Tag X Massendemonstrationen gegen Bushs Krieg

Rund um den Globus kommt es zu ersten Demonstrationen und Streiks gegen den Krieg. Allein in Deutschland werden für heute mehr als 100 Protestaktionen erwartet.


Demonstration in Hyderabad, Indien: In zahlreichen Städten kam es zu Protesten, als die Nachricht vom Beginn der Angriffe die Runde machte
AP

Demonstration in Hyderabad, Indien: In zahlreichen Städten kam es zu Protesten, als die Nachricht vom Beginn der Angriffe die Runde machte

Wenige Stunden nach Beginn der Angriffe auf Bagdad begannen Demonstrationen in zahlreichen Ländern der Erde. Seit Wochen schon steht die Strategie für den "Tag X" fest und wird von Anti-Kriegsgruppen rund um den Globus nahezu gleich lautend verbreitet. Die Strategie sieht vor, dass Studenten und Arbeitnehmer direkt nach den Angriffen (respektive am Morgen nach dem Beginn des Krieges) ihre Arbeit niederlegen, beziehungsweise nicht aufnehmen sollten und sich stattdessen an zentralen, weithin bekannten Orten der Innenstädte versammeln.

Bereits am Mittwoch kam es zu ersten Demonstrationen in den USA. In San Francisco, wo sich am Abend mehrere tausend Menschen auf einen Protestzug begaben, kam dabei ein Student ums Leben, als er beim Versuch, ein Plakat an der Golden Gate Bridge zu befestigen, zu Tode stürzte. Für den heutigen Tag plant die Gruppe "Direct Action to Stop the War" Straßenblockaden im Raum San Francisco.

Demonstrationen sind an so gut wie allen Uni-Standorten geplant, auch zahlreiche Gewerkschaften rufen ihre Mitglieder in den USA zu Arbeitsniederlegungen auf. An der University of Virginia warteten Studenten nicht bis zum Morgen: Schon kurz nach den ersten Kriegsnachrichten sammelten sich dort Studenten, die für den heutigen Nachmittag eine Massendemonstration auf die Beine stellen wollen.

Für Zündstoff könnte ein Aufruf der "Muslim American Society Freedom Foundation" sorgen, die Muslime und alle ihre Mitglieder landesweit zu friedlichen Protesten aufruft. Im Mittelpunkt der Aktionen solle der Schutz von Muslimen und muslimischen Einrichtungen stehen: Befürchtet werden von der islamischen Lobbygruppe nicht zuletzt gewalttätige Übergriffe gegen Moscheen.

Proteste seit Sonnenaufgang

Wie effektiv die Aufrufe der letzten Wochen waren, zeichnet sich überall östlich der USA ab: Rund um den Globus wird bereits protestiert. Aus Berlin, Halle, Leipzig, Nürnberg, Heidelberg, Frankfurt und Hamburg werden Schülerdemos gemeldet. Gewerkschaftsdemonstrationen werden im Laufe des Nachmittags in zahlreichen deutschen Städten erwartet, die Friedensbewegung kündigte für den späten Nachmittag Demos in mehr als 100 deutschen Städten an.

In Wales gingen Arbeiter und Studenten bereits im Morgengrauen auf die Straße, in Cambridge und vor allem London sammeln sich Menschen.

In Venedig kam es bereits im Laufe der Nacht zu Mahnwachen, gegen Morgen wurden Arbeitsniederlegungen auch aus Rom berichtet. Die Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes kündigte für heute einen ganztägigen Streik an.

In Ägypten kam es bereits wenige Stunden nach Beginn des Angriffes zu ersten Demonstrationen. In Kairo protestierten rund 4000 Muslime.

Zu Protesten kam es auch vor der weltweit zweitgrößten US-Botschaft in Bangkok, Thailand. Dabei wurde ein 49-jähriger Amerikaner vorläufig festgenommen. Die Polizei begründete die Festnahme damit, eine Verkehrsbehinderung verhindert zu haben. Die Demonstrantengruppe versuchte, die Einfahrt der US-Botschaft zu blockieren.

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