Taliban-Angriff Dutzende Tote bei Kämpfen um Flughafen von Kandahar

Taliban und Regierungstruppen kämpfen um den Flughafen der afghanischen Stadt Kandahar, zwischen 30 und 40 Menschen sind bereits getötet worden. Unter den Opfern sind auch Zivilisten.


Afghanische Regierungstruppen haben sich am Mittwoch weiter Schusswechsel mit verschanzten Taliban-Kämpfern am Flughafen von Kandahar geliefert. "Einige Milizionäre leisten Widerstand gegen die Regierungstruppen", sagte der Vizesprecher des Verteidigungsministeriums, General Mohammad Radmanisch. "Wir arbeiten sehr hart daran, die Aufständischen zu eliminieren."

Zwischen 30 und 40 Menschen sind laut Regierungskreisen seit Beginn des Angriffs am Dienstagabend bereits ums Leben gekommen, wie unter anderem der "Guardian" berichtet. Aktuell ist von 37 Toten und 35 Verletzten die Rede. Weiterhin sollen die Extremisten zudem Geiseln auf dem Flughafengelände halten.

Kandahar gilt seit Jahrzehnten als eine Hochburg der Taliban, war in den Neunzigerjahren sogar die Hauptstadt der Islamisten. Der Flughafen liegt rund 16 Kilometer außerhalb der Stadt.

"Mindestens zwei Familien sind noch in Gefahr", sagte Oberst Mohammad Mohsin Sultani, der sich am Flughafen aufhielt. Die Taliban hätten die Geiseln in einer Wohnanlage für Armeeangehörige und deren Familien auf dem Flughafengelände genommen.

Taliban-Sprecher Kari Jusuf Ahmadi teilte über Twitter ebenfalls mit, dass die Gefechte andauerten. "Mehrere Selbstmordattentäter sind in den Flughafen Kandahar eingedrungen." Die Extremisten hätten zahlreiche Soldaten getötet und mehrere Militärflugzeuge zerstört. Die Regierung der Provinz Kandahar hatte am Dienstagabend verfrüht mitgeteilt, alle Angreifer seien getötet worden.

Wegen der verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan hatte die Nato erst vor wenigen Tagen beschlossen, im kommenden Jahr ihre aktuelle Truppenpräsenz von rund 12.000 Soldaten praktisch unverändert beizubehalten. Die Bundeswehr soll 2016 ihren Einsatz in Afghanistan sogar leicht ausweiten.

apr/Reuters/AFP

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skruffi 09.12.2015
1. Kein Ende in Sicht
Die Taliban werden auf längere Sicht wieder die Macht in AFG innehaben. Seit 14 Jahren haben ISAF und Co. nichts erreicht. Im Gegenteil. Wer sich z.B. den Bericht in der ARD angesehen hat, weiß, dass AFG nicht mehr zur Ruhe kommen wird. Tausende unschuldiger Drohnenopfer haben neue Taliban hinterlassen. AFG ist nicht bereit, für eine Demokratie westlichen Ansehens. Schaut man sich im Land um, laufen die Frauen mehr als zuvor in Vollverschleierung herum (ohne Talibanregierung). Die angeblichen Truppen- stärken der afgh. Armee existieren nur auch dem Papier. Die Quote der Desertierenden ist exorbitant hoch. Der afgh. Staat hat überhaupt keine Mittel für seine Armee, die somit von den Regierungen in D usw. bezahlt wird. Unsere Verteidigungsministerin und auch der Außen- Minister können noch so oft "Märchenstunde" in AFG abhalten. Es wird nichts ändern. Außer Riesensummen und wieder verletzte und getötete Soldaten wird nichts herum kommen. Daher. Ein Ende muss her und keine militärische Insolvenzverschleppung in AFG.
Gottloser 09.12.2015
2. Es herrscht dort Krieg!
Krieg ist kein Kindergeburtstag! Das dabei Menschen sterben (fallen) ist etwas ganz Normales, auch wenn man das in den Medien nicht mehr wahrhaben will. Heute sind Kriege eher "asymetrisch". Nicht mehr ganze Heere prallen aufeinander, sondern es finden Kämpfe an verschiedensten Orten statt (schon seit Vietnam). Deshalb mögen die Verluste in einem einzigen Gefecht relativ niedrig sein. In der Summe sind Kriege immer noch Tötungsorgien und der bestmögliche Einsatz von Brutalität, um mit Clauswitz zu sprechen.
bild-leser 09.12.2015
3. Ein sicheres Herkunftsland?
In Deutschland wird darüber gesprochen, Afghanistan sei ein sicheres Herkunftsland. Deshalb werden Flüchtlingen aus Afghanistan Deutsch-Kurse zur schnelleren Integration verweigert. Eine Abschiebung eines jungen Flüchtlings, der sich den Taliban verweigert hat, ist ein halbes Todesurteil. Was für ein Wahnsinn!
Peter Eckes 09.12.2015
4. .
Vor allem frage ich mich was diese ganzen Ausbilder der Bundeswehr dort tun. Die von ihnen ausgebildeten afghanische Soldaten haben noch keine einzige Schlacht gewonnen. Eine handvoll Badeschlappenkrieger mit Toyotas und Kalshnikovs und schon übergeben sie all ihre (teueren westlichen) Waffen und laufen kopflos davon. Vielleicht liegt es daran das die Bundeswehr selbst auch noch keine einzige Schlacht gewonnen hat und auf touristischen Ausflugsfahrten immer von Amis, Briten und Franzosen rausgepaukt werden muß. Und diese erfolgreiche Praxis der Vermittlung von totaler Unfähigkeit wird jetzt auch noch nach Mali, in den Irak und sonstwohin exportiert. Gute Nacht! Kann unsere Kindergartenarmee nicht einfach zu Hause bleiben?
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