Schulmassaker in Pakistan "Die Männer fingen an, wahllos zu schießen"

"Wir sind sofort in den Klassenraum gerannt, aber die Angreifer haben uns gefunden": Überlebende des Schulmassakers in Pakistan berichten Schreckliches.

Überlebende des Schulmassakers: "Die Angreifer haben uns verfolgt und gefunden"
AP/dpa

Überlebende des Schulmassakers: "Die Angreifer haben uns verfolgt und gefunden"


Peschawar - Das Massaker an Kindern und Jugendlichen in einer Schule in Peschawar hielt Pakistan stundenlang in Atem. Bis Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle hatten, töteten Talibankämpfer mindestens 130 Menschen, die meisten von ihnen sind Schüler.

Diejenigen, die dem Grauen entfliehen konnten, berichten Erschreckendes: Aamir Ali saß mit zehn Klassenkameraden im Flur vor seinem Klassenraum als die Taliban die Militärschule von Peschawar stürmten. Ali hat als Einziger überlebt. "Wir sind sofort in den Klassenraum gerannt, aber die Angreifer haben uns verfolgt und gefunden", erzählte Ali der pakistanischen Zeitung "Tribune".

"Sie haben uns gesagt: Sprecht das Glaubensbekenntnis." Dann feuerten die Terroristen wahllos auf die Schüler, Ali hat wie durch ein Wunder überlebt.

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Pakistan: Taliban-Angriff auf Schule

Nach Angaben von Augenzeugen zogen die Angreifer von Raum zu Raum und schossen auf Lehrer und Kinder. "Wir saßen in einem Hörsaal und hörten eine Vorlesung, als die ersten Schüsse fielen", sagte der Neuntklässler Kashan Zaheeruddin. "Auf einmal wurde hinter uns die Tür aufgetreten und zwei Männer fingen an, wahllos zu schießen." In Panik versuchten die Kinder zu fliehen, Kashan selbst verletzte sich in dem Gedränge am Fuß.

Bundesregierung kondoliert Pakistanern

Ahsan Mukhtar hat sein Leben der Geistesgegenwart seines Lehrers zu verdanken. Er forderte die Kinder auf, sich auf den Boden zu legen und in einer Ecke des Klassenraumes zu verstecken. "Nach einer Stunde, als sich die Schießerei ein wenig beruhigt hatte, kam die Armee und hat uns gerettet", sagte Mukhtar der "Tribune".

"Als wir aus dem Klassenraum kamen, sahen wir die Leichen unserer Freunde auf den Korridoren. Einige waren von drei oder vier Kugeln getroffen worden", berichtete ein anderer Schüler.

Nach Angaben des Militärs sind am Nachmittag mehrere Schüler von Spezialeinheiten gerettet worden, ebenso elf Mitarbeiter der Schule. In einem Tweet verkündete die pakistanische Armee, bisher seien fünf Angreifer getötet worden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Taliban-Angriff scharf verurteilt: "Die Geiselnahme und Ermordung von Kindern übertrifft in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte", erklärte Steinmeier. "Wir trauern mit dem pakistanischen Volk um die Opfer dieses blutigen Terroranschlags." Auch der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich entsetzt: "Ich trauere mit den vielen Familien, denen der Talibanterror ihre Söhne und Töchter genommen hat", erklärte Steffen Seibert auf Twitter.

Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi twitterte, die Regierung müsse alle möglichen Schritte unternehmen, um Schüler und Schulen vor Gewalt zu schützen. Gemeinsam mit Malala Yousafzai erhielt Satyarthi in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das Mädchen kämpft in Pakistan für das Recht auf Bildung und war im Oktober 2012 von Taliban niedergeschossen worden.

syd/vek/Reuters



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