Taliban-Attacke Zwei US-Soldaten in Afghanistan entführt

Die Nato vermisst in Afghanistan zwei Soldaten - und die Taliban brüsten sich damit, sie gekidnappt zu haben. Eine offizielle Bestätigung zur Nationalität der Verschleppten steht noch aus. Doch im lokalen Rundfunk bitten die Amerikaner um Hinweise und bieten bis zu 20.000 Dollar Belohnung.

US-Marines im Afghanistan-Einsatz: Zwei Soldaten wurden von den Taliban entführt
AP

US-Marines im Afghanistan-Einsatz: Zwei Soldaten wurden von den Taliban entführt


Hamburg/Kabul - Nach Angaben der Taliban haben die Aufständischen zwei US-amerikanische Soldaten gefangengenommen. Demnach ist es den Radikal-Islamisten gelungen, die Amerikaner in der Region Logar südlich der Hauptstadt Kabul zu entführen. Die Nato bestätigte den Vorfall inzwischen, nicht aber die Nationalität der Soldaten. Allerdings heißt es aus Kreisen von US-Offiziellen, es handele sich um amerikanische Soldaten.

Ein Taliban-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, ursprünglich seien seinen Kämpfern drei Isaf-Soldaten in die Hände gefallen. Einen von ihnen habe man jedoch wegen seiner Gegenwehr erschossen. Die zwei Geiseln seien inzwischen an einen sicheren Ort gebracht worden. Der Sprecher erklärte, man werde in Kürze Forderungen für ihre Freilassung formulieren.

Der Nato zufolge hatten die Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf am Freitag ihre Basis in Kabul verlassen - und waren nicht wie geplant zurückgekehrt. Eine Such-Aktion sei eingeleitet worden, hieß es.

Bis zu 20.000 Dollar Belohnung für Hinweise

Ein Reuters-Korrespondent berichtet aus Logar, der lokale Rundfunk habe eine US-Erklärung verbreitet, in der 20.000 Dollar für Informationen über den Aufenthaltsort der Soldaten geboten worden seien. Die beiden Soldaten werden in der Radiodurchsage äußerlich beschrieben: Einer sei ungefähr sechs Fuß groß (etwa 183 Zentimeter) und wiege rund 220 Pfund (100 Kilogramm), er habe blondes Haar und braune Augen. Sein Kamerad wiege 190 Pfund (86 Kilogramm), habe eine Glatze und einen dünnen Schnurrbart. Beide Männer seien tätowiert, hieß es weiter.

Entführungen von ausländischen Soldaten sind den Taliban seit Beginn des Afghanistan-Kriegs 2003 nur sehr selten gelungen. Seit Mitte 2009 ist allerdings der US-Soldat Bowe Robert Bergdahl in den Händen der Taliban.

In den meisten Geiselfällen hatten die Taliban die Feilassung von Kampfgefährten aus afghanischen Gefängnissen oder aus US-Gewahrsam gefordert. In der Vergangenheit gab es Fälle, bei denen tatsächlich Taliban freikamen - seit 2007 etwa aber reagieren weder die afghanische Regierung noch die internationalen Truppen auf die Forderungen, um keinen Ansporn für weitere Kidnappings zu schaffen.

flo/mgb/Reuters/AP

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