Taiwan Attentatsopfer Chen gewinnt Präsidentschaftswahl

Einen Tag nach einem Attentat auf ihn hat Chen Shui-ban mit knappem Vorsprung die taiwanische Präsidentenwahl gewonnen. Sein Herausforderer will die Wahl des Amtsinhabers anfechten.


Taiwan: Präsident Chen (li.) und Vizepräsidenti Lu während des Wahlkampfs
AP

Taiwan: Präsident Chen (li.) und Vizepräsidenti Lu während des Wahlkampfs

Taipeh - Der Vorsprung ist hauchdünn. Auf Taiwans Präsident Chen Shui-ban entfielen 50,1 Prozent der Stimmen, auf seinen Herausforderer Lien Chan 49,9 Prozent. Die Wahlkommission teilte mit, dass insgesamt 13 Millionen Taiwaner ihre Stimmen abgegeben hätten. Der Rundfunk in Taiwan berichtete nach einem inoffiziellen Wahlergebnis, Chen habe mit einem Vorsprung von 26.000 Stimmen gewonnen.

Der Kandidat der Opposition erklärte, die Wahl sei unfair verlaufen. Er werde das Ergebnis anfechten. Es müsse eine Untersuchung der Wahl geben.

Die Schlussphase des Wahlkampfs in Taiwan war dramatisch verlaufen. Auf Amtsinhaber Chen war am Vorabend der Wahl ein Attentat verübt worden. Dabei wurden der Präsident und Vizepräsidentin Annette Lu angeschossen und verletzt. Außer über den Präsidenten stimmten die Wähler auch über ein Referendum über die China-Politik Taiwans ab. Das Referendum schlug jedoch fehl, da die Wahlbeteiligung daran laut Wahlkommission unter 50 Prozent lag.

Chen und Lien hatten sich im Wahlkampf insbesondere wegen ihrer Haltung zu China hart angegriffen. Der Präsident warf seinem Herausforderer vor, er betreibe den Ausverkauf des Inselstaats an die Volksrepublik. Lien wiederum beschuldigte Chen, die Regierung in Peking unnötig zu provozieren. China seinerseits hatte sich entschieden gegen das Referendum gewandt, das einem Unabhängigkeitsvotum Taiwans gleichkomme.

Der Inselstaat hat sich während der kommunistischen Machtübernahme in Peking 1949 von China abgespalten, die Volksrepublik hat diesen Schritt aber nie anerkannt.

In dem Referendum sollten die Bürger entscheiden, ob das Budget für die hauptsächlich gegen China gerichtete Landesverteidigung erhöht wird, gleichzeitig aber ein Friedensdialog mit Peking angestrebt werden soll.

Das Fehlschlagen des Referendums nahm die Regierung Chinas zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die taiwanische Bevölkerung die aus Sicht Pekings separatistische Politik der Regierung in Taipeh offenbar nicht goutiere.



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