Taliban-Prozess Das überraschende Geständnis des US-Taliban Lindh

Offenbar aus taktischen Gründen hat sich der in den USA vor Gericht stehende amerikanische Taliban John Walker Lindh in zwei Anklagepunkten für schuldig bekannt. So hofft er einer lebenslangen Haftstrafe zu entgehen.

Alexandria - Es ist ein juristischer Kuhhandel. Der "amerikanische Taliban" Lindh kam offenbar mit der Staatsanwaltschaft überein, folgenden Deal zu schließen: Der Angeklagte bekennt sich, die Taliban in Afghanistan unterstützt und für sie Sprengstoff transportiert zu haben. Dafür soll er statt einer lebenslangen Haft nur zu einer zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Vor einem Gericht in Alexandria im US-Staat Virginia gab der 21-Jährige zu, von August bis November vorigen Jahres als Soldat im Dienst der Taliban Gestanden zu haben. Bezirksrichter T.S. Ellis nahm das Schuldbekenntnis an. Staatsanwalt Paul McNulty nannte das Schuldeingeständnis Lindhs als "einen großen Sieg für das amerikanische Volk im Kampf gegen den Terrorismus". Justizminister John Ashcroft würdigte ebenfalls die Übereinkunft. Wie aus dem Weißen Haus verlautete, hatte Präsident George W. Bush den Handel zwischen Lindh und der Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche im Grundsatz abgesegnet.

Lindh kündigte an, er wolle die Justizbehörden auch bei deren Ermittlungen gegen das Terrornetzwerk al-Qaida unterstützen. Dafür wird die Staatsanwaltschaft mindestens einen von ursprünglich zehn Punkten in der Anklageschrift fallen lassen - den des Vorwurfs einer Verschwörung zur Ermordung von US-Bürgern. Allein auf drei der Vorwürfe stand eine Höchststrafe von lebenslanger Haft.

Der eigentliche Prozess gegen Lindh soll Ende August stattfinden. Lindh war Ende 2001 nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan festgenommen worden.

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