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09. Dezember 2015, 15:12 Uhr

Taliban-Angriff

Dutzende Tote bei Kämpfen um Flughafen von Kandahar

Taliban und Regierungstruppen kämpfen um den Flughafen der afghanischen Stadt Kandahar, zwischen 30 und 40 Menschen sind bereits getötet worden. Unter den Opfern sind auch Zivilisten.

Afghanische Regierungstruppen haben sich am Mittwoch weiter Schusswechsel mit verschanzten Taliban-Kämpfern am Flughafen von Kandahar geliefert. "Einige Milizionäre leisten Widerstand gegen die Regierungstruppen", sagte der Vizesprecher des Verteidigungsministeriums, General Mohammad Radmanisch. "Wir arbeiten sehr hart daran, die Aufständischen zu eliminieren."

Zwischen 30 und 40 Menschen sind laut Regierungskreisen seit Beginn des Angriffs am Dienstagabend bereits ums Leben gekommen, wie unter anderem der "Guardian" berichtet. Aktuell ist von 37 Toten und 35 Verletzten die Rede. Weiterhin sollen die Extremisten zudem Geiseln auf dem Flughafengelände halten.

Kandahar gilt seit Jahrzehnten als eine Hochburg der Taliban, war in den Neunzigerjahren sogar die Hauptstadt der Islamisten. Der Flughafen liegt rund 16 Kilometer außerhalb der Stadt.

"Mindestens zwei Familien sind noch in Gefahr", sagte Oberst Mohammad Mohsin Sultani, der sich am Flughafen aufhielt. Die Taliban hätten die Geiseln in einer Wohnanlage für Armeeangehörige und deren Familien auf dem Flughafengelände genommen.

Taliban-Sprecher Kari Jusuf Ahmadi teilte über Twitter ebenfalls mit, dass die Gefechte andauerten. "Mehrere Selbstmordattentäter sind in den Flughafen Kandahar eingedrungen." Die Extremisten hätten zahlreiche Soldaten getötet und mehrere Militärflugzeuge zerstört. Die Regierung der Provinz Kandahar hatte am Dienstagabend verfrüht mitgeteilt, alle Angreifer seien getötet worden.

Wegen der verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan hatte die Nato erst vor wenigen Tagen beschlossen, im kommenden Jahr ihre aktuelle Truppenpräsenz von rund 12.000 Soldaten praktisch unverändert beizubehalten. Die Bundeswehr soll 2016 ihren Einsatz in Afghanistan sogar leicht ausweiten.

apr/Reuters/AFP

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