Gewalt in Thailand Tote bei Bombenanschlag in Bangkok

Die Proteste in Thailand haben weitere Todesopfer gefordert: Bei einem Überfall auf ein Protestcamp starben zwei Menschen, eine Bombe in Bangkok forderte zwei weitere Todesopfer. Anführer der regierungstreuen UDD bereiten ihre Anhänger auf einen "harten Kampf" vor.

Tatort Bangkok: Eine Bombe tötete zwei Menschen in einem Einkaufsviertel
DPA

Tatort Bangkok: Eine Bombe tötete zwei Menschen in einem Einkaufsviertel


Bangkok - In Thailand sind bei mehreren Anschlägen auf Regierungsgegner vier Menschen getötet und mehr als 60 verletzt worden. Mindestens zwei Menschen starben, als am Sonntag während einer Anti-Regierungskundgebung in einem belebten Geschäftsviertel von Bangkok eine Bombe explodierte.

Der Anschlag habe sich vor dem Big C Supermarkt in Ratchaprasong ereignet, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Paradorn Pattanathabutr, der Nachrichtenagentur Reuters. Unter den zwei Dutzend Opfern waren nach Angaben aus Krankenhäusern auch Kinder mit schweren Kopfverletzungen.

In der Nacht zum Sonntag hatte ein Überfall auf ein Protestlager von Regierungsgegnern außerhalb von Bangkok bereits zwei Todesopfer gefordert. Eines der Opfer sei ein fünf Jahre altes Mädchen, teilte die Polizei in der Provinz Trat mit. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt.

Die Angreifer hatten sich dem Protestlager in Khao Saming in zwei Pickup-Fahrzeugen genähert, berichtete der Polizeibeamte Kanapum Naewawit. Anschließend feuerte sie in die Menge und schleuderten Granaten auf die Demonstranten, die gerade eine Kundgebung abhielten. Trat befindet sich etwa 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Bangkok.

"Dieser Kampf wird härter als alle anderen"

Akanat Promphan, der Sprecher des Protestbündnisses "Demokratisches Reformkomitee des Volkes" (PDRC), forderte die Regierung der Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra dazu auf, die Verantwortung für die Bluttat in Trat zu übernehmen. "Die Regierung tut nichts, um solche Angriffe zu verhindern, und hat auch die Schuldigen für frühere Gewalttaten nicht gefunden", sagte er.

Anführer der regierungstreue Vereinigten Front für Demokratie (UDD) gegen Diktatur hatten sich am Sonntag in Nakhorn Ratchasima nordöstlich von Bangkok getroffen und auf den Widerstand gegen den Oppositionsführer Suthep Thaugsuban eingeschworen. "Dieser Kampf wird härter als alle anderen", sagte Jatuporn Prompan, Anführer der UDD und Mitglied der regierenden Pheu-Thai-Partei, vor Tausenden Anhängern. "Ihr müsst überlegen, wie wir mit Suthep und seinen Anhängern "umgehen" sollen."

Dabei blieb unklar, ob Jatuporn zum bewaffneten Kampf aufrief oder nicht, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Die etwa einstündige Rede fand allerdings nur Stunden nach den gewalttätigen Angriffen auf das Protestlager in der Provinz Trat statt.

Bisher kamen mindestens 16 Menschen ums Leben

Oppositionelle protestieren seit November gegen die aktuelle Regierung. Das Zentrum der Protestbewegung befindet sich in Bangkok, die Protestler halten dort mehrere Kreuzungen besetzt und haben Regierungsgebäude blockiert.

Zuletzt kam es in Thailand nach Wochen weitgehender Toleranz wieder verstärkt zu Unruhen. Bei Schießereien wurden Anfang der Woche vier Menschen getötet und über 60 verletzt, als mehrere Tausend Beamte versuchten, von Demonstranten besetzte Regierungsgebäude wieder unter ihre Kontolle zu bringen.

Seit Beginn der Proteste vor drei Monaten sind mindestens 16 Menschen bei Attacken oder Zusammenstößen mit Sicherheitskräften ums Leben gekommen, etwa 700 wurden verletzt. Die auch als Rothemden bekannte UDD hatte 2010 die Straßenproteste gegen die zu diesem Zeitpunkt regierende Demokratische Partei angeführt. Damals wurden 92 Menschen getötet.

irb/AP/dpa/Reuters



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südtirol11 24.02.2014
1. Nach den Wahlen wird vor den Wahlen sein?
Wenn es stimmt, dass die Regierungspartei die Wahlen durch Bestechung gewonnen hat, dann sollte sich das nachweisen lassen und dies sollte international geächtet werden. (Merkel würde dann natürlich wieder als Letzte Konsequenzen befürworten. Die Interessen ihrer Großkonzern-Lieblinge sind wichtiger, die könnten ein paar Euro weniger einstreichen.) Ich halte es selbst für eher wahrscheinlich, dass die Regierungspartei die Wahlen durch Bestechung beeinflusst hat, so wie sie dies unter Taksin (Bruder der jetzigen Präsidentin) getan hat. Taksin ist wegen Steuerhinterziehung verurteilt und flüchtete ins Ausland, außerdem ist er (wie auch der Italiener Bunga!!) aus einfacheren Verhältnissen unter Ausnutzung seiner Befugnisse als Präsident zum vielfachen Milliardär geworden. Ich habe selbst Wahlen eines Ortsvorstehers einer kleinen 200 Personen zählenden Gemeinde im armen N.O. des Landes erlebt, wo der spätere Gewinner Wählern 10.000 Baht – damals etwa 200 Euro, etwa 1 1/3 des monatlichen Durchschnittsverdienstes eines Arbeiters dieser Gegend – bezahlt hat. Ich habe selbst keine Geldübergabe gesehen, aber eine Freundin präsentierte mir stolz die 10 Scheinchen zum Anschauen. Mich hat dies so erstaunt, da ich mir nicht vorstellen kann, wie bei diesem unbedeutenden Job diese Investition sich je amortisieren kann. Mir wurde erklärt, dass man bei Wahlen immer mit Geld rechnen kann. Aber all das rechtfertigt Gewalt bei keiner Gruppe. Die Regierungsgegner sind sich sicher, dass bei Wahlen wieder die arme (wahrscheinlich bestochene) Bevölkerung Taksins Schwester wieder an die Macht befördern wird. Nach den Wahlen ist vor den Wahlen!
americanangel 24.02.2014
2. Maßlos übertrieben
Sorry... Gott sei jeder einzelnen Seele gnädig. Aber in Thailand passiert viel weniger als SPON mal wieder aufbauscht. Momentan sehe ich vom SPON nur eines, entweder er lügt maßlos (Assad ist böse Terroristen sind gut) oder er übertreibt maßlos. Mein Freund ist seit nem Jahr in Bangkok und sagt alles ist wieder gut... SPON sollte den Lesern die Wahrheit erzählen und nicht nur um jeden Preis - ob wahrheitsgemäß oder nicht - interessant sein
normalo3006 24.02.2014
3. Thaksin-Clan steht vor dem Ende und greift zu letzten Mitteln
Widerlich: die Attentäter werden einmal mehr ungestraft davonkommen, trotz zahlreicher Polizisten vor Ort und Handyphotos durch die Regierungsgegner. Der Thaksin-Clan will bei seinem Abgang aus Thailand wohl noch eine Blutspur hinterlassen. Das ist - angesichts der Milliarden Dollar an unterschlagenem Volksvermögen - unverständlich. Was will der flüchtige Herr Thaksin denn noch nach der absehbaren Korruptions-Verurteilung seiner Schwester? Kauft er dann seinem Sohn das Regierungsamt der schon in Stellung gebracht wird? Oder den Clan-Mitgliedern die schon auf der Regierungsliste stehen? Diese Milliardärs-Clan hängt wie ein Fluch über Thailand, doch die Propaganda 'Thaksin denkt - wir handeln' zieht selbst beim bildungsfernen Stimmvolk immer weniger. Der letzte Schachzug - die Thaksin Killerkommandos - werden politisch zum Sargnagel für den Clan.
normalo3006 24.02.2014
4. Thaksin-Clan steht vor dem Ende und greift zu letzten Mitteln
Widerlich: die Attentäter werden einmal mehr ungestraft davonkommen, trotz zahlreicher Polizisten vor Ort und Handyphotos durch die Regierungsgegner. Der Thaksin-Clan wird bei seinem Abgang aus Thailand wohl noch eine Blutspur hinterlassen. Das ist - angesichts der Milliarden Dollar an unterschlagenem Volksvermögen - unverständlich. Was will der flüchtige Herr Thaksin denn noch nach der absehbaren Korruptions-Verurteilung seiner Schwester? Kauft er dann seinem Sohn das Regierungsamt der schon in Stellung gebracht wird? Oder den Clan-Mitgliedern die schon auf der Regierungsliste stehen? Dieser Milliardärs-Clan hängt wie ein Fluch über Thailand, doch die Propaganda 'Thaksin denkt - wir handeln' zieht selbst beim bildungsfernen Stimmvolk immer weniger. Der letzte Schachzug - die Thaksin Killerkommandos - wird politisch zum Sargnagel für den Clan.
raoul2 24.02.2014
5. Fluch
"Dieser Milliardärs-Clan hängt wie ein Fluch über Thailand, doch die Propaganda 'Thaksin denkt - wir handeln' zieht selbst beim bildungsfernen Stimmvolk immer weniger. Der letzte Schachzug - die Thaksin Killerkommandos - wird politisch zum Sargnagel für den Clan." --- Das bleibt zu hoffen. Noch besser wär's natürlich, den macht- und geldgierigen, menschenverachtenden Strippenzieher festzunehmen und vor ein (unabhängiges, internationales) Gericht zu stellen.
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