische Freiheitsbewegung aus +++

[10.55 Uhr] Während des Freitagsgebets vergleicht Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Chamenei die Unruhen in Kairo mit der Islamischen Revolution 1979. Die ägyptische Nation müsse eine starke Religionsgemeinschaft bilden, dürfe sich nicht zerreißen lassen. Die Volksaufstände in Ägypten und Tunesien seien Zeichen für eine "islamische Freiheitsbewegung" in der Region.

+++ Mubaraks Partei geißelt Berichterstattung +++

[10.45 Uhr] Ibrahim Kamel, Generalsekretär der ägyptischen Staatspartei NDP, schimpft im BBC-Telefoninterview über den Westen. Die Demonstranten in Kairo repräsentierten "nicht die Mehrheit der Meinung der Ägypter". Westliche Medien würden auf eine "schmutzige Propaganda-Aktion einer Minderheit" reinfallen. Ein BBC-Reporter versucht vergeblich, das Gespräch sachlich fortzuführen. Immer wieder geißelt Kamel die "Verschwörung des Westens." Und fügt hinzu: "Ich hoffe, sie alle werden sich irgendwann entschuldigen."

+++ Angeblich neue Morde an Kopten +++

[10.35 Uhr] Bei neuen Übergriffen auf Kopten in Ägypten sind nach Angaben von Menschenrechtlern elf Angehörige der christlichen Minderheit ermordet worden. Das Massaker habe sich bereits am 30. Januar in einem 200 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Dorf ereignet, teilt die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker mit. Unter den Ermordeten sei auch ein drei Jahre altes Mädchen. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.

+++ Ruhe vor dem Sturm +++

[10.30 Uhr] In einer halben Stunde beginnen die Freitagsgebete. Hunderttausende Menschen wollen anschließend aufmarschieren, um Mubarak zum Sturz zu zwingen.

+++ Verteidigungsminister am Kundgebungsort +++

[10.05 Uhr] Al-Arabija zufolge ist Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi am Kundgebungsort eingetroffen. Mehrere Generäle der ägyptischen Armee hätten den Minister zum Tahrir-Platz begleitet. Beim ägyptischen Staatsfernsehen heißt es dazu: "Verteidigungsminister Tantawi inspiziert die Lage am Tahrir-Platz".

+++ Soldaten in Bereitschaft +++

[09.58 Uhr] Die Stimmung bleibt angespannt. Augenzeugen berichten, in der Innenstadt hätten insgesamt rund tausend Soldaten Stellung bezogen. Beobachter erwarten Hunderttausende Demonstranten nach dem Mittagsgebet. Gewalttätige Anhänger von Präsident Mubarak könnten dann versuchen, den Demonstranten, die sich in den Moscheen der Stadt versammeln wollen, den Weg zum Tahrir-Platz abzuschneiden.

+++ Massendemos im Fokus der (Netz)welt +++

[9.52 Uhr] Die Stichwörter "Cairo" und "Egypt" bestimmen weltweit die sozialen Netzwerke. Twitter und Facebook erleben eine Flut von Postings zum "Tag des Protests".

+++ Ölpreis verharrt auf hohem Niveau +++

[9.40 Uhr] Ein Barrel der Sorte Brent kostete am Morgen 102,07 US-Dollar - 31 Cent mehr als am Vorabend. Zuvor war der Preis für das Brent-Öl zeitweise bis auf 103,37 Dollar und damit den höchsten Stand seit dem 26. September 2008 gestiegen, er rutschte dann aber vor allem wegen des stärker gewordenen Dollar wieder etwas ab. Der Markt sorgt sich, dass sich die politischen Unruhen in Ägypten auf die Ölversorgung auswirken könnten.

Ägypten kontrolliert den Suez-Kanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, und auch eine dort liegende Pipeline. Durch beide werden am Tag mehr als zwei Millionen Barrel Öl transportiert, sie sind damit ein wichtiger Baustein bei der weltweiten Ölversorgung.

+++ Ägyptens Regierung spricht von Hunderten Verletzten +++

[9.35 Uhr] Der ägyptische Gesundheitsminister beziffert die Zahl der in den Massendemos Verletzten auf offiziell 896. Acht Menschen seien ums Leben gekommen. Aktivisten und Menschenrechtler gehen von mindestens 13 Menschen aus, die seit Mittwoch getötet wurden.

+++ Obama rüffelt US-Geheimdienst +++

[9.21 Uhr] US-Präsident Barack Obama brachte in einem Treffen mit dem nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper seine Enttäuschung über die Geheimdienste zum Ausdruck, verlautet aus Regierungskreisen. Der US-Geheimdienst habe die Protestbewegungen in Tunis und Kairo vorhersehen, Anzeichen für die Massendemos früher ernst nehmen müssen.

+++ Feuer in Zentrale der Geheimpolizei +++

[9.17 Uhr] Bewaffnete Männer haben in Al-Arisch offenbar die Zentrale der Geheimpolizei mit Panzerfäusten angegriffen. Nach Angaben von Augenzeugen brach ein Feuer in dem Neubau aus, der neben mehreren Verwaltungsgebäuden liegt. In Al-Arisch, eine Stadt im Norden der Sinai-Halbinsel, hatte es in den vergangenen Tagen ebenso wie in Kairo, Alexandria und Suez Protestaktionen gegen die Staatsmacht gegeben.

+++ Polizei sichert Tahrir-Platz +++

[9.15 Uhr] Mehrere hundert der bisher gefürchteten Beamten der Spezialeinheiten, ausgerüstet mit Helmen und Kampfanzügen, stehen an den Einlasskontrollen zum Tahrir-Platz, hindern die Regierungsgegner aber nicht am Zutritt zu dem Platz, schreibt SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Vielmehr scheinen sie die Demonstration vor Attacken der Pro-Mubarak-Fraktion schützen zu wollen - dies hatte der Premierminister Ahmed Schafik am Donnerstag bei einer Fernsehansprache bereits angedeutet.

Auch am ägyptischen Museum, in den letzten Tagen Ort der heftigsten Konfrontationen zwischen den beiden Gruppen, hat sich die Lage etwas entspannt, zumindest die Schlägertrupps der Pro-Mubarak-Fraktion sind seit dem Morgen nicht mehr zu sehen.

+++ Muslimbruderschaft macht sich bereit +++

[9.01 Uhr] "Guardian"-Reporter berichten, die Muslimbruderschaft bringe sich für die Proteste in Stellung. Ein Lastwagen mit Lautsprechern fahre über den Tahrir-Platz, Regimegegner liefen durch die Moscheen, um mehr Menschen zu überzeugen, an den Demos teilzunehmen. Der Chefredakteur von "Ikhwan online", der offiziellen Web-Seite der Bruderschaft, spricht laut al-Dschasira von einem Überfall auf das International Media Center in Kairo, nähere Details gibt es noch nicht.

+++ Berichte über massive Polizeipräsenz +++

[8.53 Uhr] Wenige Stunden vor Beginn des Freitagsgebets richtet sich Kairo auf neue Massenproteste ein. Al-Dschasira-Reporter berichten in Blogs, dass am Morgen in vielen Seitenstraßen der Hauptstadt wieder Einsatzfahrzeuge der Polizei zu sehen seien. Die Polizei hatte sich in den vergangenen Tag stark zurückgehalten.

+++ Barrikaden aus Stein +++

[8.32 Uhr] CNN zufolge haben sich die ersten Demonstranten am zentralen Tahrir-Platz versammelt, errichten Barrikaden aus Steinen und Geröll. Die Armee kontrolliere an den Zugängen zum Platz die Ausweise, berichtet ein dpa-Fotograf. Einzelne Demonstranten bringen Lebensmittel und Medikamente zum Kundgebungsort. Noch sei die Stimmung friedlich, es herrsche nahezu eine "aufgeregte Festivalstimmung", schreibt eine Augenzeugin im Al-Dschasira-Blog.

+++ Polizei sichert Präsidentenpalast +++

[8.24 Uhr] Die Sicherheitskräfte stellen sich auf einen möglichen Sturm auf den Präsidentenpalast ein. Dutzende von Polizeifahrzeugen sichtet ein Al-Dschasira-Reporter in der Umgebung des Amtssitzes von Husni Mubarak. Sie warten in Seitenstraßen auf ihren Einsatz.

+++ Steinmeier kritisiert Haltung der Europäer +++

[7.45 Uhr] SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier fordert die EU zum Eingreifen auf. "Ich bin einigermaßen erstaunt darüber, wie lange die EU überhaupt gebraucht hat, Sprache zu finden - wesentlich länger als die Amerikaner zum Beispiel", sagt der Ex-Außenminister im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt höre er aus den Erklärungen der EU und seines Vorgängers Guido Westerwelle "Besorgnis, aber ich sehe keine Aktivitäten".

+++ Muslimbrüder haben kein Interesse an Präsidentschaft +++

[7.39 Uhr] Die Muslimbruderschaft hat angeblich keine Ambitionen, den Präsidenten nach einem Sturz Mubaraks zu stellen. Al-Dschasira beruft sich auf Mohammed al-Beltagi, ein führendes Mitglied der Islamisten.

+++ Biden setzt Mubaraks Stellvertreter unter Druck+++

In der Nacht zum Freitag war die Lage in Kairo ruhig, aber angespannt. Fast 10.000 Demonstranten verblieben auf dem zentralen Tahrir-Platz, einige von ihnen tanzten und sangen. Andere legten sich auf den Boden, um Tee zu trinken oder zu schlafen. Nach Angaben des TV-Senders Al-Dschasira waren sporadisch Schüsse zu hören gewesen.

Die Gegner von Präsident Mubarak bereiten sich auf neue Massenproteste nach dem Freitagsgebet vor. Die Opposition rief in Anspielung auf ihre Rücktrittsforderung an Mubarak den "Tag des Abgangs" aus. Doch der Staatschef denkt nicht ans Aufgeben. Er zeigte sich in einem Interview mit dem US-Fernsehen angesichts der Gewalt auf den Straßen zwar besorgt, lehnte ein Einlenken aber weiter ab. Er sei zwar zur Aufgabe des Amts bereit, sagte er dem Sender ABC. Ein sofortiger Rückzug würde die Lage aber noch instabiler machen. "Wenn ich heute zurücktrete, wird es Chaos geben", zitierte ABC Mubarak in einer Mitteilung.

Die USA drängen offenbar intensiv an eine Wende in dem für sie wichtigen Land, obwohl Mubarak die Macht noch nicht abgeben will. Nach einem Bericht der "New York Times" diskutieren die Regierung von Präsident Barack Obama mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für einen sofortigen Rücktritt des Präsidenten. Die Macht solle eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Omar Suleiman an der Spitze übernehmen. Die Übergangsregierung solle die Unterstützung des Militärs haben, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte und arabische Diplomaten am Donnerstagabend.

Obamas Stellvertreter Joe Biden forderte Suleiman in einem Telefonat auf, die Gewalt gegen Demonstranten zu stoppen und einen politischen Übergang einzuleiten. Biden habe darauf gedrungen, dass "unverzüglich glaubhafte, umfassende Verhandlungen beginnen" müssten, um eine demokratische Regierung einzusetzen, die auf die Forderungen des ägyptischen Volkes eingehe, hieß es in einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung.

Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen heute bei einem Sondertreffen in Brüssel einen "raschen und geordneten Übergang" in Ägypten fordern. Weitere Gewalt müsse unbedingt vermieden werden. Das geht aus dem Entwurf der Abschlusserklärung des EU-Gipfels hervor, der am Donnerstagabend in Brüssel bekannt wurde. Zu Staatspräsident Mubarak will sich die Union nicht explizit äußern.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt heute die 47. Münchner Sicherheitskonferenz. Das alles überlagernde Thema wird natürlich die Lage in Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern sein.

Amnesty International fordert angesichts der Übergriffe auf regimekritische Demonstranten den sofortigen Stopp aller Rüstungstransfers nach Ägypten, die zu Menschenrechtsverletzungen beitragen können. Der Menschenrechtsbeauftragte des Auswärtigen Amtes, Markus Löning, stellt die EU-Nachbarschaftsprogramme mit Ägypten im Rahmen des Barcelona-Prozesses in Frage. Die Programme, mit denen die EU Demokratie, Zivilgesellschaft und Entwicklung in den südlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten fördert, hätten offensichtlich nicht zur Demokratisierung beigetragen, sagte Löning der "Frankfurter Rundschau".

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