Taliban und die Autobombe Bomben-Bekenntnis aus der Ferne

Pakistanische Taliban wollen die Autobombe am Times Square gebaut haben - auf YouTube haben sie sich mit einer Bekennerbotschaft gemeldet: Ein "kieferbrechender Schlag gegen den Satan USA" sei ihr Ziel gewesen. Doch ob die Behauptungen authentisch sind und stimmen, kann derzeit niemand sagen.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Der Zusammenschluss der pakistanischen Taliban hat in einer Audiobotschaft die Verantwortung für einen gescheiterten Autobombenanschlag am Times Square in New York übernommen. Die Authentizität der Botschaft der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) war in der Nacht nicht endgültig zu klären. Anders als bei dschihadistischen Terrororganisationen üblich, wurde das Band auch nicht auf den einschlägigen Websites veröffentlicht - sondern bei YouTube, wo es nach Bekanntwerden zügig vom Netz genommen wurde.

Die Tonbotschaft war mit antiamerikanischen Bildern unterlegt und wurde TTP-Kader Qari Hussain Mehsud zugeschrieben. Der Anschlag sollte demnach Rache für die Drohnenangriffe der CIA in Pakistan und den Tod der dortigen Qaida-Führung sein. Qari Hussain Mehsud gilt als aufstrebender TTP-Mann der zweiten Reihe, der sich bisher vor allem als Bombenbauer einen Namen gemacht hat. Er ist sowohl mit dem gegenwärtigen TTP-Chef Hakimullah Mehsud als auch mit dessen Vorgänger Baitullah Mehsud verwandt, der durch eine CIA-Drohne getötet wurde.

Falls sich bewahrheiten sollte, dass das Video von der TTP stammt, ist allerdings noch nicht bewiesen, dass die Selbstbezichtigung den Tatsachen entspricht. Am Sonntag gab der New Yorker Polizeichef Raymond Kelly bekannt, man suche nach einem "weißen Mann in den Vierzigern", der einen halben Block entfernt von Kameras dabei aufgezeichnet wurde, wie er ein dunkles Oberteil auszog - um mit einem roten Hemd bekleidet weiterzulaufen. Ob es einen Zusammenhang zum Anschlagsversuch gebe, sei noch unklar. Aber es gebe derzeit ebenfalls keine Hinweise, dass die Behauptungen der TTP richtig seien.

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Times Square: Polizei entschärft Autobombe

Weil der Sprengsatz vom Times Square nicht explodiert ist, stehen den Forensikern der Polizei nun etliche Asservate zur Auswertung zur Verfügung. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich daraus verwertbare Hinweise ergeben, die die Selbstbezichtigung der TTP entweder erhärten oder widerlegen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind weder andere Tätergruppen noch andere Zusammenhänge auszuschließen. So stand der Nissan Pathfinder, in dem die Sprengvorrichtung platziert war, direkt vor der Konzernzentrale von Viacom. Zu dem Unternehmen gehört der Sender Comedy Central, der die Serie "Southpark" ausstrahlt. Deren Macher waren erst kürzlich von radikalen Islamisten in den USA "gewarnt" worden, ihre respektlose Darstellung des Propheten Mohammed könne möglicherweise zu Anschlägen führen. Polizeichef Kelly wollte nicht ausschließen, dass Viacom das eigentliche Ziel war. Aber auch nichtislamistische Täter bleiben denkbar.

Kein Täterwissen in der Botschaft

Das mutmaßliche TTP-Video wurde Medienberichten zufolge auf YouTube über einen Kanal veröffentlicht, der erst am 30. April eingerichtet wurde. Auf ihm gab es keine weiteren Videos. Das Long War Journal, ein Terrorismus-Fach-Blog, berichtet, dass Qari Hussain Mehsud in der Botschaft von einem "kieferbrechenden Schlag gegen den Satan USA" spreche. Das Video scheint den Berichten zufolge keine Details und kein Täterwissen zu enthalten. Weder wird demnach der Tag des Attentatsversuchs erwähnt noch überhaupt die Stadt New York noch der Modus des Anschlags. Das könnte darauf hindeuten, dass die Botschaft für den Erfolgsfall vorproduziert und am Sonntag trotz der Entdeckung der Bombe publiziert wurde. In der Audiobotschaft vom Sonntag wird auch die Verurteilung einer pakistanischstämmigen Wissenschaftlerin in den USA wegen versuchten Mordes von US-Soldaten aufgegriffen, außerdem die Nato-Politik und die US-Involvierung in die pakistanische Innenpolitik.

Die TTP ist ein relativ junger Zusammenschluss der Taliban-Bewegung in Pakistan und hat dort in den vergangenen Jahren etliche Terroranschläge durchgeführt. Die Verbindungen zu al-Qaida sind wahrscheinlich eher lose, aber durchaus vorhanden. Die TTP hat bisher keine Anschläge außerhalb ihrer Heimatregion ausgeführt - aber schon der getötete Chef Baitullah Mehsud schwadronierte in seiner Propaganda von atemberaubenden Attacken in den USA.

Sollte die TTP tatsächlich einen Anschlag in den USA versucht haben, würde das die Bedrohungslage komplizieren. Es wäre ein weiterer Hinweis darauf, dass sich längst nicht mehr nur die Zentrale des Terrornetzwerks al-Qaida von Osama Bin Laden für Anschläge in den USA zuständig fühlt. Schon am ersten Weihnachtstag 2009 war diese lange gültige Annahme ins Wanken geraten. Damals versuchte ein Attentäter, den die Qaida-Filiale im Jemen ausgesandt hatte, einen US-Passagierjet beim Anflug auf Detroit zum Absturz zu bringen.

In dem Nissan Pathfinder waren laut CNN insgesamt drei Gasflaschen, zwei Benzinkanister sowie zwei Uhren mit Batterien und eine Metallbox. Außerdem war in Medienberichten von einer weiteren Substanz die Rede, möglicherweise Dünger.



insgesamt 11 Beiträge
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Dominik Menakker, 03.05.2010
1.
Stecken die Taliban hinter dem versuchten Anschlag in New York? Ich befürchte nein. Warum befürchte? Wenn es tatsächlich die Taliban wären, wäre es mehr als beruhigend zu wissen, dass sie nicht mehr auf die Reihe bekommen. Zu befürchten ist aber eher, dass es ein unfähiger Einzelgänger war.
Transmitter, 03.05.2010
2. Spucken des Meerschweinchens
Zitat von sysopPakistanische Taliban wollen die Autobombe am Times Square gebaut haben - auf YouTube meldeten sie sich mit einer Bekennerbotschaft zu Wort: Ein "kieferbrechender Schlag gegen den Satan USA" sei das Ziel gewesen. Doch ob die Behauptungen authentisch sind und stimmen, kann derzeit niemand sagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,692571,00.html
Ich habe zwar keine Hintergrundinfos, wie wir alle, und weiß nur, dass die Bombe primitivster Art war. Propangasflaschen und Schwarzpulver mit Brennzündung. Wir werden es ja sicher bald erfahren, aber ich prognostiziere heute schon mal: Das war ein eingeborener Amerikaner, eine rein amerikanische Bombe. So ein primitives Ding würden weder Al Quaida noch Taliban herstellen. Sowas machen nur Amis.
arnowagner 03.05.2010
3. Verantwortung fuer voellig unfaehgen "Bombenbau"? Sollen sie nur...
Wer glaubt Benzin, ein paar Gasflaschen und das Ganze dann anzuenden ergibt einen Sprengsatz, der demonstriert nur eines, naemlich haarstraeubende Unfaehigkeit. Nicht das ich da etwas dagegen habe, dass Terroristen im Wesentlichen Nullen zu sein scheinen. Was allerding sehr peinlich und blosstellend ist, ist wie die Politik auf solche grenzdebilen Anschlagsversuche reagiert: Da wird aufgebauscht, versucht der Oeffentlichkeit zu suggerieren, dass es Tote haette geben koennen, etc.. Wenn man die Definition des Begriffs Terrorismus anlegt, finden sich hier reichlich terroristische Trittbrettfahrer in der Politik. Amoralisch und widerlich, meiner Meinung nach. Die richtige Presse-Reaktion waehre etwa so: "Unfaehiger Idiot versucht sich als moechtegern Terrorist. Die "Bombe" wurde von einem Feuerwehrman geloescht und im Muell entsorgt. Der "Attentaeter" wird als nicht besonders gefaehrlich eingestuft, da offensichtlich unfaehig." Dass waehre praktizierte Terror-Bekaempfung. Auslachen statt Angst haben.
frubi 03.05.2010
4. .
Zitat von sysopPakistanische Taliban wollen die Autobombe am Times Square gebaut haben - auf YouTube meldeten sie sich mit einer Bekennerbotschaft zu Wort: Ein "kieferbrechender Schlag gegen den Satan USA" sei das Ziel gewesen. Doch ob die Behauptungen authentisch sind und stimmen, kann derzeit niemand sagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,692571,00.html
Ich will gar nicht wissen, wozu sich die Taliban und al Quaida nocht alles bekannt haben und was Sie letztlich nicht selber zu verantworten haben.
Gereon, 03.05.2010
5. Terrorangst...
Zitat von sysopPakistanische Taliban wollen die Autobombe am Times Square gebaut haben - auf YouTube meldeten sie sich mit einer Bekennerbotschaft zu Wort: Ein "kieferbrechender Schlag gegen den Satan USA" sei das Ziel gewesen. Doch ob die Behauptungen authentisch sind und stimmen, kann derzeit niemand sagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,692571,00.html
Ich denke, diese Aktion soll die Terrorangst der Amerikaner wach halten und so helfen, die 'Heimatschutz'-Behörde, die 'Anti'-Terrorgesetze und den 'Kreieg gegen den Terror' zu legitimieren. Terror halt.... für den Terror in den Köpfen, wohlabgestimmt auf die nächsten Tage... Wir werden bald sehen, wofür das einstimmen sollte...
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